Wegen Corona

Schuldnerberatung befürchtet mehr Privatinsolvenzen

Ein Berater erklärt in einem Raum der Schuldnerberatung einer Kundin ihre Situation.

Ein Berater erklärt in einem Raum der Schuldnerberatung einer Kundin ihre Situation.

Foto: Jochen Lübke / dpa

2021 wird von einer „explodierender Nachfrage“ausgegangen. Wartezeiten coronabedingt schon jetzt auf drei Monate verlängert.

Hamburg.  Üblicherweise berät die öffentliche Schuldner- und Insolvenzberatung der „hamburger arbeit GmbH“ bis zu 250 Bergedorfer pro Jahr . Zehn bis 15 Klienten kommen jeden Monat dazu. Für 2021 rechnet Leiter Henrik Schmidt mit einer „explodierenden Nachfrage“ . Und so ist es ihm auch recht, wenn CDU und Linke in der Bürgerschaft derzeit mehr Personal für die Schuldnerberatung einfordern.

Im Moment sind es sechs Berater in Eilbek und zwei am Sander Markt 12 in Lohbrügge, so Schmidt: „Noch regiert das Prinzip Hoffnung, sind viele Leute noch zuversichtlich.“ Da im März und April aber komplett geschlossen war, hätten sich die Wartezeiten schon aktuell auf drei Monate verlängert.

Hamburger Schuldnerberatung geht von mehr Privatinsolvenzen aus

Bald könnte noch weit mehr Geduld gefordert sein: „Im nächsten Jahr werden relativ viele Menschen arbeitslos geworden sein.“ Zugleich müssten sie aber ihnen gestundete Mieten bezahlen, kommen Rückforderungen von Corona-Hilfen hinzu. „Dann werden viele Finanzierungspläne zusammenbrechen“, fürchtet Henrik Schmidt. Zudem würden dann wohl auch wieder Vollstreckungsmaßnahmen einsetzen: „Im Moment ist ja kaum ein Gerichtsvollzieher unterwegs.“

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Bei wachsendem Bedarf: Wäre in Lohbrügge überhaupt Platz für einen dritten Schuldnerberater? „Das ist tatsächlich ein Problem, das Büro ist zu klein“, gesteht Schmidt. Wohl aber könne er sich bei einer personellen Aufstockung vorstellen, dass ein Teil der Bergedorfer auch nach Eilbek „umgeleitet“ werden könnte.

Verschuldeter Bergedorfer im Durchschnitt 42 Jahre alt

Keine großen Betriebe, aber Kleinunternehmer und Solo-Selbstständige, verarmte Rentner, Auszubildende, verschuldete Beschäftigte und Arbeitslose können das kostenlosen Beratungsangebot nutzen – im Moment jedoch nur telefonisch: Unter 040/41 09 85 90 gibt es montags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr eine Notfall-Sprechstunde.

Im Durchschnitt ist der verschuldete Bergedorfer übrigens 42 Jahre alt, hat 15 Gläubiger und 14.000 Euro Schulden. Die meisten Klienten (53 Prozent) sind ledig, haben keine abgeschlossene Ausbildung und beziehen (zu 63 Prozent) Arbeitslosengeld.