Hamburg

KZ-Überlebende Esther Bejarano als Schirmherrin in Bergedorf

„Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt“, mahnt Esther Bejarano.

„Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt“, mahnt Esther Bejarano.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Büttner / picture alliance / dpa

Die 95-Jährige ermuntert zum Nachdenken über Zivilcourage. Sie übernimmt die Schirmherrschaft des Jugendpräventionspreises.

Bergedorf.  Sie kam am 15. Dezember 1924 in Saarlouis zur Welt – und lebt schon längst in Hamburg. Esther Bejarano beeindruckt jeden, der die kleine Frau einmal live erleben durfte: Unermüdlich erzählt die Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau aus ihrer Lebensgeschichte und mahnt zu aufrichtiger Zivilcourage und davor, die Zeit des Nationalsozialismus mit ihren Millionen Menschenopfern nicht zu vergessen.

Auch in Bergedorfer Schulen stand Esther Bejarano schon auf den Aulabühnen – bei Lesungen ihrer autobiografischen Bücher und sogar als rappende Sängerin: Mit der Kölner Hip-Hop-Band „Microphone Mafia“ begeistert sie seit 2009 die Jugendlichen. Und das ist nur ein Grund dafür, warum Stefan Thomsen, Vorsitzender des Bergedorfer Jugendhilfe-Ausschusses, sie nun um Unterstützung bat: „Sie ist bereit, uns als Schirmherrin für den Bergedorfer Jugendpräventionspreis zur Verfügung zu stehen“, verkündete er – und erntet große Anerkennung für sein Bemühen, den Preis durch diese prominente Begleitung attraktiver zu gestalten: „Wenn sie vielleicht auch für eine Jury-Sitzung und die Preisverleihung gesundheitlich nicht mehr fit genug ist, so dürfen wir doch ihren Namen verwenden.“

Esther Bejarano übernimmt Schirmherrschaft in Bergedorf

Alle zwei Jahre lobt die Bezirksversammlung den mit 3000 Euro dotierten Preis aus für Projekte von Kindern und Jugendlichen, die sich für ethische Werte, Zivilgesellschaft und Demokratie engagieren. Bewerber unter 21 Jahren können sich bis Ende Februar ans Rathaus (Wentorfer Straße 38) wenden, wenn sie bei der Preisverleihung am 21. April 2021 dabei sein wollen.

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Dass Esther Bejarano als Vorbild dienen kann, steht außer Frage. Die 95-Jährige Tochter eines Kantors, geboren als Esther Loewy, wurde im April 1942 nach Auschwitz deportiert, wo sie Akkordeon und Blockflöte im Mädchenorchester spielte, somit von Zwangsarbeit verschont wurde, mehr Essen und bessere Kleidung bekam.

Im November 1943 wurde sie ins KZ Ravensbrück verlegt. Nach der Befreiung Mitte August 1945 reiste sie nach Palästina aus und engagierte sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. 1960 kam sie mit Mann und zwei Kindern nach Hamburg. 1986 gründete Bejarano das Auschwitz-Komitee für die Bundesrepublik Deutschland und engagiert sich seither unermüdlich bei „Veranstaltungen gegen das Vergessen“.