Politik

Ties Rabe legt Bergedorfer SPD-Vorsitz nieder

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe war 19 Jahre lang Kreisvorsitzender der SPD in Bergedorf

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe war 19 Jahre lang Kreisvorsitzender der SPD in Bergedorf

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Schulsenator will Verantwortung in jüngere Hände legen. Nachfolge ist geklärt. Auch Grüne stellen sich neu auf.

Bergedorf. Es sei für einige der gut 600 Genossen wohl überraschend, aber er habe monatelang darüber nachgedacht: Wenn am Sonnabend die Kreisdelegiertenversammlung der SPD Bergedorfer tagt, legt ihr langjähriger Vorsitzender Ties Rabe sein Amt nieder: „Ich gehe auf die 60 zu, da wird es Zeit, tüchtigen und jüngeren Leuten eine Chance zu geben, die in den Jusos groß geworden sind“, wird Ties Rabe den 55 Delegierten sagen.

Immerhin sei er mit Abstand der dienstälteste SPD-Kreisvorsitzende in Hamburg: „Zu meinen Anfängen vor 19 Jahren war noch Eugen Wagner Kreisvorsitzender in Hamburg-Mitte“, erinnert sich Rabe. Den Bergedorfer Posten hatte er seinerzeit von Dr. Christoph Krupp übernommen, dessen Vorgänger wiederum der damalige Bundestagsabgeordnete Dr. Rolf Niese war: „Der war dann noch als Beisitzer dabei, gab gute Ratschläge. So werde ich jetzt als Elder Statesman auch weiterhin zu den Sitzungen gehen.“

Fraktionschef Paul Kleszcz soll Nachfolger werden

Ein Nachfolger als Chef aller sechs Distrikte ist längst ausgeguckt und derzeit einziger Kandidat bei der Wahl auf dem „kleinen Bergedorfer Parteitag“: Paul Kleszcz will „die gute Arbeit kontinuierlich fortsetzen, die inhaltlichen Positionen beibehalten, aber neue Akzente setzen“, so der 35-jährige Fraktionsvorsitzende, der seit zwölf Jahren in der Bezirksversammlung sitzt. Er will seinen aktuellen Posten wiederum (bei der nächsten Wahl) im Oktober an seine jetzige Stellvertreterin Katja Kramer abgeben. Die Beteiligten kennen sich lang: Kleszcz war mal Mitarbeiter in Rabes Büro, Kramer wiederum eine seiner Schülerinnen, als der Senator noch am Luisen-Gymnasium lehrte.

Dr. Christel Oldenburg, ebenfalls stellvertretende Kreisvorsitzende wie Kleszcz, will ihren Posten auch abgeben: „Nach knapp 20 Jahren konzentriere ich mich jetzt mit vollem Elan auf die Bürgerschaft.“

Vorstand wird sich deutlich verjüngen

Der neue Vorstand der Bergedorfer Sozialdemokraten wird sich also stark verjüngen: Paul Kleszcz soll als seine beiden Stellvertreter Simone Gündüz (42, aus Lohbrügge) und Nils Springborn (31, aus Neuallermöhe) zur Seite bekommen, dazu Kassiererin Lisa Rabe (30, aus Bergedorf). „Es wird einen geordneten und klugen Übergang geben“, verspricht Vater Ties Rabe.

Neben dem Generationswechsel nennt er einen weiteren Grund für seinen Verzicht: „Ich bin ja vor vier Jahren Koordinator für die SPD-Bundesbildungspolitik geworden, und auf dieser Ebene gibt es gerade viel zu tun.“ Erst Anfang der Woche habe er im Kanzleramt mit Angela Merkel über Millionen Euro für die Digitalpakte verhandelt: „Der Bund hilft den Ländern auch beim Ausbau von Ganztagsschulen, dafür wird demnächst auch Geld nach Hamburg fließen.“ Bergedorfs SPD sieht der Senator für die Zukunft gut aufgestellt. „Ich bin froh, dass es keine Spaltereien gibt.“

Auch die Grünen starten Personalkarussel

Auch Bergedorfs Grüne starten das Personal-Karussell. Jennifer Jasberg, seit Juni Vorsitzende der Bürgerschaftsfraktion, gibt ihren Parteivorsitz in Bergedorf ab. Wenn sich am 21. Oktober der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen zur Mitgliederversammlung trifft, wird nahezu der gesamte Vorstand neu gewählt. Allein Jan Vlamynck (48), derzeit gemeinsam mit Jennifer Jasberg (37) Kreisvorsitzender, bleibt im Amt. Kollegin Jasberg, Kassenwart Patrick Kühl sowie die Beisitzerinnen Britta Pavlovic und Anke Bendt-Soetedjo kandidieren nicht wieder.

