Hamburg–Geesthacht

Veloroute 9: Unterwegs auf dem künftigen Radschnellweg

| Lesedauer: 5 Minuten
Luca Selle und Hannes Klie
Schon fast wie der Radschnellweg ausgebaut: Die Veloroute 9 führt von Hamburg kommend parallel zur S-Bahn bis zum Oberen Landweg. Sie wird Teil des Schnellwegs.

Schon fast wie der Radschnellweg ausgebaut: Die Veloroute 9 führt von Hamburg kommend parallel zur S-Bahn bis zum Oberen Landweg. Sie wird Teil des Schnellwegs.

Foto: Luca Selle / BGZ

Ein Radschnellweg soll Geesthacht und Hamburg verbinden. Noch müssen Radler die Route suchen, brauchen Improvisationstalent.

Bergedorf.  Die Zukunft des Radfahrens in Hamburgs Osten steht kurz bevor: Wohl schon in diesem Jahr beginnen die Bauarbeiten für den Radschnellweg Hamburg–Geesthacht, der mit knapp 30 Kilometern Länge Geesthachts Innenstadt direkt mit der City der Hansestadt verbindet. Mit vier Metern Breite, Mittelstreifen und möglichst durchgängiger Vorfahrt oder grüner Welle soll er bestens geeignet sein für alle Berufspendler, die den Arbeitsweg zur Verbesserung der Fitness nutzen wollen. So ist zumindest die Idee.

Wir – Schülerpraktikanten bei der Bergedorfer Zeitung – haben uns auf die Fahrräder geschwungen. Unser Auftrag bestand aus drei Fragen: Existiert heute schon etwas vom Radschnellweg? Was fehlt noch? Und gibt es vielleicht Schleichwege auf der künftigen Trasse, die die Menschen heute schon nutzen? Getestet haben wir gut die Hälfte der 30 Kilometer, nämlich jenen Teil des Schnellwegs, der über Bergedorfer Gebiet führt.

Zum Start sind wir ganz in den Westen des Bezirks geradelt, nach Billwerder. Zwischen der riesigen Justizvollzugsanstalt gleich neben der A 1 und der S-Bahnstrecke gibt es bereits so etwas wie einen Schnellweg: die Veloroute 9. Sie führt von Hamburgs Zentrum bis zum Bahnhof Bergedorf – und ist echt gut zu fahren. Zwar ohne Mittelstreifen und auch von Fußgängern oder Joggern genutzt, verläuft sie parallel zur Bahnstrecke bis zum Oberen Landweg kurz hinter dem S-Bahnhalt Nettelnburg. Genau wie künftig der Schnellweg.

Veloroute 9: Tolles Fahren – nur nicht bei Gegenwind

Für diese fast zehn Kilometer haben wir nur 20 Minuten gebraucht. Ein toller Auftakt. Allerdings ist die Veloroute 9 überhaupt nichts für Allergiker. Sie führt mitten durch die Natur. Das bedeutet extrem starken Pollenflug – und außerdem sehr viele Mücken und andere Insekten, die beim Fahrradfahren ins Auge kommen können, was sehr blöd ist.

Zudem ist diese Strecke extrem windanfällig. Wir hatten auf dem Weg Richtung Geesthacht zwar Glück und eine leichte Brise von hinten. Aber wenn es hier von vorn pustet, wird es konditionell ziemlich anspruchsvoll.

Hinterm Bahnhof Nettelnburg beginnen die Probleme

Gleich hinter dem Bahnhof Nettelnburg ging für uns dann aber erst mal nichts: Mit dem Oberen Landweg soll der Radschnellweg künftig unter der Bahn hindurchführen – auf zwei dafür extra umgewidmeten Spuren der vierspurigen Straße. Wir aber mussten absteigen und zu Fuß auf dem kaum einen Meter schmalen Fußweg zur anderen Seite schieben.

Weiter ging es über den idyllischen Wehrdeich in Nettelnburg, der wohl einen Großteil seiner Breite an die Radler verlieren wird. Wir sind ihm einige Hundert Meter gefolgt und schließlich nach links über eine Fußgängerbrücke zum Neubaugebiet Am Güterbahnhof gelangt. So ähnlich soll auch der Schnellweg verlaufen – allerdings mit eigener Bücke und von dort direkt neben die Bahntrasse Richtung Geesthacht am nördlichen Rand des Neubaugebiets.

Künftiger Radschnellweg streckenweise schon zu erahnen

Von dort führt er – vielleicht als Brücke – über die Kreuzung Sander Damm/Weidenbaumsweg und weiter am verwaisten Opel-Dello-Haus vorbei über den Scheusengraben Richtung Frascatiplatz. Vor Dello ist der Schnellweg bereits zu erahnen, denn der vorhandene Fuß- und Radweg hat heute schon locker die erforderlichen vier Meter Breite.

Ab hier wird unsere Spurensuche allerdings beschwerlich. Schon die geplante Querung des Frascatiplatzes mit eigener Trasse ist bisher durch zahllose Autos zugeparkt. Und auch jenseits des Platzes scheiterte unser Versuch, neben dem alten Bahnhof Bergedorf-Süd entlang der Gleise einen durchgängigen Trampelpfad Richtung Geesthacht zu finden.

Also sind wir 100 Meter nördlich dem Brookdeich gefolgt – wie übrigens auch viele andere Radler. Denn der ist als Radfahrstraße sehr gut ausgebaut. Und er führt als komfortable Verbindung sogar viel weiter, als wir dachten: Erst nach fünf Kilometern, weit hinter der Kreuzung mit dem Curslacker Heerweg, ist am Wendehammer neben der Schallschutzwand der A 25 plötzlich Schluss. Doch nicht für Radler: Eine schmale Brücke über die Brookwetterung führt zu einem offenbar rege genutzten Trampelpfad weiter Richtung Osten.

An der Landesgrenze muss zur B 5 gewechselt werden

Erst mit dessen Ende am Speckenweg ist kurz vor der Landesgrenze nach Schleswig-Holstein endgültig Schluss mit unserer Tour auf den Spuren des künftigen Radschnellwegs. Wer hier weiter Richtung Geesthacht gelangen will, muss zur nahen B 5 wechseln. Dort ist der Radweg allerdings so marode, dass das Weiterfahren eine Qual ist. Tatsächlich steht jenseits der Landesgrenze noch immer nicht fest, wo der Radschnellweg denn künftig genau verlaufen soll.

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