Nutria

Invasion der Biberratten – Bergedorfs Politiker in Sorge

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Ulf-Peter Busse
Nutrias gelten vielen Bergedorfern noch als niedliche Streicheltiere. Tatsächlich sind sie aggressiv und dürfen als „invasive Art“ bejagt werden.

Nutrias gelten vielen Bergedorfern noch als niedliche Streicheltiere. Tatsächlich sind sie aggressiv und dürfen als „invasive Art“ bejagt werden.

Foto: Julian Stratenschulte / picture alliance/dpa

Nutrias erobern die Ufer der Bille, der Brookwetterung und des Schleusengrabens. Die Umweltbehörde ist ratlos.

Hamburg. FDP und CDU schlagen Alarm: „Bergedorf droht in drei bis fünf Jahren eine Nutria-Katastrophe“, warnte Hubertus Manthey für die Liberalen am Mittwoch im Umweltausschuss der Bezirksversammlung – und zeichnete ein Szenario des Schreckens: Die vermeintlich süßen Nutrias würden alle natürlichen Bewohner an den Flussufern verdrängen, mit ihren Höhlen die Deiche durchlöchern und durch eine Vermehrungsrate von bis zu 50 Jungen je Pärchen im Jahr ganze Landstriche überschwemmen.

Tatsächlich sind die Nutrias Mitte des vergangenen Jahrzehnts entlang der Elbe nach Bergedorf eingewandert und haben über die Vier- und Marschlande längst auch die Ufer der oberen Bille, der Brookwetterung und des Schleusengrabens erobert. Die ursprünglich aus Südamerika stammende Biberratte, war für Pelztierfarmen in Europa eingeführt worden, von wo einige Tiere den Weg in die Freiheit fanden. Dort fühlen sich Nutrias sehr wohl, auch weil sie in Deutschland keine natürlichen Feinde haben.

Politiker sorgen sich vor einer Nutria-Plage in Bergedorf

Das bestätigt auch die Umweltbehörde in ihrer vier Seiten starken Antwort auf ein Auskunftsersuchen der FDP-Fraktion. Allerdings mit einem ernüchternden Fazit: Bergedorf sei in Hamburg zwar am stärksten von Nutrias betroffen, ein Bejagen oder andere Formen der Bekämpfung aber wenig aussichtsreich. Die beiden bisher von der Behörde beauftragten Bisamjäger hätten 2019 zwar 217 Tiere erlegt und 2020 sogar über 600. Wesentlichen Einfluss auf die Population hätte das aber nicht gehabt. Zudem sei eine Jagd in Naturschutzgebieten oder an öffentliche Wegen rechtlich nicht zulässig.

Die Lösung des Problems erschöpft sich bei der Behörde einerseits in Entwürfen für Gesetzesänderungen – und andererseits in der Idee, die Zuständigkeit an die Bezirke zu übertragen. Eine Strategie, die bei Bergedorfs Politik für Kopfschütteln sorgt. Auch der dann für die Nutrialplage zuständige Grün-Chef Wolfgang Charles zuckte mit den Schultern: „Ob das unsere Aufgabe wird, ist völlig offen. Ebenso die Frage, welche personellen und finanziellen Ressourcen dann an uns übertragen werden.“

Sollen Nutrias im Bezirk Bergedorf abgeschossen werden?

Vanessa Haloui vom Tierschutzverein Looki wunderte sich im Ausschuss zudem darüber, dass die Behörde keine Alternativen zum Abschuss kenne, etwa die Kastration der Nutrias. Klärung soll nun die Einladung eines Experten der Umweltbehörde in den Hauptausschuss der Bezirksversammlung am 14. Oktober bringen.

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