Bergedorfer Bürgerpreis

Wie aus Flüchtlingskindern kleine Filmemacher wurden

| Lesedauer: 5 Minuten
Stephanie Rutke
Das Drehbuch steht, die Technik ist perfekt: Mit einem professionellen Filmteam an ihrer Seite konnten die Bergedorfer Flüchtlingskinder – hier verwandelt in kleine Elfen – ihren „Waldfilm“ drehen.

Das Drehbuch steht, die Technik ist perfekt: Mit einem professionellen Filmteam an ihrer Seite konnten die Bergedorfer Flüchtlingskinder – hier verwandelt in kleine Elfen – ihren „Waldfilm“ drehen.

Foto: Privat / BGZ

Zwei Bergedorferinnen helfen seit sechs Jahren Kindern aus Flüchtlingsfamilien. Wir stellen die beiden Bürgerpreis-Kandidatinnen vor.

Hamburg. Zwei Bergedorferinnen helfen seit sechs Jahren Kindern aus Flüchtlingsfamilien, den oft schwierigen Alltag weit weg von der Heimat zu vergessen: Mit Filmprojekten fördern Ute Klapschuweit und Regine Uhlig die Kreativität der Kinder und machen ihnen damit das Leben ein bisschen leichter. Entstanden sind lustige Trickfilme und ein berührender Kurzfilm. Durch dieses Engagement gibt es zwei weitere Kandidatinnen für den Bergedorfer Bürgerpreis 2021, gestiftet von der Volksbank Bergedorf und unserem Zeitungshaus.

Ute Klapschuweit und Regine Uhlig sind für den Bergedorfer-Bürgerpreis nominiert

Ute Klapschuweit und Regine Uhlig sind Nachbarinnen im Wohnprojekt am Gojenbergsweg. Auf unterschiedliche Art arbeiten beide schon seit Jahren mit Kindern. Ute Klapschuweit ist Museumspädagogin in der Hamburger Kunsthalle. Dort wurde sie 2015 unvermittelt zur Flüchtlingshelferin und richtete provisorische Übernachtungsräume ein. Ute Klapschuweit half pragmatisch mit: „Wir haben Matratzen bezogen und Schlafplätze eingerichtet, hatten aber keinen Kontakt zu den Familien“, erinnert sich die 60-Jährige.

Das Elend hat sie berührt und die Frage, wie es jetzt weitergeht für die Familien. „Ich habe mich informiert, wo ich mich in Bergedorf einbringen und bei der Integration helfen kann.“ Durch einen Kontakt zum Verein Bergedorfer für Völkerverständigung konnte sie schließlich im Containerdorf an der Brookkehre eine Malwerkstatt einrichten und damit Farbe und Abwechslung in den schwierigen Alltag der Kinder bringen. „Das war mein erster Kontakt zu Flüchtlingen aus dem Irak, Afghanistan und Bosnien. Mein Herz hängt an den Kindern. Am Anfang haben sie ganz oft Deutschlandfahnen gemalt“, erzählt Ute Klapschuweit, die selbst keine Kinder hat.

Der erste Trickfilm "Der Drache" entstand 2016

Nach zehn Monaten fragte sie Regine Uhlig, ob sie nicht zusammen arbeiten wollten – und traf auf offene Ohren: „Ich war Lehrerin an der GSB, der Bergedorfer Stadtteilschule“, sagt die 73-Jährige, die Deutsch, Englisch, Kunst und Darstellendes Spiel unterrichtete. Sie kennt Kinder aus vielen Nationen, die sie mit Herz und Seele in ihrem Können bestätigt: „Wir leben doch so privilegiert hier in Nordeuropa“, erklärt sie ihr Engagement.

Schon bald entwickelte sich in der „Kunstinitiative Brookkehre“ die Idee eines Filmprojekts. Denn Paul, einer der beiden Söhne von Regine Uhlig, ist Filmemacher. Seine Firma „yeahimakemovies“ half bei den Regieaufnahmen, beim Schnitt und der Vertonung. Den Auftakt machte 2016 der Trickfilm „Der Drache“, wenige Monate später entstand „Ein Sonntag im Dschungel“. Aber vorher ging es erst einmal mit den Kindern und der kleinen Filmcrew zu Hagenbecks Tierpark.

„Viele Kinder haben hier zum ersten Mal eine Giraffe gesehen“, erinnern sich Uhlig und Klapschuweit. Im Zoo und auch beim Besuch in der Kunsthalle entstanden schließlich Tierzeichnungen, die im Film zu sehen sind. Zudem wurden begeistert Kulissen gemalt, Kostüme gebastelt und die Texte eingesprochen – auf Deutsch.

Mit Elfen und Kobolden durch den Wald

Während ihre Eltern es schwer haben, in Deutschland anzukommen, Arbeit und eine Wohnung zu finden, sind es oft die Kinder, die für sie dolmetschen und inzwischen gut integriert sind. Ihre Kreativität setzt sich über Verständigungsprobleme hinweg, haben alle gelernt.

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Nach fünf Trickfilmen, die durch Spenden ermöglicht wurden, kam die Pandemie. Davon aber haben sich Ute Klapschuweit und Regine Uhlig nicht abhalten lassen: „Wir haben ein coronagerechtes Format entwickelt und arbeiten jetzt im Freien mit vier getrennten Familiengruppen“, berichtet Uhlig.

Beim nächsten Filmprojekt werden Szenen im Lokschuppen Aumühle gedreht

So ist ein Spielfilm entstanden, in dem es um das Thema Wald geht – und natürlich um mutige und neugierige Kinder, die wundersame Abenteuer bestehen. Wer die kleinen Elfen und Kobolde, Waldgeister und Vogelwesen sehen möchte, kann sich den Film „Die vier Blätter“ bei Youtube ansehen.

Und schon startet das nächste Projekt, bei dem einige Szenen im Lokschuppen in Aumühle gedreht werden: „Es geht um verschiedene Reisegesellschaften, von der feinen Dame bis zum Clown, die unterwegs sind“, verrät Regine Uhlig, die dankbar ist für die finanzielle Unterstützung der Hamburgischen Kulturstiftung aus dem Fonds „Freiräume“.

Mit dem Geld soll auch eine Ausstellung vorbereitet werden: Was alles aus Pappe, Farbe, Holz und Draht entstehen kann, wollen sie nach der Pandemie zeigen – vielleicht klappt es im Haus im Park am Gräpelweg.

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