Neue Ausstellung

Künstler zeigt „Momentmalerei“ im Bergedorfer Schloss

Diese nette Brezelverkäuferin sprach er an, fotografierte und malte er schließlich: Hans-Gerhard Meyer vor seiner Erinnerung „Blicke“ verewigt auf Leinwand – ab morgen zu sehen im Bergedorfer Schloss.

Diese nette Brezelverkäuferin sprach er an, fotografierte und malte er schließlich: Hans-Gerhard Meyer vor seiner Erinnerung „Blicke“ verewigt auf Leinwand – ab morgen zu sehen im Bergedorfer Schloss.

Foto: Jan Schubert

Hans-Gerhard Meyer präsentiert im Bergedorfer Schloss seine Ausstellung „Zeiträume“. Es gibt 25 bemalte Leinwände zu bestaunen.

Bergedorf. Das kleine, schwarze und wasserresistente Ding hat er immer dabei – egal ob im Strandkorb, bei der Ballettgeneralprobe von Neumeiers „Die kleine Meerjungfrau“ oder beim Milch einschenken in eine Tasse Kaffee: Wenn Hans-Gerhard Meyer seine Nikon-Pocket-Kamera zückt, dann sind es besondere Momenten. Diese sind die Grundlagen seiner „Momentemalerei“. Nun kann jeder an diesen „Zeiträumen“ in der morgen beginnenden Bürgerausstellung im Museum im Bergedorfer Schloss teilhaben.

Meyer hat 25 mit Öl, Acryl und auch mal mit Gouache oder fluoreszierenden Farben bemalte Leinwände für seine Werkschau ausgewählt. Was dem 61-Jährigen an der Bad Segeberger Brezelverkäuferin, an der sportlichen Bogenschützin oder an der virtuosen Violinisten besonders fest in Erinnerung geblieben ist, hat er auf unterschiedlichen Ebenen betont. „Das Vorderste ist immer meine klarste Erinnerung.“ Klares Prinzip des Ausstellungsmachers.

Künstler will Erinnerung an Erlebnisse in den Fokus rücken

„In meiner Malerei geht es um die Erinnerung an Erlebnisse. Und die Interpretation mehrerer Blicke zu einem Ereignis gibt einen Zeitraum wieder: den Moment“, erklärt Meyer. Und da sich der Blick auf eine Situation durch Bewegungen, Beobachtungswinkel und unterschiedliche Klarheit der Erinnerung verändere, werde der Titel der Ausstellung „Zeiträume“ gut aufgeklärt. „Ich erinnere unterschiedlich an bestimmte Situationen, deshalb wirken meine Bilder manchmal nicht vollständig.“

Zum Beispiel Meyers Sprung vom Zehnmeterturm („10er“) aus dem August vor neun Jahren: „Ich musste zuerst mit meiner Kamera hochklettern, wieder hinunter, dann hinauf und erst dann bin ich schließlich gesprungen.“ Als fast einsamen Beobachter an diesem frühen Sommermorgen hat der gebürtige Göttinger, der jetzt in Bergedorf lebt, seinen Sohn Lars im Bild mitberücksichtigt. Der verfolgt den mutigen Sprung links am Rand des Beckens. Ein Beispiel für Meyersche Momentemalerei.

Kunstwerke von Meyer sind auch zu kaufen

Facettenreich auch das Familientreffen in Bad Segeberg. Dort gefiel dem Künstler eine Brezelverkäuferin: „Ich habe sie angesprochen“, erinnert sich der 61-Jährige. Klar und nett ihr Lächeln, die Form des Gebäcks ist zu erkennen, aus dem Portemonnaie, das die Verkäuferin dabei hat, lugen Euroscheine. Im Hintergrund geht ein Ehepaar vorbei, der Mann lächelt fast ein wenig schelmisch: „Alles so wie ich es erinnere“, sagt Hans-Gerhard Meyer.

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Wer Spaß und Gefallen an Meyers Malereien findet, der kann sich die Kunstwerke auch kaufen: kleinere für etwas mehr als 300, größere für mehrere Tausend Euro. Kleines Gimmick dazu: Meyer hat an einer Wand elf Tastaturen aufgereiht. Mit verschiedenen Mottos: von der Schreibblockade bis hin zur Freiheit. Unterhaltsam beim Vorbeigehen.

„Zeiträume“ ist im Bergedorfer Schloss zu sehen vom 23. Oktober bis 28. Februar 2021. Der Künstler bietet auch geführte Rundgänge (maximal zehn Personen) an: 24. Oktober, 14 Uhr; 25. Oktober, 14 und 15 Uhr; 8. November, 14 Uhr; 5. Dezember, 15 Uhr; 10. Januar, 14 Uhr; 20. Februar, 15 Uhr. Anmeldung unter Tel. 040/428 91 25 09.