Hamburg

Wohin mit all dem Laub? Stadtreinigung holt volle Säcke ab

Rein mit dem Laub in den Recyclingsack: Leon Kubatzki und Johanna Schmale vom Recyclinghof der Stadtreinigung am Kampweg in Bergedorf bieten Laubsäcke an.

Rein mit dem Laub in den Recyclingsack: Leon Kubatzki und Johanna Schmale vom Recyclinghof der Stadtreinigung am Kampweg in Bergedorf bieten Laubsäcke an.

Foto: Thomas Voigt

Recyclinghöfe bieten teils längere Öffnungszeiten an. Warum die Hamburger Stadtreinigung Plastik- statt Papiersäcke benutzt.

Hamburg. Die große Laubschlacht im Raum Hamburg hat begonnen, rund 20.000 Tonnen Herbstlaub fallen in den kommenden zwölf Wochen allein bei der Hamburger Stadtreinigung (SRH) an.

Hamburger Stadtreinigung holt Laubsäcke ab

Bis zu 4000 Tonnen davon erreichen das städtische Unternehmen jedes Jahr in den 450.000 Plastiksäcken, die seit 1. September auf den Recyclinghöfen und in allen Budnikowsky-Filialen zum Stückpreis von einem Euro angeboten werden.

Was Verbraucher dabei zunehmend irritiert: Wieso setzt die sonst um den Umweltschutz stets bemühte Stadtreinigung Plastiksäcke ein – in einer Zeit, in der die Plastiktüte als Verpackungs- und Transportmittel den Anforderungen der Ökologie folgt und mehr und mehr aus dem Alltag verschwindet? Zum Vergleich: Die Laubsäcke in den Landkreisen Stormarn, Lauenburg und Harburg sind aus Papier gefertigt.

Stadtreinigung: Papiersäcke haben sich nicht bewährt

„Wir haben Papiersäcke getestet, und die haben sich nicht bewährt“, erklärt SRH-Sprecher Andree Möller. Das eingefüllte Laub sei häufig sehr nass, und oft stünden die Säcke ungeschützt im Regen, was dazu führe, dass sie nach tagelanger Lagerung aufweichen und reißen.

„Außerdem haben wir für unsere Kunststoffsäcke eine Öko-Bilanz erstellen lassen, und dabei kommen sie besser weg als kompostierbare Papiersäcke mit ihren Leim-Zusätzen oder Metallklammern“, so der Sprecher.

Die Hamburger Laubsäcke werden aus Recycling-Kunststoff gefertigt, nach ihrer Entleerung durch ein Kompostier-Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern aber im Restmüll verbrannt. Ein Versuch, sie ein zweites Mal einzusetzen, sei gescheitert: Bei der maschinellen Entleerung werden zu viele Säcke beschädigt.

Abfallwirtschaft Südholstein hat keine Probleme mit Papiersäcken

„Auch der sogenannte kompostierbare Kunststoff ist keine Lösung“, sagt Möller, „denn darin befinden sich Erdölreste. Selbst in einer guten Kompostieranlage dauert es Monate, bis sie wirklich zersetzt sind. Das passt in keinen Arbeitszyklus.“

Lesen Sie auch:

Bei der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH), zuständig für Stormarn und Herzogtum Lauenburg, sind Probleme mit den Papiersäcken laut Sprecher Olaf Stötefalke eher selten: „Sie bestehen aus vier Lagen Papier, und es passiert nur in Ausnahmefällen, dass mal einer reißt. Dennoch lassen sie sich gut recyceln, vom Kompostwerk in Trittau kommen keine Beschwerden.“

4,50 Euro kostet ein Grünabfallsack von der AWSH. Den gibt es ganzjährig, Abholtermin immer zeitgleich mit der Grünen Tonne.

Erster Kubikmeter Laub ist in Hamburg kostenlos

Indessen bestätigt Olaf Wirth, Experte für Stoffkreislauf beim Hamburger Institut für Ökologie und Politik Ökopol: „Ein Plastiksack aus Recycling-Material ist umweltfreundlicher als so ein vierlagiger Papiersack. Denn Papier erfordert bei der Produktion hohen Wasser- und Energieeinsatz.“

Kunststoffsäcke aus echtem Verbraucher-Recyclat – nicht einfach nur Industrieabfälle – seien in der Regel auch mit dem Blauen Engel des Umweltministeriums zertifiziert.

Laubanlieferung auf Recyclinghöfen empfohlen

SRH und AWSH empfehlen als bessere Alternativen die Kompostierung von Grünabfall auf dem eigenen Grundstück oder die Anlieferung auf den Recyclinghöfen. In Hamburg wird der erste Kubikmeter kostenlos angenommen, dann pro Kubikmeter ein Euro Gebühr kassiert. Die AWSH nimmt 1,80 Euro je 100 Liter.

Wegen des verstärkten Laubfalls in den kommenden Wochen rechnet die Stadtreinigung mit der verstärkten Anlieferung von Laub- und Grünabfällen auf den Recyclinghöfen. Daher öffnen fünf der zwölf Standorte in Hamburg an Sonnabenden im Oktober und November länger ihre Türen.

Am 10., 17. und 24. Oktober sowie am ersten Sonnabend im November (7. November) schließen die folgenden fünf Recyclinghöfe erst um 16 Uhr statt wie üblich um 14 Uhr:

  • Harburg: Neuländer Kamp 6
  • Osdorf: Brandstücken 36
  • Wandsbek: Wilma-Witte-Stieg 6
  • Hummelsbüttel: Lademannbogen 32
  • Sasel: Volksdorfer Weg 196

In jedem Hamburger Stadtteil gibt es darüber hinaus fünf feste Laub-Abholtermine, die sich von Stadtteil zu Stadtteil unterscheiden.

Abholtermine für Bergedorf:

Allermöhe 21.10.; Altengamme 14.10./28.10; Bergedorf östlich Schleusengraben/südlich Wentorfer Straße 22.10.; Bergedorf westlich Schleusengraben/ nördlich Wentorfer Straße 15.10./29.10.; Billwerder 13.10./27.10.; Curslack 14.10./ 28.10.; Kirchwerder 23.10.; Lohbrügge Nord 12.10./26.10.; Lohbrügge Süd 19.10.; Moorfleet 21.10.; Neuallermöhe 20.10.; Neuengamme 14.10./28.10.; Ochsenwerder 16.10./30.10.; Reitbrook 16.10./30.10.