Thünen-Institut

Tropenholz oder legal? Forscher entwickeln kostenlose App

Der Querschnitt dieses Holzes, das unter Artenschutz steht, zeigt die Poren, die das Wasser leiten. Wie ein Fingerabdruck lässt sich die Struktur mit anderem Holz vergleichen.

Der Querschnitt dieses Holzes, das unter Artenschutz steht, zeigt die Poren, die das Wasser leiten. Wie ein Fingerabdruck lässt sich die Struktur mit anderem Holz vergleichen.

Foto: Thünen-Institut / BGZ / Anne Strickstrock

Thünen-Institut für Holzforschung mit weltweit erster Smartphone-Anwendung für Zoll und Normalbürger. Wie die App funktioniert.

Lohbrügge. Weit über 200 geschützte Hölzer stehen weltweit auf der Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITIES), eine Konvention, die die Voraussetzungen für den Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten regelt. Um den illegalen Holzeinschlag zu verfolgen, ist es wichtig, dass zum Beispiel der Zoll die fraglichen Waren bestimmen und kontrollieren kann. Im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz ist es in Hamburg-Lohbrügge nun gelungen, ein modernes Werkzeug dafür zu schaffen: Das Thünen-Institut für Holzforschung konnte seine an der Leuschnerstraße aufgebaute Datenbank zu einer App weiterentwickeln, die international genutzt werden kann – kostenlos.

„Das ist weltweit einzigartig“, freut sich der wissenschaftliche Direktor Dr. Gerald Koch, der mit seinem Sohn Sven zusammenarbeiten konnte. Der 22-Jährige studiert in Hamburg Technische Informatik im fünften Semester und programmierte die CITESwoodID-App.

Thünen-Institut entwickelt App

Insgesamt 80 Holzarten werden aufgelistet, davon stehen 46 unter Schutz wie Palisander und das echte Mahagoni, Ebenhölzer aus Madagaskar, das afrikanische Rosenholz Bubinga oder die Holzart Ramin, „die wächst etwa auf Borneo und Sumatra, wo die Orang-Utans im Wald leben“, weiß Dr. Koch. Farbfotos, Beschreibungen und ein interaktiver Bestimmungsschlüssel für Laub- und Nadelhölzer ergänzen die App für Smartphones und Tablets.

Dazu hat das Institut 34 weitere Hölzer gelistet, die sehr ähnlich aussehen, deren Handel aber erlaubt ist. „Die sogenannten Austauschhölzer wie das afrikanische Mahagoni stehen nicht unter Schutz. Wenn man jetzt die Querschnitte mit einem scharfen Cuttermesser anschneidet, lassen sich die Strukturen gut vergleichen“, erklärt der Holz-Experte, der eine zwölffache Vergrößerung der Strukturmerkmale anbieten kann.

Illegales Holz? Diese App hilft auch dem Zoll

Unter Wissenschaftlern habe sich die App, die es in vier Sprachvarianten gibt (Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch), schon herumgesprochen, doch wichtig, so Koch, sei jetzt der Feldeinsatz: Zöllner, Kontrolleure und Inspektoren müssen oftmals schnell vor Ort entscheiden, ob die Ware illegal ist. Ein Online-Workshop mit 200 Teilnehmern, vornehmlich aus Südamerika, habe bereits stattgefunden. Geplant war zudem ein Übungsworkshop mit 25 europäischen Zöllnern („viele aus dem Seehafen in Rotterdam“), doch der musste wegen Corona aufs nächste Jahr verschoben werden. „Auch die Kollegen in China sind sehr an dieser Erkennungshilfe interessiert“, so der wissenschaftliche Direktor und verspricht: Die App könne jederzeit erweitert und somit aktualisiert werden.

Freuen werde sich auch der Holzhandel und die Lehre, so der wissenschaftliche Direktor: „Die App ist auch ein didaktisch-innovatives Lehrmittel für den Unterricht an Berufs- und Fachschulen in der Forst- und Holzwirtschaft.“ Denn neben dem Stichwortverzeichnis ist eine gezielte Abfrage zu holzanatomischen und biologischen Fachbegriffen möglich.