Filmbranche

Bergedorfer Kinobetreiber hoffen auf einen starken Herbst

„Das ist der erste große Film seit dem Lockdown“, freuen sich John C. Barsoe und Vivien Wittgrefe auf die Premiere von „Jim Knopf und die wilde 13“ am 27. September in ihren Hansa Filmstudios an der Lohbrüger Fußgängerzone. Der deutsche Kinderfilm könnte einen starken Kinoherbst einläuten. Doch Planungssicherheit bei den Filmstarts gibt es nicht.

„Das ist der erste große Film seit dem Lockdown“, freuen sich John C. Barsoe und Vivien Wittgrefe auf die Premiere von „Jim Knopf und die wilde 13“ am 27. September in ihren Hansa Filmstudios an der Lohbrüger Fußgängerzone. Der deutsche Kinderfilm könnte einen starken Kinoherbst einläuten. Doch Planungssicherheit bei den Filmstarts gibt es nicht.

Foto: Jan Schubert

Kinobetreiber John C. Barsoe wünscht sich Blockbuster und mehr Corona-Lockerungen. Die Branche kommt nur langsam wieder in Schwung.

Lohbrügge. Am meisten freut sich Vivien Wittgrefe auf das neueste Abenteuer des berühmtesten Geheimagenten der Filmgeschichte: Am 12. November startet die 25. Episode von James Bond unter dem Titel „Keine Zeit zu sterben“ in den deutschen Kinos. „Mein Sohn Jim und ich haben zuletzt zusammen die Bond-Klassiker alle gesehen“, sagt die Multimedia-Fee des Bergedorfer Kinos, der Hansa Filmstudios an der Alten Holstenstraße. Wittgrefe ist nicht die Einzige, die total heiß auf große Emotionen und tolle Geschichten im Kinosaal ist.

Denn John C. Barsoe, Geschäftsführer der Hansa Filmstudios, hat registriert, dass sich seine Gäste einerseits sehr diszipliniert verhalten, aber eben auch Lust auf großes Kino haben. „Wir werden ständig gefragt, wann der und der Film startet“, sagt er, „gerade Bond wird am häufigsten nachgefragt.“ Für den tatsächlichen Start des letzten Abenteuers von 007-Darsteller Daniel Craig spreche, dass es mittlerweile schon die Trailer gebe.

Ausverkauftes Kino in Lohbrügge bei Thriller „Tenet“

Zudem war die Rückkehr der Blockbuster mit dem Thriller „Tenet“ und mit der Teenie-Romanze „After Truth“ für Kinofans sehr erfolgreich. „Am ersten Wochenende, als beide Filme liefen, waren wir ausverkauft und mussten Leute wieder nach Hause schicken“, berichtet Barsoe, der daraus schlussfolgert: „Das Kino lebt!“ Seit der „Tenet“-Premiere am 26. August kamen trotz beschränkter Sitzplatzkontingente 2200 Besucher.

Damit es in diese Richtung weiter geht, müssen allerdings vor Beginn der umsatzstärksten Monate Oktober bis Dezember noch zwei wesentliche Faktoren für alle Hamburger Kinos geregelt werden: mehr Verbindlichkeit bei den Filmstarts und weitere Corona-Lockerungen. Für die Bond-Premiere sind Wittgrefe und Barsoe zuversichtlich, doch hinter anderen Publikumsmagneten wie der Comic-Adaption „Black Widow“ (29. Oktober), dem Animationswerk „Soul“ (26. November) und weiteren Titeln stehen noch Fragezeichen. „Wir können nicht vernünftig planen“, kritisiert Barsoe. Verbindlich und unumstößlich anlaufen wird hingegen am Sonntag, 27. September, der Kinder-Hit „Jim Knopf und die wilde 13“ (15 Uhr). „Das ist der erste große Film seit dem Lockdown und der perfekte Film für die Schulferien“, meint John Barsoe.

Kinomarkt USA kommt langsam wieder in Gang

Zudem ärgert die Kinomacher die Unberechenbarkeit mancher Verleiher. Zuletzt erfuhren sie erst aus den Medien, dass Blockbuster wie „Wonder Woman 1984“ zum zweiten Mal in diesem Jahr nach hinten verschoben werden, jetzt sogar auf dem Ersten Weihnachtstag. Auch die Geschäftspraxis des Filmriesen Disney, vielversprechende Titel wie „Mulan“ plötzlich nicht mehr im Kino, sondern nur noch im eigenen Streaming-Angebot Disney+ anzubieten, vergrätzt die Kinobranche. „Plötzlich sagt Disney, dass sie Geld brauchen“, zeigt Barsoe hörbares Unverständnis.

Nicht zu vergessen: Auch der wichtigste Kinomarkt USA kommt erst langsam wieder in Gang. Bis auf Weiteres gar nicht geöffnet werden aufgrund zu hoher Infektionszahlen die Filmtheater in Kalifornien, New York oder Florida, die besucherstärksten in den Staaten.

Wunsch nach Regelungen wie in Nordrhein-Westfalen

John Barsoe und seine Kollegen blicken zudem gespannt auf die nächsten Tage, wenn der Hamburger Senat nächste Lockerungen bekannt geben könnte. Weiterhin besteht der Wunsch nach Regelungen wie in Nordrhein-Westfalen. In dortigen Kinos gilt nur ein Meter Abstand zwischen den Sitzgruppen. Damit könnte Barsoe in seinem Haus statt bisher maximal 145 Besuchern, verteilt auf drei Säle, etwa 220 Tickets verkaufen.

Lesen Sie auch:

Kinomacher warten sehnlichst auf Knaller-Filme

Die Zahlen aus dem Vorjahr für das letzte Quartal werden trotzdem nicht mehr erreicht. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2019 kamen 33.468 Menschen ins Bergedorfer Kino. „In diesen Monaten machen wir normalerweise 40 Prozent unseres Jahresumsatzes“, sagt Barsoe.