Meinung

Boberger Niederung: „Natur schützen statt Radwege sanieren“

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Jan Schubert
„Die Natur erhalten, keine Radwege sanieren“: Andreas Czaja möchte die Boberger Niederung am liebsten so erhalten wie sie ist.

„Die Natur erhalten, keine Radwege sanieren“: Andreas Czaja möchte die Boberger Niederung am liebsten so erhalten wie sie ist.

Foto: Jan Schubert / BGDZ

Jogger Andreas Czaja fordert, dass die Regeln in der Boberger Niederung stärker beachtet werden sollten. Oft gibt es Ärger.

Boberg. Es ist seit Jahren seine liebste Laufstrecke: Startpunkt ist für Andreas Czaja wie für viele andere Freizeitjogger der Parkplatz an den Tennisplätzen am Moosberg, die dem TC Blau-Weiß Lohbrügge gehören. Dann geht es durch eine beeindruckende Naturkulisse für den 58-Jährigen bis zur Höhe Boberger Segelflugplatz und Badesee und wieder zurück. Bummelig zehn Kilometer bewältige er zwei- bis dreimal die Woche, erzählt Andreas Czaja, der jedes Mal aufs Neue überwältigt ist: „Diese Natur ist einzigartig.“ Doch nicht nur dem 58-Jährigen missfällt das Verhalten einiger Mitmenschen und die Pläne, marode Wege für Radfahrer und Spaziergänger zu sanieren.

Czajas Credo lautet stattdessen: „Lieber die Natur erhalten und schützen. Eine Sanierung der unbefestigten Wege ist unnötig und für mich rausgeschmissenes Geld.“ Zwar solle jeder an dem Naturschauspiel partizipieren, doch die Ignoranz gegenüber gewissen Regeln geht für den Lohbrügger gar nicht. Es werde gefeiert, der Müll aber nicht weggeräumt. Hundehalter lassen ihre Vierbeiner frei herumlaufen. Zudem werde Sperrmüll abgeladen, einmal sogar entdeckte Andreas Czaja 200 entsorgte Reifen in dem Naturschutzgebiet.

Jogger setzt sich für die Boberger Niederung ein

Größere Sorgen bereiten den Naturgenießern zudem Pläne, wonach marode Asphaltwege auf Vordermann gebracht werden sollen. Denn dadurch steigt aus Czajas Sicht das Konfliktpotenzial: Schon jetzt würden Radfahrer und Mountainbiker vereinzelt rücksichtlos durch das Naturparadies „durchknallen“ (Andreas Czaja).

Zuletzt beklagten sich Radler und Wanderer aber genau über den maroden Zustand der befestigten Rad- und Wanderwege in der Boberger Niederung (wir berichteten). Diese Rumpelpisten seien besonders für Familien mit Kinderwagen oder mobil beeinträchtigte Menschen höchst problematisch. Für Verärgerung sorgte dabei, dass trotz Nachfragen der Bürger kein Verantwortlicher für eine eventuelle Wegesanierung von ihnen ausgemacht werden konnte. Verantwortlich für derartige Arbeiten wäre die Behörde für Wirtschaft und Finanzen, die wenn überhaupt dieses Projekt aber nicht vor der zweiten Hälfte dieses Jahres angehen werde.

Ab Juni zehn Ranger für Hamburgs Natur- und Landschaftsschutzgebiete

Wer aber sorgt dafür, dass sich die Besucher der Boberger Niederung stärker an die Spielregeln halten? Andreas Czaja und andere dürfte es gefallen, dass die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (Bukea) spezielles Augenmerk auf die Boberger Niederung mit ihren ab Juni verfügbaren zehn Rangern („Hüter des Landschaftsraums“) legt. Die Ranger sollen ab der zweiten Jahreshälfte in Natur- und Landschaftsschutzgebieten der Stadt Hamburg nach dem Rechten sehen. Björn Marzahn, Sprecher der Umweltbehörde, berichtet, dass sich die neu eingestellten Ranger gegenwärtig noch zu Naturpflegern ausbilden lassen.

Angedacht ist, dass die Ranger keinem festen Gebiet zugeordnet werden, flexibel einsetzbar sind, aber: „Bergedorf hat die meisten Naturschutzgebiete, die Boberger Niederung gehört zu den Naturjuwelen der Stadt. Und gerade dort häuften sich zuletzt Beschwerden“, deutet Marzahn an, dass regelmäßig patrouilliert werden könnte.

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