Bergedorf

Münchnerin wird Hamburgs neue Stadtschreiberin

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulf-Peter Busse
Schreibt über Tränen, ist aber kein Kind von Traurigkeit: Jasmin Schellong, Hamburger Stadtschreiberin 2021.

Schreibt über Tränen, ist aber kein Kind von Traurigkeit: Jasmin Schellong, Hamburger Stadtschreiberin 2021.

Foto: Privat / Schellong

Jasmin Schellong kommt im August für vier Monate in die Stadt. Sie erhält ein Stipendium über 6000 Euro vom Hauptsponsor Volksbank.

Bergedorf. Sie ist eine Frohnatur und will über Tränen schreiben. Sie lebt in München, obwohl Hamburg seit Kindertagen ihr Sehnsuchtsort ist. Und als Patientenmanagerin in der Neurochirurgischen Klinik Großhadern hat Jasmin Schellong für die Literatur oft kaum mehr Zeit, als für ein Hobby. Doch wenn die 37-Jährige schreibt, will sie die Leser berühren: „Sie sollen etwas fühlen, an Stellen, wo sonst die Kekskrümel hingehen, wenn man sich verschluckt.“

Mit Worten wie diesen hat sich die Frau der Gegensätze, nebenbei Stipendiatin der Bayerischen Schreibakademie, als Hamburgs Stadtschreiberin 2021 beworben. Neben einer Kurzgeschichte über einen ziemlich verhaltensgestörten Entführer legte sie ein Motivationsschreiben in den Umschlag, das mit den Worten endet: „Ich bitte Sie hier eigentlich um etwas Unmögliches: Sich gegen den sicheren Hafen in Form eines etablierten Autoren zu entscheiden und stattdessen die Tränenforscherin zu wählen.“

Jasmin Schellong wird von unserer Zeitung präsentiert

Argumente, denen sich die Jury nicht entziehen konnte: Jasmin Schellong wird vom 1. August bis Ende November für vier Monate Hamburgs neue Stadtschreiberin sein. Präsentiert von unserer Zeitung erhält sie das von der Hamburger Volksbank als Hauptsponsor finanzierte 6000-Euro-Stipendium.

Sie wird voraussichtlich im Künstlerhaus Vorwerkstift im Schanzenviertel wohnen und an markanten Orten in der Hansestadt arbeiten. Darunter die Kunsthalle, das Schmidt Theater, das historische Kontorhaus des Harburger Kulturvereins am Hafen und sicher auch das Bergedorfer Schloss. Weitere Unterstützer der Stadtschreiberin sind die Hamburger Kulturbehörde und die Töpfer-Stiftung.

„Tränen sind das Schmiermittel der Empathie, sie verbinden uns“

An allen Schreiborten will Jasmin Schellong „die Hamburger treffen, beschreiben, vielleicht auch erdichten oder erfinden“. Bei Gesprächen und Interviews, in Kurzgeschichten und ihrem Blog sollen dabei Tränen eine zentrale Rolle spielen – egal ob Freudentränen oder erlachte, Tränen der Trauer und des Abschieds oder Windtränen. „Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das weint“, sagt die künftige Stadtschreiberin. „Tränen sind das Schmiermittel der Empathie, sie verbinden uns, machen uns gleich.“

Was so entsteht, wird die Münchnerin den Hamburgern bei diversen Lesungen präsentieren. Vorgesehen ist je eine an jedem Schreibort. Dazu kommen verschiedene andere prominente Adressen und natürlich die Galerie der Gegenwart der Kunsthalle, wo es am Sonntag, 1. August, um 11 Uhr die feierliche Amtseinführung und am 30. November den sicher tränenreichen Abschied geben wird.

Unterstützung von den beiden Zweitplatzierten des Wettbewerbs

Unterstützt wird Jasmin Schellong dabei stets von verschiedenen anderen Künstlern. Darunter auch die beiden Zweitplatzierten des Stadtschreiber-Wettbewerbs 2021: Lydia Stach, Musical-Darstellerin, Journalistin und Geschichtenerzählerin, sowie das schreibende „Künstlerkollektiv“ mit Vincent Schleuning, Jana Gäbert, Diana Cummings und Johanna Hofmann.

„Mit der Neuauflage des Stadtschreiber-Projektes wollen wir nach Corona ein Zeichen für die Kultur setzen“, sagt Initiatorin Katelijne Gillis, die 2019 die letzte in der Reihe der bisher vier Hamburger Stadtschreiber war. Alle Details gibt es unter www.stadtschreiberin.de.

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