Pandemie

Wie eine Bergedorfer Praxis die Impfungen organisiert

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Anne K. Strickstrock
In der Hausarztpraxis am Ameisenweg in Bergedorf werden ab Freitag die ersten Patienten geimpft.

In der Hausarztpraxis am Ameisenweg in Bergedorf werden ab Freitag die ersten Patienten geimpft.

Foto: Reto Klar / FFS

„Der Aufwand ist riesig“: Online-Termine, Telefonanrufe, Logistik mit Abstand. Ab Freitag werden die ersten Patienten geimpft.

Hamburg.  Seit Wochen laufen die Vorbereitungen, damit in der Hausarztpraxis am Ameisweg geimpft werden kann: „Es ist ein Mordsaufwand, wir haben extra ein neues Online-Terminsystem installiert, damit unsere Arzthelferinnen nicht Amok laufen, weil sie nur wegen Corona telefonieren müssen“, sagte Dr. Anne-Marie Stüven nun im Bergedorfer Gesundheitsausschuss.

Eigentlich hätte sie schon am Mittwoch mit den Impfungen in der Praxis starten wollen, aber der Impfstoff von Biontech/Pfizer wurde spät geliefert, auch fehlten noch Nadeln und Spritzen: „Jetzt impfen wir zunächst nur bei Hausbesuchen. In der Praxis starten wir am Freitag mit den uns bekannten Patienten über 80 Jahre, wir rufen sie alle an.“

Ab Freitag wird in der Bergedorfer Hausarztpraxis gegen Corona geimpft

Sehr genau informieren die drei Fachärzte für Allgemeinmedizin auf ihrer Homepage über das aktuelle Vorgehen – und bitten um Geduld: „Haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihre Fragen hierzu nicht einzeln per Mail oder Telefon beantworten können. Sie können aber Ihre E-Mail-Adresse hinterlegen und werden bei Neuigkeiten dann zeitnah von uns informiert.“

Jeweils donnerstags erfahren die drei Hausärzte, wie viele Impfdosen sie in der darauffolgenden Woche bekommen. „Wir haben jetzt 75 Dosen gekriegt, dabei sollen es bis zu 50 pro Arzt werden“, so Stüven. Die Termine für festgelegte Altersgruppen werden stets sonntags um 9 Uhr im Buchungssystem freigeschaltet. Auch hier ist Geduld gefragt: „Es kann bis zu zwei Stunden dauern, bis die von uns online gestellten Termine auch online buchbar sind.“ Der Zweittermin ist exakt sechs Wochen später zur gleichen Uhrzeit, „das ist nicht verhandelbar“.

Impf-Angebot der Bergedorfer Hausärzte ist freiwillig

Um keine Impfdosen zu verlieren, führt die Nettelnburger Praxis zudem eine Liste mit kurzfristig erreichbaren Patienten, denen am Ende des Tages noch übrig gebliebene Impfdosen angeboten werden. Wer zur Kategorie 2 gehört (über 70 Jahre alt oder mit ernsten Vorerkrankungen) und auf diese Liste möchte, füllt ein Extra-Formular samt Telefonnummer aus – „wo wir Sie immer erreichen können!“

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Wie viele Bergedorfer Hausärzte sich an den Impfungen beteiligen, kann selbst die Kassenärztliche Vereinigung nicht sagen, denn das Angebot ist freiwillig. Dr. Stüven hofft, dass viele mitmachen, „gern auch Tier- und Zahnärzte“, denn „ich sehe das als nationale Aufgabe“. Eigentlich aber sei es ein „finanzieller Selbstmord“, denn pro Impfung werden nur 20 Euro gezahlt. Damit sei die Organisation nicht abgedeckt: „Es ist ja eine Riesen-Logistik, da wir mit Abstandsgebot alle Leute 15 Minuten nachbeobachten müssen“, so die Ärztin, die an der Anmeldung ein Sparschwein aufstellen will: „Unsere Mitarbeiterinnen freuen sich über einen persönlichen Corona-Bonus.“

Schwerpunktpraxis für Bergedorf ist aktuell vom Tisch

Jede Entlastung ist willkommen: Wer einen Termin im Hamburger Impfstoffzentrum ergattern könne, möge diesen „bitte unbedingt wahrnehmen“, rät Dr. Stüven, die am liebsten in Bergedorf ein „24/7-Impfzentrum à la Bundeswehr“ hätte. Doch „eine Schwerpunktpraxis für Bergedorf ist im Moment vom Tisch“, winkt Dr. Jürgen Duwe, Leiter des Gesundheitsamtes, ab.

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