Bergedorf

Jeder dritte Verursacher flüchtet nach Parkremplern

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Christina Rückert
Nach einem Parkrempler sollte man sich um die Regulierung des Schadens kümmern.

Nach einem Parkrempler sollte man sich um die Regulierung des Schadens kümmern.

Foto: Dan Race / Fotolia (Symbol)

Die Polizei registriert in Bergedorf trotz Pandemie 205 Fälle im ersten Quartal. Wer einfach wegfährt, begeht eine Straftat.

Hamburg. Mal eben beim Einparken gegen ein anderes Auto geprallt oder mit der Tür den Lack des Nebenfahrzeugs beschädigt: Wer sich nach einem kleinen Parkrempler einfach davonmacht, begeht Fahrerflucht. Doch viele Menschen sehen das offenbar noch immer als Kavaliersdelikt an: Allein im ersten Quartal 2021 hat es im Bezirk Bergedorf – nach vorläufiger Statistik – 205 Verkehrsunfälle mit Flucht gegeben, berichtet die Polizei auf Anfrage.

Zwar wird in dieser Zahl nicht unterschieden, ob es sich um größere Unfälle oder Bagatellschäden handelt. Doch erfahrungsgemäß sei ein Großteil der erfassten Fluchtunfälle auf genau diese kleineren Parkrempler im ruhenden Verkehr zurückzuführen, heißt es.

Parkrempler im Bezirk Bergedorf: Viele Verursacher flüchten

Ärgerlich, denn schließlich können auch vermeintlich kleine Beulen schnell mal Reparaturkosten von mehreren Tausend Euro bedeuten. Doch es fehlt offenbar an Problembewusstsein. „Es handelt sich aber klar um unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, Paragraf 142“, sagt Polizeisprecher Florian Abbenseth. Die Fluchtunfälle machen regelmäßig einen großen Anteil aller Unfälle aus. So gab es im ersten Quartal im Bezirk Bergedorf 629 Blechschäden. Bei 205 Unfällen flüchtete der Fahrer. Das bedeutet also, dass sich etwa ein Drittel der Unfallverursacher davonmachte.

Wer nach einem Schaden wegfährt, begeht immer eine Straftat

Kein Trend oder ein Pandemiephänomen, sondern ein seit Jahren gleichbleibendes Problem: Im ersten Quartal 2020 – also erst am Anfang der Corona-Beschränkungen – gab es im Bezirk 705 Unfälle mit Sachschaden und 247 Fluchten.

Doch es handelt sich eben nicht um eine banale Ordnungswidrigkeit, sondern um eine Straftat, betont die Polizei. Jeder Unfallbeteiligte ist verpflichtet, persönliche Angaben zu hinterlassen. Tut er das nicht, versucht die Polizei, den Unfallverursacher zu ermitteln. Eine Geldstrafe und im schlimmsten Fall sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre drohen.

Richtiges Verhalten ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich

Oft sei aber auch Unwissenheit im Spiel, meint Polizeisprecher Florian Abbenseth. Denn tatsächlich ist das richtige Verhalten im Falle eines kleinen Parkremplers sogar von Bundesland zu Bundesland verschieden. Mancherorts rückt die Polizei bei Kleinstunfällen gar nicht aus. Anders in Hamburg. „Verursacher sollten immer die Polizei rufen und das richtige Vorgehen absprechen“, sagt Florian Abbenseth.

Denn natürlich gibt es Grenzsituationen, bei denen das richtige Verhalten nicht einfach ist: Beispielsweise, wenn der Bagatellunfall nachts um vier Uhr passiert und klar ist, dass der Unfallgegner nicht so schnell an seinem Auto erscheinen wird. Oder wenn ein Notfall vorliegt und der Verursacher keine Zeit hat, lange zu warten.

Es reicht nicht aus, einen Zettel an die Windschutzscheibe zu kleben

„Das Hinterlassen eines Zettels an der Windschutzscheibe ist in keinem Fall ausreichend“, sagt Florian Abbenseth. Ebenso wenig reicht es, zwar zu warten, aber irgendwann nach dem Motto „Ich war lange genug da“ weiterzufahren. Die Polizei kann in jedem Fall helfen, auch beim Ermitteln des Halters anderer Fahrzeuge.

Kracht es doch mal etwas heftiger, gelten hingegen noch andere Regeln: Dann geht es weniger um die Sachschäden, sondern darum, den Unfallort zu sichern, eventuell Verletzte zu versorgen und die Rettungskräfte zu alarmieren.

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