Corona Hamburg

Impftermine: Steht die zentrale Vergabe vor dem Aus?

| Lesedauer: 2 Minuten
Ulf-Peter Busse
Impfen ohne Priorisierung und Terminvergabe: ein Erfolg am Bergedorfer Krankenhaus 

Impfen ohne Priorisierung und Terminvergabe: ein Erfolg am Bergedorfer Krankenhaus 

Foto: Jan Schubert / BGDZ

Was der bevorstehende Ausstieg aus dem Service der Kassenärzte für die Krankenhäuser bedeutet. Das sagt die Sozialbehörde.

Hamburg. Während sich Hamburg weiter locker macht – am Wochenende fällt laut Senatsbeschluss die Maskenpflicht für alle Restaurants, Bars und sogar volle Stadien, wo die 2G-Regel gilt – droht der stotternden Impfkampagne ein Rückschlag. Nach Informationen unserer Redaktion verabschiedet sich Hamburgs Gesundheitsbehörde gerade vom zentralen Terminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Ab Oktober könnten Impfungen nicht mehr unter der Hotline 116 117 oder auf der Webseite gebucht werden.

„Es ist noch keine Entscheidung getroffen“, sagt Behörden-Sprecher Martin Helfrich, verspricht aber auch: „Wir werden einen reibungslosen Übergang zu einem neuen System sicherstellen.“ Konkretere Informationen soll es „kurzfristig“ geben, wohl aber erst am Montag – also nach der Bundestagswahl. Ohnehin seien die Hausärzte als wichtigste Stütze des Impfens ja gar nicht auf eine Terminvergabe angewiesen, so Helfrich: „Sie pflegen mit ihren Patienten den direkten persönlichen Kontakt.“

Corona Hamburg: Krankenhaus kann Impftermine nicht freischalten

Folgen hat das abrupte Ende der eingespielten Wege zur Terminvergabe dagegen für die zehn Hamburger Kliniken, die seit der Schließung des Impfzentrums in den Messehallen als dessen Ersatz in den Bezirken fungieren. „Wir können unsere Oktobertermine derzeit nicht freischalten“, sagt Matthias Gerwien, Sprecher des Agaplesion Bethesda Krankenhauses in Bergedorf. „Wollen wir nicht auch noch die Vergabe über unsere Homepage selbst managen, müssen wir abwarten.“

Die wichtigsten Varianten des Coronavirus im Überblick

Nach Anregung der Weltgesundheitsorganisation WHO werden die Varianten des Coronavirus nicht mehr nach den Staaten benannt, in denen sie zuerst nachgewiesen wurden, sondern nach den Buchstaben des griechischen Alphabets. So soll eine Stigmatisierung beispielsweise von Ländern wie Großbritannien oder Indien verhindert werden, in denen besonders ansteckende Virusmutationen zuerst nachgewiesen wurden.

Derzeit gelten vier Formen des Coronavirus als besorgniserregend ("Variants of Concern"):

  • Alpha: Die im September 2020 zuerst in Großbritannien nachgewiesene Variante B.1.1.7, die das ursprüngliche Coronavirus fast vollständig verdrängt hat.
  • Beta: Eine Form des Coronavirus, die im Mai 2020 in Südafrika entdeckt wurde, wissenschaftliche Bezeichung: B.1.351, B.1.351.2, B.1.351.3
  • Gamma: Die zunächst in Brasilien im November 2020 nachgewiesene Mutation P.1 und ihre Subformen P.1.1 und P.1.2
  • Delta: Die Corona-Variante B.1.617.2 (und ihre Subformen AY.1, AY.2, AY.3), zuerst im Oktober 2020 in Indien gefunden

Außerdem beobachtet die WHO weitere vier Mutationen als bedeutsame "Variants of Interest" :

  • Eta: Wissenschaftliche Bezeichung B.1.525, im Dezember 2020 in diversen Staaten nachgewiesen
  • Iota: B.1.526, im November 2020 in den USA entdeckt
  • Kappa: B.1.617.1, im Oktober 2020 erstmals in Indien nachgewiesen
  • Lambda: C.37, im Dezember 2020 in Peru entdeckt

Eine mehr als unglückliche Lage, sind es doch die Kliniken, die in den vergangenen Wochen mehr als tausend Ungeimpften noch die Spritze gegeben haben. Im Bethesda waren die Ende August eingestellten 250 September-Termine binnen weniger Stunden reserviert – zusätzlich zum Service „Impfen ohne Termin“, der immer mittwochs um 15.30 Uhr gut 100 Menschen auf das Klinikgelände am Glindersweg zieht.

Auch zentrale Impfstoff-Beschaffung soll auslaufen

Während zumindest dieser Service auch im Oktober weitergeht, bringt die Klinik ein zweiter Rückzug des Senats in Schwierigkeiten: Hamburg will die zentrale Impfstoff-Beschaffung demnächst auslaufen lassen. „Wir wissen nicht, ob unsere Apotheke dann in der Lage ist, die erforderlichen 400 Dosen für Erst- und Zweitimpfungen pro Woche zu liefern“, sagt Gerwien.

Wie dringend weitere Impfungen gerade angesichts der aktuellen Lockerungen sind, belegen die Zahlen: Im Bethesda lagen am Dienstag vier Corona-Patienten, davon zwei auf der Intensivstation. Die Bergedorfer Inzidenz liegt aktuell bei 84,4.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf