Altstadtfest

Was Bergedorfer von einer Wahrsagerin wissen wollen

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„Ich gebe gern einen guten Ratschlag, was der Mensch besser machen kann“, sagt Wahrsagerin Norma Jörling (47).

„Ich gebe gern einen guten Ratschlag, was der Mensch besser machen kann“, sagt Wahrsagerin Norma Jörling (47).

Foto: strickstrock / BGZ

Kerzen, Sterne, Goldglitzer und Lenormandkarten: Norma löst Flüche auf und will „Hilfe in allen Lebenslagen“ geben. Ein Besuch.

Hamburg.  Sicheren Schrittes betreten die Stammkunden den kleinen Wohnwagen, die meisten Bergedorfer jedoch gehen etwas zögerlich auf Norma Jörling zu: „Endlich sind wieder Begegnungen mit Menschen erlaubt“, freut sich die 47-Jährige und bietet vor der Kirche St. Petri und Pauli ihre Wahrsager-Dienste an: Kartenlegen und Handlesen für jeweils 20 Euro. Dafür schaut sie in die Vergangenheit und Zukunft, gibt „Hilfe in allen Lebenslagen“. Was aber wollen die Bergedorfer von ihr wissen?

Die Sorgen der Menschen ähneln sich wohl seit Jahrtausenden: Was kommt Neues auf mich zu? Soll ich ins Ausland ziehen, ein Geschäft eröffnen, den Beruf wechseln? „Am meisten geht es um die Liebe, ob der Partner treu ist, ob sie ihn heiraten können. Manche zeigen mir ein Handyfoto, damit ich mich besser ‘reinfühlen kann“, sagt Norma, die viel auf Straßenfesten und Weihnachtsmärkten unterwegs ist.

Altstadtfest Bergedorf: Ein Besuch bei der Wahrsagerin

„Ein Bergedorfer Pärchen fragte, ob es nach ihrer Krise noch immer füreinander bestimmt sei. Und ein Geschäftsmann um die 50, der unter Corona gelitten hat, sorgt sich um seinen Laden. Aber die Erfolgslinie in seiner Hand ist sehr stark“, erzählt Norma, die ebenso mit einer Dame gesprochen habe, die in Trennung lebt: „Ihr langjähriger Ehemann hat eine Geliebte. Und sie selbst würde auch gern wieder einen Partner haben, hat aber aus Angst vor Enttäuschung eine Mauer um sich herum gebaut.“ Na ja, das lässt sich eher leicht erahnen, oder?

Mit Mann und Hund wohnt sie in Marmstorf – und stammt aus einer Sinti-Familie: „Als ich neun Jahre alt war, sagte mir meine Großmutter, dass ich ein Medium bin. Seither hat sie meine hellseherischen Fähigkeiten geschult und unterstützt“, sagt die 47-Jährige, die nie etwas anderes gelernt habe und das Hellsehen zum Hauptberuf machte. Wobei ihr eines ganz wichtig ist: „Ich warne zwar, wenn ich Krankheiten sehe, aber den Tod sage ich nicht voraus, das wäre böse. Ich schicke niemanden mit einem Schauer weg.“

Auch die Reporterin lässt sich die Karten legen

Und nicht selten seien es auch schöne Überraschungen – wenn etwa die angeblich unfruchtbare Frau doch noch ein zweites Kind bekommt: „Ein gutes Jahr später kam sie mit ihrem Mädchen im Kinderwagen und hat sich ganz dolle bedankt“, freut sich Norma über ihre „energetischen Gaben“. Schließlich möchte sie Seelen heilen, auch von Schwarzer Magie reinigen: Manchmal müsse ein Fluch aufgelöst, eine Blockade gelöst werden.

Na gut, jetzt muss ich auch mutig sein – rufe „Stop“ beim Kartenmischen und lasse mir den dicken, braunen Bären deuten: „Bei uns Zigeunern besagt diese Lenormandkarte, dass du stark und sensibel zugleich bist.“ Hm, das hört sicher jeder gern. „Und du machst deinen Beruf recht gut, ist zwar stressig, muss aber unbedingt was mit Menschen zu tun haben“, sagt sie der Journalistin ... Dann überrascht sie mich aber doch – mit dem „Sorgenkreuz“ zwischen zwei Herz-Karten. Dabei kann sie wirklich nichts von meiner Fernbeziehung wissen. Aber auch ich werde nicht mit einem Schauer entlassen, denn: „Liebe ist nie verschenkte Zeit.“ Da will ich fest dran glauben!

( stri )

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