Jubiläum

Bergedorf: Druckerei Berg hat eine bewegte Geschichte

Joachim Berg (58) in seiner Druckerei: Aus dem Zeitungsbetrieb ist ein Werbemittelgestalter geworden.

Joachim Berg (58) in seiner Druckerei: Aus dem Zeitungsbetrieb ist ein Werbemittelgestalter geworden.

Foto: Thomas Voigt

Druckerei Berg feiert 100. Geburtstag an der Gerhard-Falk-Straße in Bergedorf. Die einstige Buchdruckerei hat sich komplett gewandelt.

Bergedorf. Ein Bergedorfer Traditionsbetrieb feiert 100. Geburtstag. Die Druckerei Berg wurde am 1. Oktober 1920 in der Hamburger Altstadt von Franz Berg und seinem Geschäftspartner Hugo Otto gegründet. Seit 1992 hat das Unternehmen seinen Sitz in Bergedorf an der Gerhard-Falk-Straße und wird in dritter Generation von Joachim Berg (58) geführt. Die einstige Buchdruckerei hat sich komplett zum Druckzentrum für Werbeartikel gewandelt.

Gestartet nicht lange nach dem Ersten Weltkrieg als klassische Papierdruckerei, gab die Firma in den ersten Jahren sogar eine eigene Zeitung heraus, den „Hammer Anzeiger“, und wuchs auf 50 Mitarbeiter. Mitte der 1930er-Jahre gab es in der Unternehmensführung die ersten Probleme: Franz Berg war gegen Aufträge der NSDAP, die Hugo Otto als Parteimitglied an Land zog. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Firma im Bombenhagel zerstört, die Wege der beiden Gründer trennten sich endgültig. Franz Berg versuchte allein den Wiederaufbau. Sein Sohn Hugo Berg, arbeitsloser Flugzeugbauer, unterstützte ihn dabei. Nach dem Tod des Gründers 1951 erreichte das Wirtschaftswunder allmählich auch die Druckindustrie, und Hugo Bergs Druckerei fasste als Familienbetrieb mit fünf Mitarbeitern wieder Fuß.

1970er-Jare setzten sich Offset-Druck und Fotosatz durch

In den 1970er-Jahren setzten sich Offset-Druck und Fotosatz mehr und mehr durch. Daher ging der damalige Junior und heutige Chef Joachim Berg bei einer befreundeten Druckerei in die Lehre, um diese modernen Techniken zu beherrschen. 1981 übernahm er nach einem Schlaganfall des Vaters den Betrieb. Zu den größten Kunden gehörte damals die Cewe-Color-Gruppe. „Für die haben wir sämtliche Papiertaschen für Fotonegative, Abzüge und Diapositive bedruckt“, erinnert sich Joachim Berg. „Unsere Maschinen liefen Tag und Nacht.“

Durch Freunde und Kollegen begann eine Zusammenarbeit mit der Werbeartikel-Druckerei Webaprint, die Berg Anfang der 90er-Jahre mit seinem Familienbetrieb übernahm. Wieder war eine neue Technik eingeführt: der Tampon- und Siebdruck, bei dem mit Silikonkautschuk gearbeitet wird, der farbabweisend ist und somit die Farbübertragung ermöglicht. So können mit Siebdruckfarben Oberflächen bearbeitet werden, die wegen ihrer Form sonst nicht bedruckbar wären – wie Kugelschreiber oder Golfbälle.

Druckerei Berg wurde führenden Druckerei im Bereich Werbemittel

Die Druckerei Berg wurde eine der führenden Druckereien Deutschlands im Bereich Werbemittel mit rund 50 Mitarbeitern. Im Jahr 2001 bezog das Unternehmen an der Gerhard-Falk-Straße 4 seinen Neubau mit 1500 Quadratmetern Betriebsfläche, bald darauf begann mit dem Digitaldruck die nächste technische Revolution. „Seit wenigen Jahren ist unsere Druckvorstufe komplett digitalisiert, die Siebe werden direkt bebildert, unsere Filmchemie haben wir aus dem Haus verbannt“, sagt Joachim Berg.

T-Shirts, Einkaufstaschen, Sammlermünzen für Münzversender, Einwegspritzen oder Beatmungsgeräte für Dräger, Kunststoffteile für Audi oder VW – es gibt kaum etwas, das die Druckerei Berg nicht bedrucken kann. Renommierte Agenturen wie Jung von Matt oder Schneider Werbemittel haben dafür gesorgt, dass die Firma auf einen Kreis von 1000 Kunden blicken kann. Allerdings: „Der Werbemarkt ist durch Corona fast komplett eingebrochen, es gibt auch keine Messen mehr“, sorgt sich Berg. In dieser schwierigen Zeit hält er sich und seine rund 20 Mitarbeiter mit Druckaufträgen für Mundschutzmasken über Wasser. Gerade hat Gabelstapler-Multi Jungheinrich viele Tausend Stück geordert

Gefeiert wird mit der ganzen Belegschaft

Gefeiert wird das 100-jährige Bestehen mit der ganzen Belegschaft am Freitag im Restaurant Treibhaus am Reinbeker Redder. Und ginge es allein nach Joachim Berg, dann wäre auch schon ein neuer Azubi dabei: „Wir haben immer ausgebildet, suchen jetzt dringend einen Lehrling für den Beruf Mediengestalter Siebdruck. Die Agentur für Arbeit weiß schon lange Bescheid.“