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Spezialauftrag für Bergedorfs THW im Katastrophengebiet

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Alexandra Schrader
Thomas Hoeck und Gunnar und Alexander Schering bei der Vorbereitung der Schläuche für den Transport. 

Thomas Hoeck und Gunnar und Alexander Schering bei der Vorbereitung der Schläuche für den Transport. 

Foto: Alexandra Schrader

Sechs Bergedorfer Helfer sind am Freitag nach Ahrweiler ausgerückt. In den Trümmern helfen sie mit einem ganz speziellen Gerät aus.

Wentorf. Ein Stapel Feldbetten, 400 Meter Schlauch und eine riesige metallene Pumpe – mit diesem und weiterem Gepäck ist das THW Bergedorf am Freitagmorgen nach Ahrweiler aufgebrochen. Um 6 Uhr losgerollt, bleibt die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen zwei bis drei Wochen in dem Krisengebiet in Rheinland-Pfalz.

Durch die Wassermassen, die hier vor einem Monat diesen und andere Orte überschwemmt haben, ist auch die Kanalisation zerstört worden. „Ein Großteil der Fäkalien fließt nun in die Ahr“, erklärt Gruppenführer Gunnar Schering (56). Die dreieinhalb Tonnen schwere Spezialpumpe des THW-Teams soll nun Abhilfe leisten: Angeschlossen an einen provisorischen Kanal von 400 Metern Länge soll sie dazu beitragen, dass das Abwasser der Haushalte wieder zum nächsten Klärwerk gelangt.

Hochwasserschutzpumpe ist eine von wenigen in Deutschland

„15.000 Liter Wasser kann das Gerät pro Minute abpumpen, das ist der Inhalt von 100 großen Badewannen“, erklärt Gunnar Schering. Die Hochwasserschutzpumpe sei eine Seltenheit: In ganz Deutschland gibt es beim THW derzeit nur 17 dieser Maschinen. „Das ist einer der Gründe, weshalb wir aus dem Norden nach Ahrweiler beordert werden“, so Schering.

Auch die 400 Meter Kanal müssen die sechs Männer und Frauen des THW selbst bauen. Die besondere Herausforderung liege darin, das Abwasser ein Stück über die Ahr zu transportieren. „Vorher war an der Stelle vermutlich eine Brücke, über die auch die Kanalisation lief“, sagt Schering. Diese sei dann wahrscheinlich von der Flut mitgerissen worden. Ganz genau wüssten sie das aber erst vor Ort. Dann stelle sich auch die Frage, wie das Wasser auf die andere Seite gelangen kann.

Wie genau das Wasser über den Fluss geleitet wird, ist noch unklar

Truppführer Philipp Wegener (34) betont: „Es ist Kreativität gefragt – wenn noch keine andere Konstruktion aufgebaut wurde, bietet es sich an, ein Drahtseil von einem Ufer zum anderen zu spannen, an dem der Schlauch befestigt ist.“ Für diesen Abschnitt benutzen sie sogenannte „formstabile Schläuche“, die augenscheinlich eher dicken Rohren gleichen. So kann der Abwasserfluss durch Knicke im Schlauch nicht gestört werden.

Auch die Spezialpumpe ist mit einem „Korndurchlass“ von 125 Millimetern extra für die Abwasserentsorgung konzipiert. „Das bedeutet, dass Objekte bis zu diesem Umfang durch die Pumpe kommen, ohne sie zu verstopfen.“ Gerade bei einem Einsatz in der Kanalisation sei das sehr wichtig.

Abwasser verschmutzt Flora und Fauna in der Ahr

Gunnar Schering weiß: Es gibt angenehmere Themen als Fäkalentsorgung. Trotzdem sei es sehr wichtig, Probleme in diesem Bereich schnell zu beheben. Denn wenn Abwasser, wie jetzt, in die Gewässer gelange, sei das eine erhebliche Umweltverschmutzung. „Daher müssen wir den Zufluss so schnell wie möglich stoppen“, sagt der Gruppenführer. Durch die Fäkalien gelangten beispielsweise zu viele Nährstoffe ins Wasser, wodurch sich Algen explosionsartig vermehren. Wenn sie dann von Bakterien zersetzt werden, wird viel Sauerstoff verbraucht, der anderen Lebewesen fehlt. Die Folge: Fische und andere Tiere und Pflanzen sterben und schwimmen zahlreich an der Oberfläche. Gunnar Schering weiß außerdem: „Viele Flüsse münden in Stauseen, aus denen später wieder unser Trinkwasser gewonnen wird.“

Umso wichtiger, dass das ehrenamtliche Team einen Teil der Infrastruktur zumindest temporär wieder instand setzt. Dass der Einsatz erst jetzt, vier Wochen nach den Überschwemmungen, möglich ist, liege an den mittlerweile fortgeschrittenen Bergungsarbeiten. „Zwischen den anfänglichen Trümmern wäre es gar nicht möglich gewesen, so eine Konstruktion zu bauen“, so Schering.

Helfer sind trotz ähnlicher Erfahrungen aufgeregt

Am Freitagnachmittag kommen die ersten sechs Helfer in Ahrweiler an, nach einer Woche wird durchgewechselt. Trotz einer gewissen Routine lässt der bevorstehende Einsatz die THW-Mitglieder nicht kalt. „Es ist immer nervenaufreibend, weil wir jedes Mal wieder mit neuen Situationen konfrontiert werden“, sagt Truppführer Philipp Wegener. Nachdem bereits so viele Hilfsgruppen in dem Gebiet gewesen seien, hätten sie nun aber auch das Bedürfnis, ihren Beitrag zu leisten.

Auch Thomas Hoeck (35) hofft, mit dem Team einen Unterschied machen zu können. Mit einigen anderen Mitgliedern hat er unter anderem schon 2010 in Polen geholfen, als dort der Deich an der Weichsel brach: „Damals sind manche geteerten Straßen einfach 20 Meter weiter gespült worden.“

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