Einzelhandel

WSB fordert schnelle und klare Öffnungsschritte

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Auch im Sachsentor soll wieder Leben einkehren.

Auch im Sachsentor soll wieder Leben einkehren.

Foto: Ulf-Peter Busse

172 Bergedorfer Einzelhändler, Gastronomen und Handwerker wollen Planungssicherheit, kritisieren Misstrauen gegenüber der Wirtschaft.

Bergedorf.  Die ungewöhnlich deutliche Kritik des Hamburger Einzelhandels an der Corona-Politik des Senats hallt nach und findet auch in Bergedorf ein Echo: Mit einem Brief an Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) meldet sich der WSB(Wirtschaft und Stadtmarketing für die Region Bergedorf) zu Wort und fordert „schnelle und klare Öffnungsschritte für die Wirtschaft“. Die aktuelle Beschlusslage lasse Geschäftsleute und Kunden im Unklaren, kritisiert WSB-Chef Marc Wilken im Namen von 172 Bergedorfer Einzelhändlern, Gastronomen und Handwerkern: „Es ist ein Flickenteppich an Regelungen, wir brauchen endlich Planungssicherheit.“

Dass mancher Kunde inzwischen in den Nachbargemeinden einkauft oder ungehalten am Telefon „Wann gedenken Sie endlich, mal wieder zu öffnen?“ fragt, sei kaum noch auszuhalten, erläutert Wilken auf Nachfrage die WSB-Initiative. Abzüglich der zwei Wochen, in denen „Click & Meet“ möglich war, beschränke der Lockdown nun fast schon fünf Monate lang den Einzelhandel, der maximal 30 Prozent des normalen Umsatzes erwirtschafte. Anmeldungen im Ladengeschäft mit Testnachweis – etwa beim Friseur – scheuten viele ältere Menschen ohne Internet.

„Höher kann man eine Schmerzgrenze gar nicht mehr setzen“

Der WSB fordert, den Einzelhandel noch vor Pfingsten, also in der kommenden Woche, nach dem Prinzip „Click & Meet“ zu öffnen. Es komme jetzt auf jeden einzelnen Tag an. Die Aussicht, dass die Läden wohl erst im Juni wieder ohne Anmeldung von Kunden betreten werden dürfen, löst bei etlichen betroffenen Einzelhändlern Empörung und Angst aus, hat der WSB erfahren. „Jetzt geht es echt um Existenzen. Höher kann man eine Schmerzgrenze gar nicht mehr setzen“, berichtet Wilken, der von 14 leer stehenden Gewerbeimmobilien im Bereich des Sachsentors weiß. In seinem Schreiben an den Bürgermeister appelliert der WSB, „das Misstrauen gegenüber der Wirtschaft abzulegen und eine echte, zügigere Perspektive aufzuzeigen“.

Das Misstrauen gegenüber der Wirtschaft sei wohl größer als gegenüber den Bürgern, „die sich jetzt nach 21 Uhr wieder in den Parks treffen werden. So wird mit steigenden Temperaturen wohl auch wieder die Inzidenz steigen“, fürchtet Händler Wido Schüttfort, dessen Schuhhaus sich jetzt auch online „gegen viele neue Wettbewerber behaupten muss“: Am Ende sei noch nicht absehbar, „wer alles die Zeche bezahlen muss“.

Von Have hält sich „mit Alkohol über Wasser“

Optimistischer kann Christoph von Have sein: „Wir zählen zum Glück mit unseren Weinen und Spirituosen zu den Lebensmittlern“, sagt der Betriebswirt. Wohl fehle die Belieferung der Gastronomie und der Kreuzfahrtschiffe, aber den Laden musste er nie schließen: „Wir haben jetzt unsere Produktion von Likör, Rum und Gin vergrößert, beliefern Edeka, Rewe und Famila“, sagt der Geschäftsführer, dem dennoch „die Bummelkunden aus dem Sachsentor fehlen“. Aber trotz Kurzarbeit ist er guten Mutes: „Wir halten uns mit Alkohol über Wasser.“

( stri )

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