Corona-Pandemie

Sommerurlaub: Ostseebäder erwarten großen Andrang

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Thomas Pöhlsen und Thomas Voigt
Blick vom Carat Hotel auf den Strand von Grömitz.

Blick vom Carat Hotel auf den Strand von Grömitz.

Foto: Klaus Bodig

In Mecklenburg-Vorpommern werden Unterkünfte knapp. Buchungen in Schleswig-Holstein sind verhalten. Hohe Nachfragen erst ab Mai.

Hamburg. Wen es in diesem Sommer Richtung Norden zieht, um an deutschen Küsten Urlaub zu machen, der sollte die Buchung in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr lange hinauszögern. Denn dort wird es schon ab dem Monat Mai ziemlich eng. Entspannter läuft es in Schleswig-Holstein. Dort werden aktuell nur Camping und Ferienwohnungen gut nachgefragt.

„Es sieht sehr gut aus bei uns“, sagt Melanie Jeschke, Sprecherin des Verbands Mecklenburgische Ostseebäder, über den Stand der Buchungen für die Sommermonate. Wer nah an der Küste Urlaub machen will, hat nur noch eine begrenzte Auswahl. Je weiter entfernt vom Wasser das Quartier gesucht wird, desto besser das Angebot.

Ostseebäder stellen sich auf viele Urlauber im Sommer ein

2020 war für die Mecklenburgischen Ostseebäder bereits erfolgreich, so die Sprecherin. Aus ihrer Sicht könnte 2021 ein Rekordjahr werden. „Viele Menschen wollen Urlaub im eigenen Land machen“, erläutert sie. Sie möchten die Unsicherheiten eingrenzen, die angesichts von Corona mit einem Auslandsaufenthalt und einer Flugreise verbunden sind. Katja Seppelt von der Tourist-Info Kühlungsborn kann das bestätigen: „Hotels und Ferienwohnungen sind bei uns ab Mai schon ziemlich gut ausgebucht. Aber wer ein bisschen sucht, findet auch noch etwas.“ Nach ihren Worten geht der Trend zur Direktbuchung beim Anbieter oder zum Internet-Portal: „In unserer Zimmervermittlung klingelt das Telefon seltener als früher.“ Dennoch seien die Häuser schon ziemlich belegt.

„Für Ostern sieht es schon gut aus. Im Sommer werden wir einen ganz großen Boom erleben“, sagt auch Sandra Hippauf, Geschäftsführerin von „Landurlaub Mecklenburg-Vorpommern“. Familien mit Kindern sowie ältere Paare sind die Zielgruppen. Die Anbieter sind häufig landwirtschaftliche Betriebe. Sie schätzen es, wenn der Kunde direkt bei ihnen bucht. „Dann findet sich leichter eine gemeinsame Lösung für Umbuchungen, wenn das wegen Corona nötig sein sollte“, sagt Hippauf. Denn die Beherbergungsbetriebe können keine Reiserücktrittsversicherungen wie die großen Internet-Buchungsportale anbieten.

Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt nur wenige Buchungen

„Für Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt sind die Buchungen verhalten“, berichtet dagegen Manuela Schütze von der „Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein“ (TA.SH). Dort spielt die Unsicherheit über die Corona-Lage eine entscheidende Rolle. Für den Sommer werden vor allem Campingplätze und Ferienwohnungen nachgefragt, und zwar überall im Land. Neben diesem „autarken Wohnen“, so Manuela Schütze, gibt es für andere Unterbringungsmöglichkeiten nur in den touristischen Hochburgen eine gewisse Nachfrage.

Hotellerie und Gastronomie sind nach Länder-Konferenz enttäuscht

Nach der Konferenz ist vor der Konferenz: Das gilt jedenfalls für die Hotellerie und Gastronomie im Norden, die sich vom Bund-Länder-Treffen erhofft hatte, endlich zu wissen, ob sie über Ostern öffnen und Touristen empfangen kann oder nicht. Doch eine verlässliche Öffnungsperspektive gibt es nicht. Stattdessen weiter Unsicherheit und mal wieder eine Vertagung auf die nächste Konferenz Ende März.

Für Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Schleswig-Holstein, wird es dann allerdings wie für die meisten zu spät sein. „Selbst wenn es beschlossen wird, dass Hotels und Gas­tronomie öffnen können, wird es für das Ostergeschäft zu knapp. Die Deadline für den Vorbereitungsbeginn wäre jetzt gewesen. Mit einer Öffnungsperspektive ein paar Tage vor den Feiertagen kann keiner arbeiten.“ Schließlich handle es sich nicht um ein Büro, in dem einfach nur der Computer gestartet werden müsse.

Hotels brauchen zwei bis drei Wochen Vorbereitungszeit

„Um den Betrieb wieder hochzufahren, sind für Hotels etwa zwei bis drei Wochen notwendig.“ Marketingaktivitäten müssten anlaufen, das Personal aus der Kurzarbeit geholt, Ware eingekauft werden und vieles mehr. Es sei illusorisch zu glauben, dass das von heute auf morgen geht. Man würde zwar durchaus registrieren, dass die Kieler Landesregierung gern mehr Freiheiten ermöglichen würde. Aber der Druck aus Berlin sei offenbar so groß, dass es nur wenig Handlungsspielraum gebe.

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Das sehen Reisewillige für die Ostertage Anfang April offenbar genauso. „Die Buchungsnachfrage ist sehr verhalten“, bestätigt Lina Rotte beim Tourismus-Service Fehmarn. „Daher haben wir sowohl über Ostern als auch über Pfingsten noch freie Kapazitäten.“ Eine erhöhte Auslastung kann sie bisher nur in den letzten Juli- und ersten Augustwochen beobachten. „Dann sind bereits viele Familienunterkünfte ausgebucht.“

Im Sommer soll die digitale Strandampel Gästeströme leiten

Im Ostseebad Grömitz sieht es nicht anders aus. Die Hauptsaison rund um die Sommerferien laufe sehr gut an und könne mit den Vorjahren verglichen werden, berichtet Thuan Nguyen vom dortigen Tourist-Service: „Vor allem, wenn sich Ferienzeiten überschneiden, sind die Unterkünfte schon sehr gut belegt.“ Auch Sylt meldet die gewohnt hohe Nachfrage erst ab Ende Mai – und eine ziemlich leere Insel bis einschließlich Pfingsten.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Ein Urlaubstrend, den Fehmarn-Sprecherin Lina Rotte in den vergangenen Jahren ausgemacht hat, lässt die Branche für Ostern und Pfingsten dennoch ein wenig hoffen: „Die Entwicklung geht immer mehr in Richtung Kurzurlaube und Spontanreisen. Die jüngsten Erfahrungen bei Kurztrips und an Feiertagen haben gezeigt, dass viele
Gäste erst einmal die Wetterlage abwarten und dann sehr kurzfristig buchen.“

Für den Sommer haben viele Gemeinden und Seebäder zudem schon Konzepte entwickelt, wie der Urlaub an Nord- und Ostsee
coronakonform ablaufen kann. Dabei kommt offenbar der digitalen Strand­ampel eine große Bedeutung zu, die anzeigt, an welchen Strandabschnitten es noch freie Plätze gibt. Sie war im vergangenen Jahr erstmals in Timmendorf eingeführt worden. Diese Methode soll nun ausgeweitet werden.

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