„Als neue Fraktionsvorsitzende von Hamburgs Grünen-Bürgerschaftsfraktion habe ich einen politisch neuen Fokus“, erklärt Jasberg. „Es ist gute Tradition bei uns Grünen, dass es eine Trennung von Amt und Mandat gibt, damit die Partei sich programmatisch und unabhängig vom politischen Alltagsgeschäft weiterentwickeln kann.“ Die Zahl der Mitglieder im Kreisverband habe sich in den vergangenen vier Jahren auf etwa 130 verdoppelt, bei den Wahlen zur Bezirksversammlung 2019 steigerte sich das Wahlergebnis von 12,3 auf 21,9 Prozent.

Schatzmeister Patrick Kühl verzichtet ebenfalls

Schatzmeister Patrick Kühl, Sprecher der Stadtteilgruppe Neuallermöhe, begründet seinen Verzicht mit einem möglichen Einzug in die Bezirksversammlung: „Wenn von den zehn grünen Bezirksabgeordneten eine Person ausscheidet, bin ich der nächste auf der Liste, der nachrückt. Dann müsste ich ohnehin mein Amt aufgeben, um es vom Mandat zu trennen.“ Zudem sei es nach seinen Worten besser, wenn die Finanzen des Kreisverbands in wechselnden Händen liegen. Drittens sei er als Steuerberater gegenwärtig beruflich sehr eingespannt, weil die geänderte Mehrwertsteuer sehr viel Arbeit mache.

Als Nachfolgerin für den Kreisvorsitz kandidiert Doris Wolf (56), neuer Kassenwart will Kai Zimmermann (56) werden. Chemie-Diplomingenieurin Wolf stammt aus Dithmarschen, lebt seit 15 Jahren in Bergedorf. Sie ist seit Anfang 2019 Mitglied der Grünen und aktiv in der Bezirkspolitik als zugewähltes Mitglied im Umweltausschuss, als Stellvertreterin im Ausschuss für Verkehr und Inneres und als Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Klima. Die Enkelin eines Marschbauern ist außerdem Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt der Grünen in Hamburg.

Kreisvorsitzender rechnet mit unspektakulären Wahlen

Kai Zimmermann stammt aus Hameln, kam 1992 nach Hamburg. Er arbeitet als Architekt bei der Saga und lebt seit 1998 in Neuallermöhe. Er ist zugewählter Bürger im Bauausschuss, arbeitet in Bergedorf in der Klima-AG mit, bei den Hamburger Grünen in der Landesarbeitsgemeinschaft Bauen. Als inhaltliche Schwerpunkte in der Politik nennt er sozialen Wohnungsbau, ökologische Stadtentwicklung und Mobilitätswende.

Der Kreisvorsitzende Jan Vlamynck rechnet mit unspektakulären Wahlen: „Bisher gibt es für keines der Ämter einen Gegenkandidaten, es dürfte also alles glatt verlaufen.“ Viel spannender sei die Frage, ob die Wahlversammlung überhaupt über die Bühne gehen kann.

Das Treffen ist für Mittwoch, 21. Oktober, in der Hasse-Aula an der Hassestraße angesetzt. 60 Teilnehmer passen nach den Corona-Regeln dort hinein. Sollte die Mehrheit der 130 Bergedorfer Bündnisgrünen kommen, wäre der Saal zu klein. „Letztes Mal kamen aber nur 30“, hofft Vlamynck. Und: „Eine Online-Wahl wäre keine Alternative. Sobald nur ein Mitglied geheime Abstimmung fordert, ist es aus.“