Bergedorf

Verkehrschaos: Großer Streit – aber auch erste Lichtblicke

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Christina Rückert und Ulf-Peter Busse
Seit Wochen herrscht hier Dauerstau – nicht nur im Berufsverkehr: Blick über die Holtenklinker Straße in Richtung Mohnhof.

Seit Wochen herrscht hier Dauerstau – nicht nur im Berufsverkehr: Blick über die Holtenklinker Straße in Richtung Mohnhof.

Foto: Ulf-Peter Busse

Bergedorfs Wirtschaft kritisiert Dauerstaus. Und findet Unterstützung bei der CDU. Doch es zeichnet sich etwas Entspannung ab.

Bergedorf. Stoßstange an Stoßstange quälen sich die Autos über den Sander Damm, die Autobahn 25, die B 5 und über Nebenstrecken wie den Allermöher Deich: Seit Wochen herrscht im Bezirk Verkehrschaos. Auch die Handwerkskammer in Bergedorf schlägt nun Alarm: Die zahlreichen Baustellen hätten „eklatante Folgen für das Handwerk“ heißt es in einem Brief an den kommissarischen Bezirksamtsleiter, Ulf von Krenski. Zeitliche Vorgaben von Kunden könnten nicht mehr eingehalten werden, die Zulieferung von Material verzögere sich, Mitarbeiter kämen zu spät.

Die vielfältigen Probleme hat die CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung nun zum Anlass genommen, eine Aktuelle Stunde zu dem Thema einzuberufen: In der ersten Sitzung nach der Sommerpause ließ die Fraktion kein gutes Haar an der Koordination der Bauarbeiten in Bergedorf und ganz Hamburg.

Verkehrschaos in Bergedorf beschäftigt Wirtschaft und Politik

„Der aktuelle Verkehrszustand in Bergedorf ist unerträglich“, befand Julian Emrich (CDU). Fast könne der Eindruck entstehen, dass sich die Verkehrsbehörde über Probleme im fließenden Verkehr freue. Emrich listete auf, wo die CDU Versäumnisse sieht: die allgemeine Bevorzugung des Radverkehrs in Hamburg, die fehlenden Anreize, damit Baustellen schneller fertiggestellt werden (Bonus-Malus-Regelung), die schlechte Abstimmung bei der Koordination.

So seien Bedenken des Bergedorfer Baustellenkoordinators „bei der Verkehrsbehörde nicht gehört worden“. Konsequenz: In Bergedorf rollen die Autos derzeit über Nebenstrecken wie den Billwerder Billdeich oder den Allermöher Deich – Strecken, die „für solchen Verkehr nicht gemacht sind“. Die CDU fordere „schnelle Verbesserungen“.

SPD: Baustellen wie die auf der A 25 sind unvermeidbar

Außer bei der AfD fand die Fraktion mit dieser Forderung allerdings wenig Gehör. Robert Gruber (Die Linke) bescheinigte dem CDU-Vortrag „viel heiße Luft“. Hamburg sei eine Metropole, Pendler müssten nun mal nach Hamburg hinein: „Die Arbeitsplätze sind schlecht verteilt, da muss man als erstes ran.“

Andreas Tilsner (SPD) überraschte die CDU-Kritik, denn: „Wir haben das alles ausführlich im Verkehrsausschuss besprochen.“ Sogar ein Referent sei zu Gast gewesen. Baustellen wie die auf der A 25 seien absolut unvermeidbar, so Tilsner. „Auch wir erleben den Stau“, sagte er. Doch zusätzliche Probleme wie der Bahnstreik seien nicht absehbar gewesen.

Erste Auffahrten zur A 25 am Freitag wieder geöffnet

Unterdessen gibt es nun eine erste Entspannung für Bergedorfs Verkehrschaos: Seit 13 Uhr am Freitag sind zumindest drei der vier gesperrten Anschlussstellen der A 25 im Bezirk wieder geöffnet – zumindest teilweise und deutlich früher, als geplant. Betroffen sind die Auffahrten in Richtung Hamburg an den Anschlüssen Bergedorf (Curslacker Neuer Deich) und Nettelnburg (Nettelnburger Landweg) sowie die Ausfahrt in Neuallermöhe-West, wo die Auffahrt in Richtung Hamburg ohnehin nicht von den Bauarbeiten betroffen war. Dieser Verkehr läuft dann parallel zu dem aus Geesthacht kommenden bereits auf der neu asphaltierten nördlichen Fahrbahn.

Weiterhin geschlossen bleibt dagegen die Ab- und Auffahrt an der Anschlussstelle Curslack in Richtung Hamburg. Die Auffahrt soll nach Mitteilung der Autobahn GmbH des Bundes aber immerhin „je nach Witterung in der kommenden Woche geöffnet“ werden.

Asphalt konnte schneller als geplant aufgebracht werden

Die teils erst für Mitte September geplanten Freigaben konnten vorgezogen werden, weil der neue offenporige Flüsterasphalt auf den fünf Kilometern zwischen dem Anschluss Bergedorf und Neuallermöhe-West bereits schneller als geplant auf die Fahrbahn gebracht worden ist. Vor allem konnte auf die Erneuerung der unteren Tragschichten verzichtet werden. Sie weisen laut Gutachter noch eine gute Standfestigkeit auf.

Jetzt arbeiten sich die Maschinen weiter Richtung Geesthacht voran. Voraussichtlich Mitte September wird diese erste Hälfte der Bauarbeiten abgeschlossen sein. Weiter geht es dann mit der Komplettsanierung der südlichen Fahrbahnen der A 25, auf denen gegenwärtig der gesamte Verkehr zwischen Geesthacht und Hamburg in beiden Richtungen einspurig abgewickelt wird. Diese Arbeiten sollen weitere vier bis fünf Wochen dauern. Voraussichtlich Ende Oktober wird die Autobahn 25 dann in beide Richtungen wieder komplett freigegeben.

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