Verabschiedung

Baudezernent Uwe Czaplenski geht in den Ruhestand

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Anne K. Strickstrock
Mit Bauarbeiterhelm und Zollstock vor dem Bergedorfer Rathaus: Uwe Czaplenski

Mit Bauarbeiterhelm und Zollstock vor dem Bergedorfer Rathaus: Uwe Czaplenski

Foto: strickstrock / BGZ

Untere seiner Ägide wurden in den vergangenen Jahren 7000 Wohnungen im Bezirk Bergedorf gebaut. Jetzt freut er sich auf mehr Freizeit.

Bergedorf. Ganz leicht ist es wohl nicht, einen Nachfolger zu finden. Jedenfalls geht das Bezirksamt jetzt schon in die zweite Ausschreibungsrunde, damit jemand „schnellstmöglichst“ einsteigt, wenn Uwe Czaplenski am 1. Oktober als Bergedorfs Baudezernent in den Ruhestand geht – nach knapp zehn Jahren in dem Job. Vielleicht wird es ja jemand, der auch „um Gottes Willen nie Beamter werden“ wollte. „Graue Anzüge, graue Menschen“, fürchtete er. Trotzdem hat der 65-Jährige dann eine ganz klassische Laufbahn hingelegt.

Das sah damals in Bad Bevensen noch anders aus. Als Jugendlicher war man seinerzeit Atomkraft-Gegner und interessierte sich für den Umweltschutz. Und der Papa bestand darauf, dass er in die Gewerkschaft eintrat, als sein Sohnemann zunächst eine Ausbildung zum Werkzeugmacher absolvierte. Von daher stammt wohl noch die Vorliebe für Präzision. Heute zwar nicht mehr für Stanz- und Biegewerkzeuge – aber für Unterhebelrepetierer: Czaplenski ist leidenschaftlicher Sportschütze im SV Fleestedt.

Es hätte auch Berlin sein können, doch es zog ihn nach Lohbrügge

Hülse, Bleigeschoss, Treibladung und Zünder sind seine Werkzeuge. Und er hat die Lizenz für die Munition, also den „kleinen Sprengstoff-Schein“: Daheim in Niendorf presst er den Hülsenrohling aus Messing, misst das Schießpulver ab, setzt den Zünder ein. Kein Wunder, dass ihm die Kollegen nun eine „Hülsen-Waschmaschine“ zum Abschied schenkten.

Es hätte auch Berlin sein können, doch es zog ihn zum Studium nach Lohbrügge: Das Fach-Abi frisch in der Tasche, studierte er „Technischen Umweltschutz“ an der Fachhochschule am Ulmenliet – und wohnte im Studentenwohnheim an der Billwiese, über dessen Abriss gerade mit dem Denkmalschutzamt verhandelt wird. Abreißen war sein Ding hingegen nicht: „Wir haben in den letzten Jahren immerhin 7000 Wohneinheiten in Bergedorf neu gebaut.“

„Das war wirklich anfangs zu groß geplant“

Das sagen so nur Stadtplaner, er meint natürlich Wohnungen, für Menschen, die Bergedorf mögen. Oder Lohbrügge, denn am Reinbeker Redder entstanden gleich 400 Wohnungen, und im Gleisdreieck am Mittleren Landweg sollten es 800 sein: „Da mussten wir in freier Natur im Eiltempo bauen, mit seriösen, naturschutzrechtlichen Untersuchungen“, erinnert er seine größte Herausforderung im Senatsauftrag. Eine „blutige Nase“ habe er sich eher mit dem Stuhlrohrquartier geholt: Gut 400 Wohnungen weniger wurden schließlich nach großem Protest der Bergedorfer vorgesehen. Und ja: „Das war wirklich anfangs zu groß geplant.“

Dabei hat er Stadtplanung auch gar nicht gelernt: Umwelt-Ingenieure suchte das Bezirksamt Eimsbüttel, als Uwe Czaplenski mit dem Studium fertig war. Damals ging es zunächst um Hamburgs rund 2500 Altlastenflächen voller Müll, Chemie und Kampfstoffe. „Ich war erst bei der Baupolizei, wie man früher sagte, und musste Reinigungen, Lackierereien und Tankstellen kontrollieren.“ Dann wurden in den Bezirken Umweltabteilungen gegründet (Leitung), später mit dem Gesundheitsamt zusammengelegt (Vize-Leiter).

