Warnstreiks

Nach und nach fahren Busse und U-Bahnen wieder

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Florian Büh
Nicht alle Pendler hatten am Dienstagmorgen mitbekommen, dass aufgrund von Warnstreiks so gut wie keine Busse fahren.

Nicht alle Pendler hatten am Dienstagmorgen mitbekommen, dass aufgrund von Warnstreiks so gut wie keine Busse fahren.

Foto: Florian Büh

Warnstreik bei der Hochbahn und der VHH ist beendet. Regelbetrieb wird auf allen Linien wieder aufgenommen. Die Situation in Bergedorf.

Bergedorf.  Der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr ist offiziell beendet. Die Hochbahn und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) nehmen jetzt wieder ihren Regelbetrieb auf allen Linien wieder auf. Es wird allerdings noch dauern, bis der Verkehr wieder planmäßig läuft. Seitens der VHH-Pressestelle heißt es aber, dass spätestens gegen 15 Uhr alle Busse wieder pünklich fahren sollen. Auch alle U-Bahn-Linien sollen ab 12 Uhr wieder nutzbar sein, das teilte die Hamburger Hochbahn mit. Pendler konnten die Linie U3 (Innenstadt) bereits seit 9 Uhr mehr oder weniger im 10-Minuten-Takt nutzen.

Am frühen Morgen hatte die Hochbahn darauf hingewiesen, dass Fahrgäste am heutigen Dienstagmorgen möglichst versuchen sollten, ihr Ziel mit anderen Verkehrsmitteln zu erreichen oder ganz auf Fahrten zu verzichten. Immerhin: S-Bahnen und Regionalbahnen waren nicht vom Streik betroffen, sie fuhren wie gewohnt. Wer also von Bergedorf aus in die Hamburger Innenstadt fahren möchte, sollte am besten die S-Bahn oder die Regionalbahnen nutzen.

Aufgrund der Warnstreiks warten Fahrgäste in Bergedorf vergebens

Die Situation am ZOB in Bergedorf: Dort, wo sonst im Minutentakt Busse an und abfahren, warteten die allermeisten Fahrgäste am Dienstagmorgen vergeblich auf ihren Linienbetrieb. Der ZOB des Bahnhofs Bergedorf war zwar von Menschen gut besucht – viele warteten darauf, ihre Reise beginnen zu können oder fortzuführen – doch Busse waren so gut wie nie zu sehen. Mit der S-Bahn oder zu Fuß erreichten viele zwar den Busbahnhof. Doch dann die Ernüchterung: Ab hier ging für die Fahrgäste der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) gar nichts mehr! Der Grund findet sich am Busbetriebshof Curslacker Neuer Deich: „Nur einige wenige Schulfahrten für Grundschulkinder wurden heute durchgeführt“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Thomas Scheel. Er wohnt in Bergedorf-West. „Wegen der geteilten Schichten, sind viele Kollegen wie ich andauernd in der ‚Rushhour‘ unterwegs zum Dienst. Ich bin gerne hier. Aber wir benötigen dringend Zulagen als Ersatz für diese Ausgaben“, erklärt der 59-jährige morgens am Betriebshof am Curslacker Neuer Deich.

Nur wenige seiner Kollegen waren an diesem Tage in ihren Bussen regulär unterwegs. Die allermeisten gingen in den Streik, zu dem die Gewerkschaft ver.di ab Betriebsbeginn um 3 Uhr aufgerufen hatte. Ver.di geht es auch um mehr Freizeit. Einer der Gründe für Heidi Klempp (42) auch in den Streik zu treten. „Natürlich ist das Gehalt am wichtigsten. Mir geht es vor allem um unsere Fahrer. Wir haben einfach zu wenig Urlaub, fordern 30 Tage pro Jahr.“„Vielleicht wurde geglaubt, wir bekommen diesen Warnstreik nicht hin, es war auch ein großer Aufwand“, erklärt Thomas Scheel, „aber die VKA wollte ja keine Verhandlungen mehr. Nun haben wir gezeigt, was wir alles schaffen.“ Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) repräsentiert die kommunalen Arbeitgeberverbände in Deutschland, vertritt mehr als 10.000 kommunale Arbeitgeber. Mehr als 2,3 Millionen Menschen sind laut VKA in diesen Betrieben beschäftigt.

Wegen Corona kein großes Treffen der Mitarbeiter organisiert

Allein 2.100 VHH-Mitarbeiter traten am Morgen in den Streik, der bis 12 Uhr andauern soll. Dabei war hier natürlich auch die Corona-Pandemie ein Thema: „Anders als sonst, haben wir keine großen Treffen organisiert. Die Kollegen haben sich in die Streiklisten eingetragen. Dafür gab es eine lange Schlange“, erklärt Thomas Scheel. Allein 95 Kollegen am Betriebshof Bergedorf. Weitere Streikbüros waren unteranderem an den VHH-Standorten in Geesthacht, Lauenburg, Glinde und Billbrook eröffnet worden. „Danach sind viele nach Hause gegangen, weil wir uns nicht versammeln dürfen.“ Verwaltung, Fahrschule, Werkstatt – alles steht bis zum Mittag still.

( isa/Büh )

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