Pilgerreise

400 Kilometer geschafft – und die Kilos purzeln

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Undine Gerullis
Die beiden Bergedorferinnen sind auf ihrem Pilgerweg nach Rom im thüringischen Meinigen angekommen. 

Die beiden Bergedorferinnen sind auf ihrem Pilgerweg nach Rom im thüringischen Meinigen angekommen. 

Foto: Weissenhorner/Davids / BGZ

Die Bergedorferinnen Julia Weissenhorner und Janka Davids sind auf dem Weg nach Rom. 400 Kilometer haben sie bereits geschafft.

Bergedorf/Meiningen. Drei Bundesländer – Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – sind geschafft. Die Landesgrenze zu Bayern, dem vierten und letzten Bundesland auf ihrem 2000-Kilometer-Fußmarsch von Stade nach Rom, überquerten die Bergedorferinnen Julia Weissenhorner (54) und Janka Davids (49) am Donnerstag. „Wir kommen gut voran. Die Hälfte des Wegs in Deutschland liegt mit gut 400 Kilometern hinter uns“, sagt Janka Davids. Bis Ende August wollen die Wanderinnen an der österreichischen Grenze angelangt sein.

Als wir die Frauen im thüringischen Meinigen telefonisch erreichen, schwärmen sie nicht nur von der netten Thüringer Art, sondern auch von den leckeren Rostbratwürsten. „Wir haben momentan immerzu Hunger”, berichten sie.

Tagesmärsche von bis zu 30 Kilometern und 600 Höhenmetern

Obwohl sie sich an Wegzehrung nichts versagen, beginnen ihre Hosen zu rutschen und die Shirts zu schlackern. Kein Wunder bei Tagesmärschen von bis zu 30 Kilometern mit bis zu 600 Höhenmetern. Doch trotz der Anstrengung und brennender Fußsohlen am Abend gehe es ihnen bestens, es fehle ihnen an nichts, versichern sie.

Auch in der bevorstehenden Nacht wartet alles andere als eine komfortable Unterkunft auf die beiden Frauen – sie haben ihr Zelt im Garten der Kirche zum Heiligen Kreuz in Meiningen aufgeschlagen – und dort die wohl „schmutzigste Toilette der bisherigen Reise“ vorgefunden.

Das lieb gewonnene Zwei-Frauen-Zelt heißt Emil

„Auch solche Erfahrungen muss man machen”, nehmen sie es leicht und denken umso lieber an die weichen Betten und die Dusche im Gothaer Augustinerkloster zurück, das heute ein Hotel ist und in dem Pilger zu einem Sonderpreis von 25 Euro nächtigen dürfen.

Ihr Limit pro Tag für Unterkunft und Verpflegung liegt bei 50 Euro. „Meist bleiben wir aber weit darunter“, sagt Julia Weissenhorner. Bislang haben sich auf ihren Etappen überall Türen für sie geöffnet. Nur im fränkischen Mellrichstadt, ihrem nächsten Halt, wollte bislang einfach keine aufgehen. Sie werden diesmal weiterziehen und „Emil“ woanders aufstellen müssen. So haben sie ihr lieb gewonnenes Zwei-Frauen-Zelt getauft – nach einem Ochsen, der das Soltauer Salz in der Bronzezeit zum Papst nach Rom gebracht hat. Der Pilgerweg Via Romea war früher eine bekannte Handelsroute.

Der Gute-Nacht-Kuss vom Ehemann fehlt schon

Drei Minuten – länger brauchen sie nicht – und „Emil“ steht, eine Minute weniger, und er ist wieder zerlegt und verstaut. Auch den Regengüssen der vergangenen Tage und Nächte hielt „Emil“ stand. Gegen die Mücken und Bremsen kann aber auch er nichts ausrichten. „Die haben uns ganz schön zerstochen“, sagt Julia Weissenhorner.

Dennoch sinken die beiden Frauen jeden Abend in einen tiefen, wohligen Schlaf, sobald die Sonne untergegangen ist, und stehen morgens wieder mit ihr auf. „Viel mehr kann man in einem Zelt auch nicht machen“, sagt Julia Weissenhorner, die sich sonst durchaus auch gern mal abends auf der Couch lang macht und Fernsehen schaut.

Danach aber ist ihnen momentan nicht. „Nur der Gute-Nacht-Kuss von meinem Mann, der fehlt mir doch“, fügt Janka Davids hinzu.

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