Wegen Corona

Reptilien-Ausstellung hängt auf dem Frascatiplatz fest

Wer als Vogelspinne etwas auf sich hält, der stellt sich einen Totenkopf ins „Wohnzimmer“: Blick ins Terrarium von einer der insgesamt 65 Vogelspinnen von „Terratopia“.

Wer als Vogelspinne etwas auf sich hält, der stellt sich einen Totenkopf ins „Wohnzimmer“: Blick ins Terrarium von einer der insgesamt 65 Vogelspinnen von „Terratopia“.

Foto: Jan Schubert

Das heimatlose „Terratopia“ darf in wegen der Krise in Bergedorf bleiben. Die Betreiber sitzen aber auf hohen Kosten.

Hamburg-Bergedorf. Die rund 200 Tiere dieser Wanderausstellung sind gewiss nicht für jeden Geschmack. Doch faszinierend ist der Anblick der 65 Vogelspinnen, acht Skorpione, 18 Schlangen, 28 Echsen und anderer Reptilien und Insekten bei „Terratopia“ schon. Auch die beiden Krokodile, zwei Brillenkaimane namens „Gustav“ und „Billie“, hätten mit Sicherheit ihre Fans unter den Bergedorfern gefunden. Ja, gewiss – wenn das Familienunternehmen um Ricardo Köllner und Nicole Faschingbauer ihre Schau auf dem Frascatiplatz vom 30. Oktober bis 8. November hätte öffnen dürfen. Das durfte die Schausteller im Teil-Lockdown nicht, und nun sind sie unfreiwillig auf dem „Fras“ gestrandet.

Bergedorf ist für „Terratopia“ kein gutes Pflaster gewesen, obwohl das Publikumsinteresse gegeben war: „Wir mussten am 30. Oktober, also am Freitag vor dem zweiten Lockdown, 400 Besucher wegschicken“, berichtet Ricardo Köllner von der rigorosen Intervention des Gesundheitsamts. Die Behörde untersagte jedweden Auftritt der Reptilien: „Das hatten wir schon nicht verstanden, wieso andere Betriebe noch das Wochenende vor dem Lockdown Gäste empfangen durften und wir nicht.“ Somit war für die Schausteller schnell klar: Es gibt nicht einen Euro zu verdienen. Kalkuliert hatten sie mit Einnahmen von 6000 Euro für die geplanten zehn Tage.

Bauarbeiten: Keine Rückreise ins Winterquartier möglich

Das trifft die Köllners schwer – weil ihr Geschäft im Corona-Jahr 2020 ohnehin nie richtig in die Gänge kam. Von Mitte März bis Anfang August war „Terratopia“ geschlossen, die Ersparnisse schnell aufgebraucht. Nach der Ausarbeitung eines Hygienekonzepts durften wieder Besucher zur Ausstellung und den Liveshows kommen. Doch umsatzstark ist anders, vor allem im Vergleich zu den Vorjahren, wo die Reptilien- und Spinnen-Kolonne an bis zu 80 Standorten gastierte: „Wir durften nur 30 Personen gleichzeitig ins Zelt lassen. Und wir können ja auch niemandem vorschreiben, wann er zu gehen hat“, sagt Ricardo Köllner.

Nun steckt die sechsköpfige Familie mit ihren 15 Anhängern auf dem „Fras“ fest. Ins Winterquartier ins brandenburgische Lübben können sie nicht. „Nachdem wir durch den ersten Corona-Ausfall eigentlich dieses Jahr durchspielen wollten, baut unser Vermieter auf dem Gelände gerade um“, berichtet Nicole Faschingbauer: „Wir können nirgendwo anders hin.“ Dazu drücken monatliche Fixkosten an Strom (2000 Euro) und Futter (500 Euro, vom Blattsalat bis zum Frosthasen) auf das überschaubare Budget. Die beiden Krokodile beispielsweise mögen es nur sehr warm, bei 35 bis 40 Grad im Anhänger mit UV-Lampen und Fußbodenheizung: „Wenn wir ausstellen dürfen, kriegen wir es hin. Reich wird man nicht“, sagt Faschingbauer.

Bezirksamt hat Unterstützung zugesagt

Alles ausweglos? Nein, das Bergedorfer Bezirksamt hilft, nachdem „Terratopia“ dort um Unterstützung bat. „Wir werden eine Lösung finden“, kündigte Bezirksamtschef Arne Dornquast an. Mittlerweile hat die Verwaltung mit der Künstlerfamilie eine Lösung verabredet. Denn schließlich kündigen sich weitere Veranstaltungen auf Bergedorfs größter Freifläche an: „Kaspers Weihnachtsmärchen“ und der Tannenbaumverkauf sind von Ende November an dort vorgesehen.

„Terratopia“ musste in eine Ecke umziehen, besitzt gute Chancen, dort vorerst kostenlos zu bleiben. Das Bezirksamt wird auf die ursprüngliche Mietgebühr fürs Gastspiel von 1023 Euro verzichten. Auch eine künftige Tagesmiete soll entfallen. Voraussetzung: Die Reptilien-Schausteller müssen einen Corona-Härtefallantrag bei der Stadt Hamburg stellen – der sollte problemlos genehmigt werden.

„Wir haben eine finanzielle Sorge weniger“, sagt Nicole Faschingbauer, „andere bleiben dafür.“ Wer die Familie unterstützen möchte, nimmt Kontakt über die Mobilnummer 0176/20 34 50 64 auf.