Pandemie

Bergedorfer Handwerker trotzen dem Trend

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Thomas Pöhlsen
Bauarbeiter montieren die Glaselemente für den Wintergarten eines Wohnhauses. Im Ausbaugewerbe ist in Bergedorf von Corona wenig zu spüren, anders als bei den Kollegen in Hamburg.

Bauarbeiter montieren die Glaselemente für den Wintergarten eines Wohnhauses. Im Ausbaugewerbe ist in Bergedorf von Corona wenig zu spüren, anders als bei den Kollegen in Hamburg.

Foto: imago/Werner Otto

Das Statistische Landesamt hat für Hamburg im dritten Quartal 2020 ein deutliches Minus errechnet. Das gilt nicht für Bergedorf.

Hamburg. Die Handwerker im Bezirk Bergedorf kommen deutlich glimpflicher durch die Krise als die Standeskollegen in Hamburg. Das Statistische Landesamt hat für das Handwerk im Stadtstaat ein Minus von 2,5 Prozent beim Umsatz und 5 Prozent bei den Beschäftigten für das dritte Quartal 2020 errechnet. Dies ist am Montag via Pressemitteilung kommuniziert worden. Dagegen spricht der Bezirkshandwerksmeister Christian Hamburg von „einer schwarzen Null“ für die Handwerksbetriebe in Bergedorf.

Im Friseurhandwerk hatten die Statistiker ein Umsatzplus von 17 Prozent errechnet und dies mit dem Nachholbedarf nach dem ersten Lockdown erklärt. In Bergedorf sieht das nach den Worten des Bezirks-Innungsmeister anders aus. Für alle körpernahen Dienste, wie etwa die von Friseuren, Optikern und Zahntechnikern, ist die Situation schwierig. Dort erwartet er am ehesten, dass Unternehmen aufgeben müssen.

"Schwarze Null" für Bergedorfer Handwerker

Im Hamburger Baubereich, besonders im Ausbaugewerbe, bilanziert das Statistische Landesamt für das dritte Quartal 2020 deutliche Umsatzrückgänge. In Bergedorf gilt nach dem Worten des Handwerksvertreters das Gegenteil. Dem Baugewerbe, besonders dem Ausbaugewerbe, gehe es gut. „Je körperferner die Dienste, desto besser sieht es aus“, erklärt Christian Hamburg.

Doch selbst in Teilbereichen einer Branche sind ganz unterschiedliche Ergebnisse möglich. „Der Malerbetrieb, der sich auf Arbeiten im Inneren spezialisiert hat, dürfte Einbußen gehabt haben“, so Hamburg.

Bergedorfer Handwerker profitieren von ländlicher Prägung

Bei Malerarbeiten im Außenbereich kann das ganz anders aussehen. Covid-19 überträgt sich in Innenbereichen schneller als draußen. Kunden könnten eher von Malerarbeiten in ihrer Wohnung abgeschreckt sein als bei einem Anstrich ihres Hauses.

Christian Hamburg hat eine Erklärung für den Unterschied zwischen der Statistik für das gesamte Bundesland und den Ergebnisse der Befragungen bei Bergedorfer Handwerksbetrieben: „Der Bezirk Bergedorf ist ländlicher.“

Statistik für Schleswig-Holstein ist aussagekräftiger

Deswegen hält er die parallel veröffentlichte Statistik von Schleswig-Holstein für das dritte Quartal 2020 für besser vergleichbar mit dem Bezirk Bergedorf als die Zahlen für die Freie und Hansestadt. Im Land zwischen den Meeren stieg der Umsatz gegenüber dem Vergleichsquartal 2019 um 0,5 Prozent.

Laut der aktuellsten Handwerkszählung gab es 2018 in Hamburg 8236 selbstständige Handwerksunternehmen mit 73.707 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In der vierteljährlichen Bilanz sind selbstständige Handwerksunternehmen, nicht jedoch Nebenbetriebe und innerbetriebliche Handwerksabteilungen erfasst.

Umfrage bei den Bergedorfer Betrieben

Die Ergebnisse beruhen auf regelmäßigen Auswertungen des Unternehmensregisters sowie Verwaltungsdaten der Bundesagentur für Arbeit und der Finanzverwaltung. Die Einschätzungen des Bezirkshandwerksmeister fußen auf einer Umfrage der Handwerkskammer bei den Bergedorfer Betrieben.

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