Illegaler Trail

Hamburger Bezirksamt legt Mountainbikern Bäume in den Weg

Der Mountainbike-Trail am Elbhang hinter dem Friedhof: Wo im Sommer rasante Sprünge auf zwei Rädern möglich waren, liegen jetzt frisch gefällte Baumstämme, sind alle Sprungschanzen beseitigt.

Der Mountainbike-Trail am Elbhang hinter dem Friedhof: Wo im Sommer rasante Sprünge auf zwei Rädern möglich waren, liegen jetzt frisch gefällte Baumstämme, sind alle Sprungschanzen beseitigt.

Foto: Ulf-Peter Busse

Ein ungenehmigter Trail am Elbhang ist blockiert. Dabei diskutiert derzeit die Politik über eine Mountainbike-Strecke.

Hamburg. Eigentlich diskutieren die Fraktionen der Bergedorfer Bezirksversammlung gerade noch über die Zukunft der ungenehmigten Mountainbike-Strecke am Elbhang hinter Sternwarte und Friedhof. Doch das Bezirksamt hat bereits Tatsachen geschaffen: Seit Kurzem sind alle Hindernisse auf dem Trail eingeebnet und Bäume so gefällt, dass sie direkt auf der Strecke liegen. Ein Befahren ist für die Biker jetzt unmöglich.

Die eilige Aktion nur eine Woche, nachdem das Thema im Umweltausschuss fraktionsübergreifend sehr wohlwollend besprochen worden war, ärgert Antragssteller Julian Emrich (CDU): „Bei allem Verständnis für die Sorgen des Amtes über seine Verantwortung für die Verkehrssicherungspflicht: Eine so rigorose Maßnahme stößt den vielen Bergedorfer Mountainbikern vor den Kopf. Das hätte zumindest ein paar Wochen warten können.“

SPD hat Verständnis für die Sorgen des Bezirksamts

Damit zielt Emrich auf die nächste Sitzung des Umweltausschusses im Januar. Dann sieht auch die Bergedorf-Koalition aus SPD, Grünen und FDP das Thema wieder auf der Tagesordnung: „Es braucht eine gemeinsame Lösung, die den Wünschen der Mountainbiker entgegenkommt, aber auch rechtlich eindeutig klärt, wer bei Unfällen haftet“, sagt SPD-Fraktionschefin Katja Kramer. Sie habe Verständnis, dass das Bezirksamt „den bisher ohne Genehmigung entstandenen Trail erst einmal beseitigt hat“.

Trotzdem soll perspektivisch eine solche Anlage in Bergedorf möglich sein, sind sich Kramer und Emrich einig – auch darin, dass die nicht am Neuallermöher Westensee liegen kann, wie von Bergedorfs Grünchef Wolfgang Charles vorgeschlagen. „Da gibt es zwar eine alte BMX-Strecke, und auch die Finanzierung ihrer Aufarbeitung wäre gesichert. Aber es fehlt ein Höhenunterschied wie beim Elbhang“, weiß die SPD-Fraktionschefin.

Harburg hat einen Mountainbike-Trail zugelassen

Julian Emrich will bis zum Januar die rechtlichen Fragen thematisieren, voraussichtlich auch über eine weitere Anfrage an den Senat: „Der hat sich zu diesem Thema in den beiden bisherigen Anfragen unseres Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Gladiator nicht klar positioniert. Es hieß nur allgemein, die Einrichtung einer Mountainbike-Strecke sei Entscheidung des jeweiligen Bezirks. Und Harburg hat mit seinem Trail im Eißendorfer Forst ja offenbar eine Möglichkeit gefunden.“

Bei Bergedorfs Mountainbikern löst die aktuelle Situation am Elbhang gemischte Gefühle aus: „Vor allem unsere Kinder und Jugendlichen sind frustriert. Es ist schon die vierte oder fünfte Einebnung der Strecke in den vergangenen paar Jahren. Aber wir geben nicht auf, sind natürlich für alle Kooperationen mit dem Bezirksamt offen“, sagt Andree Schober von den „Sachsenwaldpionieren“. „Vielleicht taugt der Harz als Vorbild: Dort gibt es ein ausgedehntes Netz anspruchsvoller Trails, die alle mit Hinweisschilden ,Nutzung auf eigene Gefahr’ bestückt sind.“