Prozessauftakt

Mord am Ende einer einseitigen Beziehung?

Eine 37 Jahre alter Bergedorferin soll ihren damaligen Lebenspartner erwürgt haben. Am Mittwoch startete der Prozess am Landgericht (Symbolfoto).

Eine 37 Jahre alter Bergedorferin soll ihren damaligen Lebenspartner erwürgt haben. Am Mittwoch startete der Prozess am Landgericht (Symbolfoto).

Foto: Peter Steffen / dpa

Eine 37-jährige Bergedorferin soll ihren 80 Jahre alten Partner erwürgt haben. Er plante sich zu trennen und sein Testament zu ändern.

Bergedorf. Zum Prozessauftakt im Saal 237 des Landgerichts schwieg die dick in Schal und Stoffmantel eingehüllte Corinna B. (Name geändert). Dafür sprachen andere über die 37 Jahre alte Bergedorferin – und besonders die Aussage einer guten Bekannten des Anfang April tot in seiner Lokstedter Wohnung aufgefundenen Adolf P. (80) wirft kein gutes Licht auf die Angeklagte. Sie soll sich über Jahre von ihrem viel älteren Liebhaber aushalten lassen haben. Als dieser sich dann von ihr trennte und plante, sie als Alleinerbin aus seinem Testament zu entfernen, soll sie ihn aus Habgier ermordet haben – laut Anklage durch einen Würgeangriff.

Die Beschuldigte wollte zu den Vorwürfen nichts sagen, dafür erzählte Agnes B. umso mehr: Die 85-Jährige war sehr gut mit dem Opfer bekannt – und B. war es auch zu verdanken, dass der tote 80-Jährige am 4. April 2020 in seiner Wohnung in Lokstedt gefunden wurde. Die Feuerwehr musste die Wohnungstür aufbrechen, die Schlösser der doppelt gesicherten Tür waren von außen mit Streichhölzern manipuliert worden. In der Wohnung fanden Polizisten das Opfer mit Gesichtsverletzungen und blutigem Hemd auf der Wohnzimmercouch.

“Beziehung ist immer problematischer geworden“

Mord aus Habgier, wie die Staatsanwaltschaft meint und sich dafür auf Indizien und Zeugenaussagen beruft. Freunde hätten sich von Adolf P. abgewandt, als er kurz nach dem Tod seiner schwer kranken Frau im Jahre 2011 eine neue Partnerin, eben Corinna B., vorgestellt habe, berichtete Agnes B. Auch sie sagt, „ein bisschen entsetzt gewesen zu sein, dass so schnell eine neue Frau auftauchte“. Die Angeklagte war Sozialbetreuerin im Pflegeheim, in dem P.’s Frau bis zu ihrem Tod lag.

Agnes B. kümmerte sich nach ihren Angaben um den Witwer: Essen bringen, einkaufen, Wäsche waschen und bügeln, wenn P. wegen seiner Herzerkrankung ins Krankenhaus musste. Ganz anders Cinderella B.: Die 37-Jährige soll sich den Ausführungen der Zeugin zufolge mit den Jahren immer weniger um ihren gehandicapten Partner gekümmert haben. „Die Beziehung ist mit den Jahren immer problematischer geworden“, weiß Agnes B. aus vielen Gesprächen.

Urteil wird für Mitte Dezember erwartet

Dafür ließ sich die Beschuldigte ihr eigenes Leben offenbar bezuschussen: neues Bad und Riesen-TV für ihre Wohnung an der Bergedorfer Straße – dort wurde B. am 20. April festgenommen – dazu das Bezahlen der Flüge, wenn ihre Mutter nach Hamburg kam. Wenig verwunderlich, dass Adolf P. ständig Geldprobleme hatte, Agnes B. Rechnungen für ihn bezahlen musste. Doch dann zog der Senior einen Schlussstrich: „Ich habe Schluss gemacht, habe mein Konto sperren lassen. Das hat sie leer geräumt und mir nur 20 Euro dagelassen“, soll er Agnes B. am 2. April berichtet haben. Er habe zudem davon gesprochen, sein Testament ändern und seine Wohnungsschlüssel zurückhaben zu wollen. Dazu kam es nicht mehr, zwei Tage später lag Adolf P. tot in seiner Wohnung. Das Urteil wird für Mitte Dezember erwartet.