Bergedorf

Chaos und Dauerstau wegen der Megabaustelle Sander Damm

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Jan Schubert
Mit zahlreichen Baken abgesperrt: Die Einfahrt in den Sander Damm in Richtung Norden.

Mit zahlreichen Baken abgesperrt: Die Einfahrt in den Sander Damm in Richtung Norden.

Foto: Jan Schubert / BGZ

Bergedorfs Autofahrer sind genervt: Rund um den Lohbrügger Markt herrscht häufig Chaos. Das sagen Polizei und Planer.

Lohbrügge.  Wer aus Richtung Süden die größte Kreuzung im Bezirk, Bergedorfer Straße (B 5)/Sander Damm, anfährt, erkennt in Richtung Feuerwache und Esso-Tankstelle schnell: „Hier geht gar nichts mehr!“ Absperrbaken versperren die Einfahrt nach Norden in Richtung Lohbrügger Markt. Seit 27. Januar saniert der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) den 550 Meter langen Lohbrügger Teil des Sander Damms. Für die gesamte Bauzeit bis Jahresende bleibt der Abschnitt von der B 5 bis hinauf zum Lohbrügger Markt wechselseitig Einbahnstraße – und das offenbart gleich zwei Hauptprobleme für die Autofahrer.

Sie benötigen rund um den Lohbrügger Markt jetzt viel Zeit, Geduld und Nerven. Axel Kleeberg, Chef der Bergedorfer Verkehrspolizei, hat das Problem geortet: „Selbst in der noch freien Fahrtrichtung nach Süden muss es sich an der Kreuzung mit der Lohbrügger Landstraße stauen. Dort wird aus bisher zwei Spuren nur noch eine. Und wir haben Ampeln und viel Busverkehr.“ Zumal sich dann auch noch der Verkehr aus dem Ludwig-Rosenberg-Ring hier einreiht, reiche die Grünphase für die Kreuzungsräumung nicht aus.

Leuschnerstraße wird zur Staufalle für Autofahrer

Das führt zu einem weiteren, nicht unbedingt erwarteten Problem: die Leuschnerstraße. Sie ist wieder zur Einbahnstraße in Richtung Lohbrügger Markt erklärt worden, weil sie den gesamten Verkehr aus Reinbek aufnehmen muss. Denn auf der bereits frisch sanierten Hauptstraße nebenan laufen noch Nachbesserungsarbeiten. Das macht die Leuschnerstraße, auf der bis Mitte März auch noch eine Spur Baustelle ist, derzeit zur Staufalle für Autofahrer. „Das Stauende kann schon mal bis zum Bornmühlenweg reichen“, sagt Axel Kleeberg. An Markttagen werde es besonders voll.

Nächste Unklarheit: Wie komme ich aus dem Süden zum Marktkauf-Center? Marcel Besang, Leiter des Marktkauf Supermarkts, setzt dafür „beste Ortskenntnisse“ voraus. Denn die braucht es für die Fahrt ins 500 Plätze große Parkhaus am Hein-Möller-Weg. Aus Richtung Süden kommend ist es jetzt eher indirekt zu erreichen: Von der Bergedorfer Straße geht es über Weidenbaumsweg und Alte Holstenstraße, dann nach rechts in den Ludwig-Rosenberg-Ring, hier hinauf bis zum Linksabbieger vorm Lohbrügger Markt. Weiter geht es über die Baustelle Sander Damm bis zur Polizeiwache, dort nach links in den Ludwig-Rosenberg-Ring und dann in den Hein-Möller-Weg.

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Erreichbarkeit des Marktkauf-Centers ist eingeschränkt

Wobei: Die Kundenfrequenz habe seit Sanierungsbeginn nur „ganz leicht“ abgenommen, bemerkt der Marktkauf-Chef: „Wenn wir die Corona-Situation nicht hätten, würde diese Baustelle mehr schmerzen“, mutmaßt Marcel Besang weiter.

Auch Bergedorfs Polizei und der LSBG hatten das Center explizit bei der Bauphasenplanung im Blick und alternative Anfahrtswege im Sinn – wie beispielsweise die Möglichkeit des Linksabbiegens aus der Alten Holstenstraße in den Ludwig-Rosenberg-Ring direkt vor dem Marktkauf-Haupteingang. „Das wäre viel zu gefährlich für die vielen Fußgänger an dieser Ecke. Das mussten wir verwerfen“, berichtet Kleeberg. Henning Grabow, Sprecher des LSBG: „Die Erreichbarkeit des Marktkauf-Centers ist eingeschränkt, aber weiter möglich.“

Verbot des Linksabbiegens sorgt für Verwunderung

Zurück zum Stau auf der Leuschnerstraße: An deren Ende am Lohbrügger Markt sorgt das Verbot des Linksabbiegens Richtung Reinbek für Verwunderung. Zum Beispiel bei Heike Holland und ihren Mann Herbert. Das Ehepaar (81, 82) beobachtet jeden Tag den störenden Stau rund um den Markt. „Wieso ist dieses kleine Stück nicht offen?“, fragen sich die Anwohner über die schon im Dezember fertiggestellte, sogar für Fahrradfahrer komfortabler gestaltete Straße Am Beckerkamp zwischen Einmündung Leuschnerstraße und Tankstelle. Das könnte aus Sicht der Hollands das Stauproblem abmildern.

„Vor allem war das vor Weihnachten schon in Betrieb“, sagt Herbert Holland und seine Partnerin ergänzt: „Eine unmögliche Sperrung.“ Laut LSBG muss genau hier aber noch nachgearbeitet werden.

Grünphasen im Baustellenbereich werden eventuell angepasst

Polizist Kleeberg hält nichts von allzu raschen Änderungen der aktuellen Verkehrsführung: „Die Autofahrer müssen sich an die Neuerungen gewöhnen“ Einige weitere Beschwerden neben der komplizierten Zufahrt zu Marktkauf sowie der Staufalle Leuschnerstraße liegen dem LSBG vor. Beispielsweise häufige Wendefahrten in der Jakob-Kaiser-Straße von Autofahrern, die Umleitungshinweise ignorieren. Aktuell werde laut Henning Grabow geprüft, ob alle Grünphasen im Baustellenbereich für einen besseren Verkehrsfluss angepasst werden können. Ergebnisse sollen kommende Woche vorliegen.

Wichtigste Prämisse für Änderungen auf dem Bauplatz bleibe die „Verkehrssicherheit“ für alle Beteiligten, betont Grabow, „wir sind uns bewusst, dass wir den Menschen hier etwas zumuten.“ Den Hollands nicht mehr so sehr: Sie haben seit Mitte 2019 kein Auto mehr – und sind froh, nicht mehr irgendwo im Stau stehen zu müssen.

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