Gefahr

Klimawandel lässt die Pollen immer früher fliegen

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Thomas Pöhlsen
Pollen vom Hasel fliegen durch eine Parkanlage. Pollenallergiker müssen sich in den kommenden Tagen auf eine erhöhte Belastung durch Erlen- und Haselpollen einstellen.

Pollen vom Hasel fliegen durch eine Parkanlage. Pollenallergiker müssen sich in den kommenden Tagen auf eine erhöhte Belastung durch Erlen- und Haselpollen einstellen.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Mit den ersten Sonnenstrahlen kommen auch die Allergien. Mit den FFP2-Masken haben Allergiker jedoch eine neue Hilfe.

Bergedorf/Geesthacht.  Seit drei oder gar vier Jahren beginnt die Blüte der Hasel bereits im Januar, hat Friedrich Ringe vom Geesthachter Naturschutzbund (Nabu) beobachtet. Für Allergiker ist das Birkengewächs das sichere Zeichen, dass die Pollensaison beginnt.

Katja Hinz von der Bergedorfer Löwen-Apotheke hat es vor drei Jahren das erste Mal erlebt. Die Kunden kommen deutlich früher, um sich mit Antiallergika zu versorgen. Bereits im Januar und damit mehrere Wochen vor dem früheren Beginn strömen sie in die Apotheke.

Pollenflug: Professor sieht eine langfristige Entwicklung

Prof. Dr. Henning Allmers vom Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) an der Universität Osnabrück, das mit dem BG Klinikum Hamburg in Lohbrügge kooperiert, kann die Beobachtungen der beiden mit empirischen Untersuchungen stützen. Allerdings ist es keine kurz-, sondern eine langfristige Entwicklung.

Seit über 20 Jahren gibt es Reihenuntersuchungen, die belegen, dass der Pollenflug immer früher beginnt, so der Allergologe. Bei der Hasel sind es etwa zwei Wochen. Und er endet später, Allergiker müssen länger leiden. Der Beifuß etwa blüht zwei Wochen später als sonst, erklärt Professor Allmers.

Mit den schönen Tagen sind die Allergien „explodiert“

„Geradezu explodiert“ sind die Allergien während der ersten schöne Tage, berichtet der Bergedorfer Allgemeinmediziner Dr. Gregor Brinckmann. Er hat nun deutlich mehr Erkrankte in seiner Praxis.

Dass die Bäume und Sträucher mal früher, mal später blühen, ist für Nabu-Mann Ringe ganz normal. Ungewöhnlich sei allerdings, dass die Vegetation dauerhaft früher aus dem Winterschlaf startet. Für den Biologen ist der Klimawandel für die Veränderung der Vegetation verantwortlich, der sich mit heißem Sommer, warmem Winter und wenig Regen bemerkbar macht.

Hersteller haben Apotheken früher mit Medikamenten versorgt

Normalerweise versorgen die Hersteller die Apotheken rechtzeitig mit den Allergie-Mitteln, berichtet Apothekerin Hinz. Im vergangenen Jahr ist es ihr allerdings erstmals passiert, dass einige Präparate ausverkauft waren. In diesem Jahr haben die Hersteller auf diesen Ausnahmezustand reagiert und rechtzeitig geliefert.

Corona hat auch Auswirkungen auf die Allergien. Ringe vermutet, dass sich Menschen im Lockdown deutlich häufiger draußen aufhalten. Deswegen kommen sie mehr mit Allergenen in Berührung.

FFP2-Masken helfen den Allergikern

Einige Patienten sind in seine Praxis gekommen, weil sie vermuteten, sich mit Covid-19 infiziert zu haben, dabei waren es die Allergien, berichtet Dr. Brinckmann. „Im Moment ist alles Corona“, sagt der Bergedorfer Arzt. Entweder glauben die Menschen, erkrankt zu sein, oder es sind die Impfbeschwerden.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Das Tragen einer Maske ist für viele lästig. Für Allergiker kann es ein Segen sein. FFP2-Masken sind „absolut hilfreich“, so Professor Allmers, denn die Pollen, die eine Größe von 10 bis 100 Mikrometer haben, werden zuverlässig gefiltert. Voraussetzung ist, dass sie richtig aufgesetzt werden und den Mund-Nasen-Bereich vollständig bedecken. Auch Stoffmasken können Allergene abhalten, jedoch deutlich weniger als FFP2-Masken.

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