Einzelhandel

Kaffee Timm: Mit Chef-Duo in die Zukunft des Sachsentors

Bilden jetzt die Geschäftsführung von Kaffee Timm und sind beide Inhaber: Stefan Müller (46) und Elke Timm (60).

Bilden jetzt die Geschäftsführung von Kaffee Timm und sind beide Inhaber: Stefan Müller (46) und Elke Timm (60).

Foto: Ulf-Peter Busse

Kaffee Timm in Bergedorf hat einen neuen Chef. Er jobbte einst als Schüler bei dem Traditionsunternehmen. Die Zukunftspläne.

Bergedorf.  Er hat schon als Schüler bei Kaffee Timm gejobbt. Jetzt ist Stefan Müller (46) neuer Chef des Traditionsunternehmens Kaffee Timm im Sachsentor – für voraussichtlich fünf Jahre noch neben Elke Timm (60). „Genau einen solchen Nachfolger habe ich mir immer gewünscht, einen mit absoluter Liebe zu Kaffee und Tee, der gleichzeitig viele Ideen für die Zukunft hat“, sagt die Enkelin des Firmengründers Hans Timm, der den Familienbetrieb mit den heute knapp 20 Mitarbeitern 1918 eröffnete.

Stefan Müller ist schon seit über 20 Jahren Teil des Teams, verantwortet seit 1996 die Kaffeerösterei. Aufgerückt in die Geschäftsführung setzt er auf behutsame Innovation: „Ich will noch mehr als bisher mit neuen Kaffee- und Tee-Varianten experimentieren. Gerade im Bereich Espresso erreichen wir auf diese Weise viele junge Menschen.“ Zudem hat er für das Tee-Sortiment bereits die Bio-Zertifizierung erreicht und ist gerade dabei, die Kaffee-Verpackungen auf Ventil-Papiertüten umzustellen, damit die frisch verpackten Bohnen noch besser ihr Aroma behalten.

Kaffee Timm in Bergedorf hat ein neues Führungsteam

Müller hat den Umgang mit Kaffee von der Pike auf beim alten Röstmeister Hans-Joachim Klemt von Kaffee Timm und dem Kaffee-Makler Peter Hertling in der Speicherstadt gelernt. Jetzt unterstützt er Elke Timm auch beim Einkauf, im Kaffee-Großhandel, einem wichtigen Standbein des Familienunternehmens – und beim Managen des Ladens im Sachsentor samt Online-Shop, wo auch Süßes eine große Rolle spielt.

Um die Zukunft machen sich beide keine Sorgen. „Corona hat in unseren Planungen zwar viel durcheinander geworfen, etwa die gezielte Eroberung der Ausflugslokale mit unserem Kaffee. Und mancher kleinere Abnehmer im Gastronomie- oder Bäckerei-Gewerbe musste aufgeben. Dafür sorgt der Trend zum Homeoffice nun für deutlich steigende Nachfrage in unserem Laden und sogar bei unserem Großhandel“, sagt Elke Timm.

“Corona öffnet der alten Einkaufsstraße neue Chancen“

Den Grund dieser Erfolgsgeschichte sieht Stefan Müller in der hohen Qualität seiner Kaffeesorten: „Als kleiner, über Bergedorf hinaus aber sehr bekannter Kaffeeröster stehen wir für Produkte, die es nur bei uns gibt. Und für persönliche Beratung durch ein motiviertes Team oder auch die Chefs persönlich.“ Entsprechend wichtig ist ihm der Erhalt des Traditionsgeschäfts im Sachsentor: „Hier sind wir jederzeit für unsere Kunden erreichbar. Und das soll auch so bleiben.“

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Sorgen um die Zukunft der Einkaufsstraße macht sich Elke Timm nicht: „Das Sachsentor hat bis heute eine ausgezeichnete Besucherfrequenz, auch wenn sich die Zahl der Geschäftswechsel klar gesteigert hat.“ Genau dabei öffne Corona der alten Einkaufsstraße neue Chancen, denn der Trend gehe nun wieder zu kleineren Geschäftsräumen für innovative Läden: „Statt der bisher gesuchten 200 Quadratmeter für bundesweit vertretene Filialketten genügen jetzt 80 Quadratmeter. Und davon haben die teils Jahrhunderte alten Geschäftshäuser hier im Sachsentor viel zu bieten.“

Einzelhandel der Zukunft braucht Einzigartigkeit

Dieser Entwicklung sieht auch Stefan Müller entspannt entgegen. „Kaffee Timm ist und bleibt hier ein wichtiger Bestandteil. Denn der Einzelhandel der Zukunft braucht Einzigartigkeit, persönliche Beratung und Spaß an Innovationen.“ Nachholbedarf sieht er aber im Bereich der Stadtentwicklung: „Wir müssen die Frage beantworten, wofür das zum Glück stark wachsende Bergedorf und seine City künftig eigentlich stehen soll. Was ist der Markenkern unseres Bezirks?“

In Müllers Augen könnte sich alles um das Thema Familie drehen: „Gern darf auch ein Kinder-Malstudio mit angeschlossenem Café für die Eltern ins Sachentor ziehen.“