Untersuchung

Die Fußwege – der heimliche Schatz von Bergedorf-West

| Lesedauer: 4 Minuten
Ulf-Peter Busse
Spazieren im Grünen mitten durch den Stadtteil. Die Fußwege – hier der Fritz-Manke-Weg – sind ein verborgener Schatz von Bergedorf-West.

Spazieren im Grünen mitten durch den Stadtteil. Die Fußwege – hier der Fritz-Manke-Weg – sind ein verborgener Schatz von Bergedorf-West.

Foto: Ulf-Peter Busse

Online-Portal sammelt ab sofort Schwachpunkte und Ideen für die Zukunft des vorbildlichen Fußwege-Netzes im Stadtteil.

Bergedorf-West. Als die Stadtplaner vor fast 60 Jahren das Quartier Bergedorf-West entwarfen, haben sie einen Schatz geschaffen, der auf den ersten Blick unsichtbar ist: Zwischen den damals als hochmodern geltenden Hochhaus- und Mietblock-Komplexen erstreckt sich, abseits der Straßen und eingebettet in üppiges Grün, ein ganzes Netz von Fußwegen. Wer den Stadtteil durchquert, tut das abseits von Verkehrslärm und Abgasen – egal ob auf dem Weg zum Einkaufen, zur Schule, zur Kita, zur S-Bahn oder einfach nur zum Spaziergang.

Fußwege-Netz stammt aus den 1960er-Jahren

Doch das Fußwege-Netz ist arg in die Jahre gekommen. Es gibt viele dunkle Ecken, manche Fläche, auf der sich scheinbar wie von selbst Müll sammelt, und natürlich etliche Stellen, an denen der Zahn der Zeit sichtbar genagt hat. Schließlich ist über Jahrzehnte zwar viel Geld in die Instandhaltung der Straßen geflossen, aber kaum etwas in das Fußwege-System aus den 1960er-Jahren.

Bewohner und Gäste berichten von alltäglicher Nutzung der Wege

Das soll jetzt anders werden: Im Zuge des gerade entstehenden Quartierskonzepts zur Stadtteilentwicklung von Bergedorf-West haben Experten mit der Untersuchung der Fußwege begonnen. Ihr Ziel ist es, die vorhandenen Defizite zu erkennen und abzustellen sowie das Netz zukunftsfähig zu machen. „Dafür brauchen wir die Hilfe möglichst vieler Bewohner, Gäste und nicht zuletzt auch der Kinder von Bergedorf-West“, betonte Mone Böcker vom für das Beteiligungsverfahren zuständigen Büro Tollerort im jüngsten Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung: „Wir wollen wissen, wie die Fußwege im Alltag genutzt werden, und natürlich vor allem, wie sie sinnvoll verbessert werden können.“

Online-Plattform zunächst bis 30. Juni freigeschaltet

Dafür ist jetzt eine Online-Plattform gestartet worden, die zunächst für drei Wochen bis zum 30. Juni aktiv ist. Unter https://beteiligung.hamburg/fusswege-bergedorf-west können Anregungen gegeben, aber auch bereits vorhandene Beiträge kommentiert werden. Mone Böcker und ihr Team erhoffen sich so ein möglichst vielseitiges Bild der Wünsche und Anforderungen, die die Westler und ihre Gäste an das Fußwegenetz haben. Überall im Quartier sind Plakate mit dem Aufruf zur Beteiligung aufgestellt, versehen auch mit einem QR-Code, der vom Handy gescannt den direkten Zugang zur Online-Plattform herstellt. „So erreichen wir hoffentlich auch manchen der zahlreichen Schüler des Berufsschulzentrums am Ladenbeker Furtweg“, hofft sie.

Nächste Woche: Infostand auf dem Wochenmarkt

Doch damit nicht genug: Auch eine ganze Reihe von Stadtteil-Rundgängen ist geplant, wenn auch coronabedingt mit einiger Verzögerung. Der erste ist nun für Donnerstag, 17. Juni, angesetzt. Gäste der Experten sind dann zunächst die Mitglieder des Bergedorfer Seniorenbeirats. Damit auch andere Bürger ihre Meinung kundtun können, gibt es zeitgleich einen Infostand beim Wochenmarkt auf dem Werner-Neben-Platz. Weitere Rundgänge sind nach den Sommerferien ab August geplant. Dann unter anderem mit Joggern, Spaziergängern und Menschen, die den Fachleuten ihre Alltagswege vorstellen – oder die Orte, an denen sie Angst haben.

Drittklässler der Grundschule führen jetzt „Wegetagebuch“

Eine ganz besondere Beteiligung ist jetzt mit einer dritten Klasse der Grundschule Friedrich-Frank-Bogen angelaufen. Die Steppkes führen für rund eine Woche ein „Wegetagebuch“, in dem sie sowohl ihre Erfahrungen auf dem Schulweg notieren als auch die in ihrer Freizeit. Am Ende folgen ein Gespräch mit den Fachleuten von Tollerort in ihrer Schule und schließlich ein gemeinsamer „Expertenrundgang“ durch den Stadtteil. „Kinder sind wichtige Hinweisgeber. Sie kennen ihren Stadtteil so gut, wie kaum ein Erwachsener“, weiß Mone Böcker, die zeitnah auch den Kontakt zu den Eltern der Kinder sowie den Schüler der nahen Stadtteilschule suchen wird.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf