Bergedorfer Klinik

Im Bethesda Krankenhaus geht die Ära von Borstel zu Ende

Hat stets ein Händchen als Vorgesetzte – auch gegenüber ihren Chefärzten: Margret von Borstel, seit 25 Jahren Geschäftsführerin des Bethesda Krankenhauses, hier 2016 bei der Einweihung der erweiterten Intensivstation mit dem Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Prof. Dr. Martin Keuchel.

Hat stets ein Händchen als Vorgesetzte – auch gegenüber ihren Chefärzten: Margret von Borstel, seit 25 Jahren Geschäftsführerin des Bethesda Krankenhauses, hier 2016 bei der Einweihung der erweiterten Intensivstation mit dem Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Prof. Dr. Martin Keuchel.

Foto: BGZ

Chefin der Bergedorfer Klinik wechselt nach 25 Jahren in den Ruhestand. Sie war ein Vorbild für „Frauen in Führungspositionen“.

Bergedorf. Ihre neun Chefärzte hat sie im Griff. Und auch die anderen 900 Mitarbeiter des Bethesda Krankenhauses samt seiner Tochtergesellschaften für Reinigung und Service: Margret von Borstel ist zwar nur 1,65 Meter klein, aber als Geschäftsführerin, die seit 25 Jahren an der Spitze der Bergedorfer Klinik am Glindersweg steht, macht der studierten Gesundheitsökonomin niemand etwas vor.

„Ich bin eigentlich Teamplayerin, setze auf Vertrauen, Offenheit: Nur wenn unbedingt nötig, gibt es mal eine klare Ansprache“, gibt sich die 64-Jährige bescheiden, auch wenn sie ohne Frage ein Vorbild ist für das, was heute unter dem Stichwort „Frauen in Führungspositionen“ noch immer erstritten werden will.

„Es ist ein großes Glück gewesen, dass Margret von Borstel sich im April 1995 entschieden hat, als Verwaltungsdirektorin auf den Chefsessel unserer damals noch kleinen Klinik zu kommen. Sie hat dafür gesorgt, dass das Krankenhaus bis heute schwarze Zahlen schreibt – und auch mir ein ums andere Mal gezeigt, wohin die Reise gehen muss“, sagt Bethesda-Stiftungsvorstand Prof. Dr. Eberhard Meincke.

Verhandlungsführerin auf Seite der Krankenkassen

Als die damals 39-Jährige die Klinik übernahm, war es für sie ein Frontenwechsel. Fast 15 Jahre hatte von Borstel im Vertragswesen der AOK Hamburg die Pflegesatzverhandlungen mit den Kliniken begleitet und schließlich als Verhandlungsführerin der Krankenkassen verantwortet.

„Für mich stellte sich 1995 die Frage, ob ich das bis zur Rente machen will oder etwas Neues wage“, erinnert sich die Bobergerin, die mit Ablauf dieses Monats nun tatsächlich in Ruhestand geht. „Den damaligen Wechsel an eine freie gemeinnützige Klinik habe ich nie bereut. Es waren arbeitsreiche, aber spannende Jahre.“

Tatsächlich führte Margret von Borstel das Bethesda Krankenhaus durch zweieinhalb turbulente Jahrzehnte. Als sie antrat, gab es in Bergedorf zwei gleichgroße Kliniken in 500 Metern Luftlinie Entfernung: Das evangelische, 235 Betten und 400 Mitarbeiter große Bethesda am Glindersweg und das städtische Allgemeine Krankenhaus (AK) im heutigen Cura-Seniorenheim am Gojenbergsweg.

„Eine Situation, die das AK beim Hamburger Senat immer wieder auf dem Prüfstand stehen ließ. Es war klar, dass in Bergedorf etwas passieren musste“, erinnert sich von Borstel, die dann auch sehr bald in Verhandlungen eintrat. Die erklärte Marschroute: Fusion – aber unter Leitung des Bethesda Krankenhauses und seiner Chefin.

Von Borstel wurde plötzlich Bauherrin

Nach gut vier Jahren konnte sie Erfolg vermelden. Zum 1. Januar 2000 wurden zunächst beide Häuser mit einem Budget geführt, am 1. Juli war die Fusion vollzogen. Das „Bethesda AK Bergedorf“ gehörte je zur Hälfte der Stadt und der Bethesda-Stiftung. Margret von Borstel wurde Geschäftsführerin.

Ein Posten, der viel Arbeit bedeutete, mussten nun doch beide Teams und diverse jetzt doppelte Abteilungen zusammengeführt werden. Aber damit nicht genug: Auch räumlich sollte aus zwei Standorten einer werden.

So wurde die Klinik-Chefin zur Bauherrin einer 90 Millionen D-Mark teuren Erweiterung des Bethesda am Glindersweg. Und gleichzeitig zur Managerin eines der größten Umzüge in der Geschichte Bergedorfs: 2002 zog das gesamte Bethesda Krankenhaus samt aller Patienten in das provisorisch um mehrstöckige Pavillons ergänzte alte AK – und im August 2004 ging alles wieder retour, erneut mit über 100 Menschen in ihren Krankenbetten.

Bethesda Krankenhaus: von Borstel findet starken Partner

„Natürlich hatte die Stadt Hamburg unsere Neubauplanung um einen zweistelligen Millionenbetrag zusammengestrichen, schließlich war sie es, die das Projekt zu 100 Prozent finanzierte“, bringt Finanzexpertin von Borstel bis heute Verständnis für die damalige Knauserigkeit des Senats auf. „Wir hatten so zwar eine moderne Klinik, nur die platzte ganz schnell aus den Fugen.“

Schon 2007 begann mit dem Bau der Zentralen Notaufnahme die Zeit der Erweiterungen, die nach neuer Geriatrie, OP und Intensivstation sowie Psychiatrie erst 2019 ihren vorläufigen Abschluss fand. Heute zählt das Bethesda 352 Betten plus 50 in der Tagesklinik und hat exakt 910 Mitarbeiter.

Letztes großes Thema in der Ära von Borstel war die Suche nach einem starken Partner in der modernen Klinik-Landschaft, die immer stärker in Konzernen aufgeht. Auch hier zieht die Bald-Ruheständlerin ein positives Fazit: „Mit der Agaplesion-Gruppe haben wir unter mehreren Kandidaten einen guten Partner gefunden, der uns und unserem Anspruch als vielseitiges Akutkrankenhaus für Bergedorf auf Augenhöhe begegnet. Wir hatten stets eine gute Verhandlungsposition, weil wir schwarze Zahlen schreiben“, sagt eine Managerin, die sich durchsetzen kann – auch ohne den Männern an Körpergröße ebenbürtig sein zu müssen: „Ich trage eigentlich sehr gern flache Schuhe.“