Kultur

Bergedorfer Künstlerhaus lädt zur ART OFF Hamburg

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Anne K. Strickstrock
Hunderte von Masken hängen an dieser Leiter im Innenhof des Künstlerhauses Bergedorf: Jutta Konjer hat sie auf der Straße gesammelt und nennt ihr Werk „Tanz-Marie“ – „wobei es auch eine C-Scheuche sein könnte, um die Pandemie zu verscheuchen“, erklärt die Künstlerin.

Hunderte von Masken hängen an dieser Leiter im Innenhof des Künstlerhauses Bergedorf: Jutta Konjer hat sie auf der Straße gesammelt und nennt ihr Werk „Tanz-Marie“ – „wobei es auch eine C-Scheuche sein könnte, um die Pandemie zu verscheuchen“, erklärt die Künstlerin.

Foto: strickstrock / BGZ

Am Sonnabend um 11 Uhr ist Eröffnung am Möörkenweg. Auch am Sonntag sind die Werke sehen.

Bergedorf.  Seit April 2020 haben sie keine Besucher mehr gesehen: Frustrierend sei die Pandemie gewesen, ohne Auftragsarbeiten, ohne Impulse von außen. „Es ging langsam auf die Lähmung zu“, gesteht Rolf Naedler, der sich mit neun Künstlerkollegen auf die große Ausstellung freut, die am heutigen Sonnabend um 11 Uhr am Möörkenweg 18 b-g eröffnet wird. Die „ART OFF Hamburg“ lockt in den Hof des Künstlerhauses.

Ein „Partizipatorisches Objekt“ hat sich Naedler ausgedacht, das sich die Besucher ausleihen können: 40 Kilo Sand im „Hackenporsche“, dazu Schaufel, Matte und ein Handtuch werden zum „mobilen beach“. „Damit kann man sich seinen eigenen Strand schaffen und fotografieren. Die Fotos sollen publiziert werden“, so der Künstler.

In die Ateliers kann man durchs Fenster schauen

Zwar werden die zehn Ateliers nicht zu begehen sein, doch Farideh Jamshidi will sich (durchs Fenster) über die Schulter schauen lassen, wenn sie mit Stoffen arbeitet und ihr rätselhaftes „Haus der Bilder“ von 14 Uhr an als Performance inszeniert. Auch bei Peter Schindler können Gäste in die Werkstatt gucken und beobachten, wie er Rundstäbe aus Schwarzstahl schweißt. Zudem stellt der Objektkünstler, der in seiner Kindheit in den 60er-Jahren gern über Baustellen lief, seine Sammlung alter T-Träger aus Abbruchhäusern vor: „Bei diesen Fragmenten geht es um die Vergänglichkeit im urbanen Raum – spätestens, wenn sie fragil wegrosten.“

Sammeln mag auch Jutta Konjer: nicht nur Schutzmasken, sondern auch weggeworfene Taschentücher und Plastikmüll. Ihre Formen mögen an Hexen, Waldgeister und kleine Tiere erinnern.

Die Bandbreite der Künstler ist groß

Mit kleinen Dingen hat es Franz Kraft sonst nicht: Er liebt meterhohe Skulpturen aus Bronze, Gips und Speckstein. Diesmal aber konzentriert sich der Bildhauer auf Miniaturen, abfotografiert aus seinem Skizzenbuch: „Es ist eine Frage der Dimensionen, auch kleine Objekte können einen monumentalen Charakter haben.“ Sollte sich ein Sponsor finden, könnten seine abstrakten Figuren sofort wieder an Größe gewinnen, meint er lächelnd.

Groß bleibt die Bandbreite: Während Cellist Wittwulf Y Malik, der gern Notationen verbildlicht, an Klang-Skulpturen arbeitet, macht sich Künstlerin Britta Wiesenthal mit gebogenen Bildhauereisen an hölzernen Fundstücken von schwedischen Stränden zu schaffen: „Wie viel Form und Material braucht man eigentlich?“, fragt die Künstlerin, die sich mit der Reduktion von Schichten beschäftigt.

„Was sehe und fühle ich, wenn ich ein Kunstwerk betrachte“

Auch am Sonntag von 14 bis 18 Uhr sind sämtliche Werke zu sehen, für die zudem in einem „Kunst-Imbiss“ vor der Kirche St. Petri und Pauli geworben wird. „Was sehe und fühle ich, wenn ich ein Kunstwerk betrachte?“, fragen die Autoren Karen Bo, Jonis Hartmann, Dagrun Hintze und Tania Kibermanis, die im ehemaligen Imbisswagen aus eigenen Werken lesen – also geistige Nahrung feilbieten.

Die „ART OFF Hamburg“, an der sich mehr als 400 freischaffende Künstler beteiligen, wird mit 500.000 Euro über die Deutsche Kulturstiftung vom Bund gefördert, dazu kommen 125.000 Euro von Hamburgs Kulturbehörde. Die gab gestern zudem bekannt, dass die Fördergelder in diesem Jahr um 250.000 Euro auf insgesamt 750.000 Euro aufgestockt werden. Damit sollen elf künstlerische Projektvorhaben realisiert werden.

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