Bergedorf

Fahrstuhl defekt: Fahrgäste können nur zu Fuß zum ZOB

Aufzug kaputt: Familie Scholz muss den Kinderwagen nun die Treppe hinauftragen. Karin Rogalski-Beeck vom Bergedorfer Seniorenbeirat beklagt den unhaltbaren Zustand für ältere und gehbeeinträchtigte Fahrgäste.

Aufzug kaputt: Familie Scholz muss den Kinderwagen nun die Treppe hinauftragen. Karin Rogalski-Beeck vom Bergedorfer Seniorenbeirat beklagt den unhaltbaren Zustand für ältere und gehbeeinträchtigte Fahrgäste.

Foto: Thomas Voigt

Seit ein verunglückter Linienbus die Rolltreppe zerstörte, fuhr nur noch ein Aufzug zum ZOB. Der ist nun auch kaputt.

Bergedorf. Seit Dienstag herrscht Notstand auf dem Bahnhof Bergedorf: Der einzige Aufzug zwischen Bahnhofsplatz und ZOB mit Zwischenhalt in der Bahnhofshalle in der ersten Etage steckt seitdem fest. Und weil die durch einen Bus-Unfall im Mai zerstörte Rolltreppe noch immer nicht ersetzt wurde, können Fahrgäste den ZOB nur noch über die 24 Stufen hohe Festtreppe erreichen und verlassen.

Viele quälen sich auf der festen Treppe

Es ist ein Jammer: Leute mit Gehstöcken oder Gehwagen schleppen sich mühsam am Geländer die Stufen hoch, Mütter mit Kinderwagen warten verzweifelt auf Helfer, die beim Tragen mit anfassen. Nina Scholz (30) aus Geesthacht hatte gestern Glück: „Meistens bin ich mit den Kindern allein in Bergedorf unterwegs. Heute ist ausnahmsweise mal mein Mann dabei. Der kann den Kinderwagen mit mir die Treppe hochtragen.“ Und Sigrid Kramp (82) aus Oststeinbek sagt bitter: „Ich bin herzkrank, muss auf der Treppe mehrmals Pause machen. Aber ich habe keine andere Wahl.“

„Fassungslos über die Ignoranz der Deutschen Bahn“

Zuständig für die Funktion von Aufzug und Rolltreppe ist die Deutsche Bahn als Hausherr im Bahnhof. „Ich bin fassungslos über die Ignoranz der Deutschen Bahn“, sagt Karin Rogalski-Beeck, Vorsitzende im Bergedorfer Seniorenbeirat. „Mit fehlen die Worte, wenn ich mir anhöre und ansehe, wie die Menschen unter teilweise unglaublichen Mühen und Anstrengungen die Stufen zum Busbahnhof bewältigen müssen.“

Keine Prognose, wann der Aufzug wieder läuft

Tatsächlich ist das Problem hausgemacht – und nicht ganz neu. Denn auch vor dem Busunglück fielen die Rolltreppen von und zum ZOB häufiger aus, manchmal zeitgleich mit dem Aufzug, und liefen erst nach Tagen wieder. Einen doppelten Ausfall, der wie jetzt schon fast eine Woche andauert, hat es seit der Inbetriebnahme des neu errichteten Bahnhofs vor zehn Jahren aber noch nicht gegeben. Ein Ende der Misere war gestern Abend noch nicht in Sicht: „Derzeit sind die Servicetechniker vor Ort“, erklärte eine Bahnsprecherin auf bz-Anfrage. Ein Prognose, wann der Aufzug wohl wieder läuft, konnte sie aber nicht abgeben.

Neue Rolltreppe „frühestens im Frühjahr 2021“

Weiterhin düster sieht es auch für die Rolltreppen aus. Reisende erfahren von einem Schild am Fuß der desolaten Anlage, dass die Inbetriebnahme einer neuen Treppe erst im Frühjahr 2021 möglich ist. Die Bahnsprecherin korrigiert nun: „Frühestens im Frühjahr 2021“.

Zweiter Aufzug wohl erst 2022

Seit Jahren schon haben Bergedorfs Lokalpolitiker von der Deutschen Bahn den Einbau eines zweiten Aufzugs gefordert – immer wieder vergeblich, obwohl ein zweiter Schacht dafür vorhanden ist. Erst im vergangenen Frühjahr kam eine Zusage. Doch auch damit soll es noch richtig lange dauern, laut Bahnsprecherin wohl bis 2022.

„Hakverdi und Tjarks können wohl auch nichts machen“

Karin Rogalski-Beeck hat zusammen mit Behinderten- und Senioreneinrichtungen schon Bergedorfs Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi (SPD) und Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) eingeschaltet. „Aber die können wohl auch nichts machen.“