Beinah Bezirksamtsleiter in Eimsbüttel geworden

Es folgte die Verwaltungsreform: Umweltschutz und Bauamt kamen in ein Dezernat (Vize). Nicht zu vergessen, dass er sich für die Eimsbüttler Bezirksamtsleitung beworben hatte: „Am Schluss waren wir nur noch zwei von zwölf Kandidaten. Torsten Sevecke hat gewonnen, weil er ein Parteibuch hatte“, glaubt Czaplenski.

Dann war es eher Zufall, dass die Stelle des Baudezernenten in Bergedorf ausgeschrieben war, schon in der zweiten Runde. Zwei Tage vor Fristablauf rief ihn dann endlich Arne Dornquast an, der dringend einen Nachfolger wollte, um selbst Bezirksamtsleiter zu werden. Hat bekanntlich geklappt. Aber die Frau von Uwe Czaplenski, eine Internistin, die er schon von Berlin nach Hamburg locken konnte, winkte ab: „Nach Bergedorf kannste alleene hinziehen.“ So wurden es eben lange Arbeitswege.

Nicht herumgeeiert, sondern Klartext geredet

Die wurden indes nur selten mit der 1200er BMW zurückgelegt („Ich bin schon als 13-Jähriger gefahren, wir haben von dem dementen Opa eines Freundes dessen Maschine aus dem Schuppen stibitzt“). Dabei hätte sich das Motorrad zumindest in den Vier- und Marschlanden gelohnt: „Zum Glück kann ich Plattdeutsch, denn ich wurde ja auch noch Regionalbeauftragter. Und in diesem grunddemokratischen Ausschuss wird nicht herumgeeiert, sondern Klartext geredet.“

Dabei liebt er Arbeitskreise und gründete derer viele, etwa für den Schleusengraben und den „Baudialog“, damit sich die Kulturlandschaft im Landgebiet „sensibel entwickelt, nicht mit der Gesetzeskeule“. Im Vordergrund stehe doch immer, was dem Menschen hilft: „Alles Recht ist dienendes Recht“, sagt der Beamte.

„Das Thema winkt schon zum Fenster herein“

Er habe Bergedorf besser und schöner gemacht und stets „formvollendete Umgangsformen gehabt“, lobt Arne Dornquast und sammelte Zitate aus den Abteilungsleiterrunden: „Der Verlauf entscheidet“ gehört ebenso dazu wie „Das Thema winkt schon zum Fenster herein“ – das sagte Czaplenski etwa, wenn bei Hochbauten der Protest zur Verschattung erwartbar war.

Da klingt vielleicht sein „beruflicher Ziehvater“ nach: Dr. Jürgen Mantell, ehemals Bezirksamtsleiter in Eimsbüttel. „Mir fiel echt die Kinnlade runter, als die Kollegen den 77-Jährigen zu meinem Abschiedsfest auf dem Bauhof eingeladen hatten“, freut sich Czaplenski über den Überraschungsgast, der heute HSB-Präsident ist.

Die nächste Generation hat er nun im Blick, die nächsten Entwicklungen: Nicht nur, dass die vier Enkel auf Mallorca und in Japan besucht werden wollen, auch das Großwerden von Oberbillwerder will der 65-Jährige beobachten: „Immerhin rund 7000 Wohneinheiten, mit Platz sowohl für kreative Start-ups als auch für den türkischen Gemüsehändler. Das kann richtig gut werden.“

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