Fachausschuss

Tempo 30 für die gesamte Leuschnerstraße

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Jan Schubert
Familienvater Jörg Hermann, hier mit Töchterchen Zoe, bemängelt, dass in seiner Straße nicht generell Tempo 30 gilt.

Familienvater Jörg Hermann, hier mit Töchterchen Zoe, bemängelt, dass in seiner Straße nicht generell Tempo 30 gilt.

Foto: Jan Schubert / BGDZ

Der Antrag der Bergedorfer Koalition wird von vielen Familien vor Ort unterstützt.

Lohbrügge.  Diese viel befahrene Verbindung zwischen dem Lohbrügger Norden und Süden erfordert vom Autofahrer höchste Aufmerksamkeit. Mal herrscht auf der Leuschnerstraße Tempo 50, mal darf nur 30 gefahren werden. Die Bergedorfer Koalition möchte jetzt für die 3500 Meter lange Verbindungsstraße eine generelle Tempo-30-Regelung durchsetzen. Damit folgen die Politiker von SPD, Grünen und FDP dem Wunsch vieler Anwohner.

Die beiden Familienväter stehen mit ihren Zöglingen direkt an der Fahrbahn, ein grauer Mercedes rauscht vorbei – waren das tatsächlich nur 50 Kilometer die Stunde? „Manchmal brausen die hier mit 80 Sachen lang“, sagt Darius Wieczorek, der die kleine Olivia im Kinderwagen herumfährt, zu Nachbar Jörg Herrmann, der Zoe (3) fest an der Hand hält.

Tempo 30 auf weniger als 600 Metern

Herrmann ist mit Frau und zwei kleinen Kindern 2020 in ein Einfamilienhaus an der Leuschnerstraße gezogen. Wie viele andere junge Familien zuletzt auch. Das Haus liegt direkt hinter einer schlecht einsehbaren Kurve. Hier ist Tempo 50 erlaubt, während nur wenige Meter weiter im Bereich des „haus brügge“ beziehungsweise der Pavillons der Stadtteilschule Lohbrügge auf „30“ gedrosselt werden muss. Eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung ist im Sektor Volkshochschule und Schule Leuschnerstraße eingerichtet. Tempo 30 ist auf weniger als 600 Metern Strecke vorgeschrieben.

Herrmann versteht das „Geschwindigkeits-Jojo“ nicht: „Die Hauptverkehrsstraße Sander Damm/Am Beckerkamp/Habermannstraße wird großflächig verkehrsberuhigt und fahrradfreundlicher gestaltet“, sagt der 43-Jährige. „Wenn man dann in ein Wohngebiet wie die Leuscherstraße fährt, fehlt jegliche Infrastruktur für Fußgänger oder Radfahrer. Warum dürfen hier Auto-, Bus- und Lkw-Fahrer mit 50 durchfahren?“ Herrmann betont: „Hier wohnen ganz viele Familien mit vielen Kindern.“

Infrastruktur ist ausbaufähig

Und nicht nur die gelten als besonders schutzbedürftige Verkehrsteilnehmer: An der Leuschnerstraße sind außerdem Wohnanlagen für Senioren angesiedelt, aufgrund der Nähe zum Gymnasium und zur Stadtteilschule Lohbrügge ist sie für viele Kinder Schulweg. Die „Infrastruktur“ ist ausbaufähig: Gehweg und Straße sind sehr schmal, Lkw, Pkw und Busse fahren gefährlich nah an Fußgängern vorbei. Und: „Den Mindestestabstand beim Überholen von Radfahrern von 1,50 Meter können viele Auto- und Busfahrer überhaupt nicht einhalten“, weiß Jörg Herrmann.

Andreas Tilsner von der Bergedorfer SPD verdeutlicht noch einmal die Intention des Antrags: „In der Praxis führt dieser Flickenteppich dazu, dass die meisten mit mindestens 50 Stundenkilometern durch die Leuschnerstraße fahren.“ Hinzu komme, dass besagte Straße Teil des Bergedorfer Radverkehrskonzepts als empfohlene Nord-Süd-Route sei. Erstaunlich jedoch: Bis auf ein kleines Teilstück in der Mitte existiert in der Leuschnerstraße gar kein Radweg.

Leuschnerstraße ist „Verkehrssammelstraße“

Vermutlich wird der Antrag in der heutigen Sitzung der Bezirksversammlung zur Beratung in den Bergedorfer Fachausschuss für Verkehr und Inneres überwiesen. Vor einer Komplett-Umwidmung der Leuschnerstraße sind jedoch noch die Polizei und die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BMW) gefragt. Sie müssten besagte Straße zunächst prüfen und klären, ob direkt an der Straße angesiedelte Schulen und Altenheime eine durchgehende Tempo-30-Regelung rechtfertigen.

Axel Kleeberg, Chef der Bergedorfer Verkehrspolizei, betitelt die Leuschnerstraße als „Verkehrssammelstraße“ für umliegende Wohngebiete, in denen Tempo 30 gelt. In der diskutierten Straße dürfe schneller gefahren werden, „damit der Verkehr abläuft“. Ohne vorweggreifen zu wollen sieht Kleeberg eine Änderung eher skeptisch: „Um durchgängig eine 30er-Regelung ausweisen zu können, sind die Lücken zwischen den schützenswerten Einrichtungen zu groß.“

Auch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) dürften ihr Veto einlegen. Für sie könnte eine durchgehende Verkehrsberuhigung einige Änderungen in den Fahrplänen notwendig machen. Denn die Leuschnerstraße wird von drei Buslinien befahren und verfügt je Fahrtrichtung über jeweils vier Haltepunkte.

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