Pilgern

Der magische Moment, als die Berge der Po-Ebene weichen

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Christina Rückert
Das Zelt der Pilgerinnen Julia Weissenhorner und Janka Davids vor Bergkulisse. Gelegentlich dürfen die beiden Frauen ihr Zelt auch auf privaten Grundstücken aufstellen, so wie hier zwischen Apfelbäumen.

Das Zelt der Pilgerinnen Julia Weissenhorner und Janka Davids vor Bergkulisse. Gelegentlich dürfen die beiden Frauen ihr Zelt auch auf privaten Grundstücken aufstellen, so wie hier zwischen Apfelbäumen.

Foto: Privat

Zwei Pilgerinnen aus Bergedorf haben mittlerweile 1500 Kilometer geschafft. Und nun die letzten Etappen vor sich.

Hamburg/Padua. Wenn der Weg lang und weit ist, keine Berge den Blick versperren, dann fliegen die Gedanken. So ist es jüngst auch den Bergedorfer Pilgerinnen Janka Davids (49) und Julia Weissenhorner (54) ergangen, die inzwischen die Po-Ebene erreicht haben und nun in Padua sind. „Wir konnten viel nachdenken – einfach, weil wir uns nicht so sehr um den Weg kümmern mussten“, erzählt Janka Davids. Ein Blick aufs eigene Leben: Dafür war nun auch mal wohltuend Zeit.

Pilgerinnen aus Bergedorf sind in Padua angekommen

Die Erlebnisse der vergangenen nunmehr 1500 Kilometer sind wohl ebenfalls Gedankenstoff genug. Seit die beiden Pilgerinnen den Brenner hinter sich gelassen haben, zelteten sie an Seen, sahen Sonnenuntergänge und trafen neue Menschen. So wie den Apfelplantagenbesitzer Josef, kurz Jo.

In Salurn in der Nähe der Südtiroler Weinstraße kam er den beiden Bergedorferinnen in einem Moment zu Hilfe, als sich ihre Übernachtungsmöglichkeit in Wohlgefallen aufzulösen drohte. Die Frauen hatten eigentlich die Erlaubnis bekommen, ihr Zelt im Garten eines Hotels an der Bundesstraße aufzustellen. Doch plötzlich machten die Inhaber – mit eher fadenscheiniger Begründung – einen Rückzieher. Da der Rasensprenger immer morgens um sechs Uhr angehe, könnten sie ihr Zelt dort doch nicht aufstellen, hieß es in eher unfreundlichem Tonfall. „Wir waren ziemlich bedient, denn wir waren nach acht, neun Stunden in der Hitze reichlich k.o.“, berichtet Julia Weissenhorner.

Das Zelt inmitten der Apfelplantage aufstellen

Doch wo nun übernachten? Retter Jo bemerkte das ganze Drama – und erlaubte den Frauen, ihr Zelt auf seiner Apfelplantage inmitten der Bäume aufzustellen. „Zwischen Pink Lady und Granny Smith“ verbrachten die Frauen schließlich eine angenehme Nacht – und konnten sich am nächsten Morgen erfrischt wieder auf den Weg machen.

Weiter ging es von dort nach Trient, wo die Frauen etwas „die Seele baumeln ließen“, die Stadt genossen und abends schön essen gingen. Im Valsugana, dem letzten Alpen-Tal vor der Po-Ebene, wanderten sie entlang des Flusses Brenta lange geradeaus, immer am Radweg entlang – teilweise bis zu 30 Kilometer am Tag und das bei immer noch sommerlichen Temperaturen.

Aus einem Bed-and-Breakfast wurde ein First-Class-Hotel

Im Ort Castelnuovo durften die beiden Bergedorferinnen herzliche Gastfreundschaft erfahren. Die beiden Betreiber eines Bed-and-Breakfast, Annalisa und Roberto De Monte, hatten zwar kein Zimmer für die Hamburgerinnen frei. Doch die Pilgerinnen durften ihr Zelt in einer Ecke ihres Privatgartens aufstellen. Damit nicht genug: „Sie haben uns ein Fünf-Gänge-Abendessen gezaubert“, erzählt Janka Davids. Auch duschen und Wäsche waschen durften die Frauen. Und am nächsten Morgen gab es dann noch ein exzellentes Frühstück. „Es war wie in einem First-Class-Hotel, ganz großartig.“

Gut gestärkt ging es weiter für die Pilgerinnen, die nun langsam die Bergregionen verließen und die Po-Ebene erreichten. Bei Bassano del Grappa wartete der magische Moment. Nachdem die Frauen lange geradeaus gelaufen waren und die Berge rechts und links immer flacher wurden, „öffnete sich auf einmal der Blick so wahnsinnig auf die Po-Ebene“, sagt Julia Weissenhorner. Hinter sich die letzten Berge der Alpen, vor sich die Ebene, dunstig wie eine Wüste: Erinnerungen wohl für die Ewigkeit.

Die letzten Etappen gen Rom liegen vor den Pilgerinnen aus Bergedorf

Nach einer Nacht im Kloster in Camposampiero sind die Pilgerinnen nun also in Padua angekommen – und die letzten Etappen gen Rom liegen vor ihnen. Acht Wochen nach Start der Pilgerreise ist für die Frauen eines schon klar: „So lange unterwegs sein zu dürfen, ist ein großes Geschenk.“

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