Nahverkehr

Trotz Corona dicht gedrängt im Bus zur Schule

Schüler stehen dicht gedrängt in einem Schulbus (Symbolbild)    

Schüler stehen dicht gedrängt in einem Schulbus (Symbolbild)    

Foto: bz

Eltern sind besorgt über die Zustände. Gemeinden lehnen Angebot von Reisebusunternehmen ab.

Bergedorf. Die Zustände in den Schulbussen schockieren seit dem Ende der Sommerferien viele Eltern: Dicht gedrängt stehen die Kinder und Jugendlichen vor allem morgens in den Wagen. Abstand halten unmöglich. „Der Schulbus fährt nun mal nicht jahrgangsweise. Da kommen 500 Leute vor der Schule an und dann werden sie erst in den Klassen sortiert“, sagt Sven Kuvecke, Vorsitzender des Bergedorfer Kreiselternrats: Luisenschule und Hansa-Gymnasium hätten zwar immerhin ihre eigenen Schulbusse, „aber bei den anderen Schulen gibt es gar keine Trennung. Dort nutzen die Schüler die normalen Linienbusse.“

Die Gefahr einer Infektion ist dabei nicht nur theoretisch: Aktuell sind der Hamburger Schulbehörde 25 Corona-Infektionen an 18 Schulen gemeldet, davon 23 Schüler und zwei Schulbeschäftigte, so Sprecher Peter Albrecht: „Neu hinzugekommen sind jetzt drei infizierte Schülerinnen und Schüler an drei Schulen, darunter die Berufsschule BS 15 in Wilhelmsburg sowie die Stadt­teilschulen Wilhelmsburg und Mümmelmannsberg. Aktuell haben die zuständigen Gesundheitsämter 15 Schulklassen in Hamburg präventiv in Quarantäne geschickt.“

Hamburger Schulbehörde verweist auf den HVV

Die Organisation der Schulbusse und die Planung bei Überfüllung fällt laut Albrecht allerdings gar nicht in die Zuständigkeit der Schulbehörde: „Das ist Sache des Hamburger Verkehrsverbundes. Wenn wir Hinweise zu Kapazitätsengpässen bekommen, nehmen wir aber gern Kontakt zum HVV auf.“

Für Bergedorf landen solche Hinweise dann bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH). „Schulbusse sind in Hamburg die Ausnahme“, sagt Sprecherin Christina Sluga. „Um der hohen Nachfrage auf den normalen Linien zu Schulzeiten zu begegnen, gibt es dort zu diesen Zeiten dichtere Takte und Verstärkerfahrten.“ Bei sehr hohen Fahrgastzahlen werde zusammen mit dem HVV und der Verkehrsbehörde reagiert. „Da sich in Spitzenzeiten aber alle Fahrzeuge im Einsatz befinden und für mehr Fahrten auch zusätzliches Personal erforderlich ist, kann es bis zu einer Umsetzung etwas dauern“, so Sluga.

Busunternehmen will helfen, Kreise winken ab

Besonders dramatisch ist die Situation im Hamburger Umland, wo Schüler aus den Dörfern auf ihren Schulbus angewiesen sind und gewöhnlich länger als eine halbe Stunde dicht gedrängt und mit Maske unterwegs sind. Dort haben bereits Reisebusunternehmen angeboten, ihre wegen ausfallender Touren ohnehin auf dem Hof stehenden Wagen in den Linienbetrieb zu geben. Gut 100 Busse könnten so kurzfristig als Schulbusse zum Einsatz kommen. Doch die Kreise und Gemeinden winkten ab: zu teuer.

„Eine so auf Kante genähte Finanzierung kann sich in Corona-Zeiten rächen“, ärgert sich Joachim Schack, Chef des Omnibus Verbands Nord in Schleswig-Holstein. „Die aktuelle Situation ist wirklich absurd. Während die Schüler in den Schulen jetzt penibel nach Jahrgangs- oder Klassenstufen getrennt werden, fahren sie vorher und hinterher vollkommen durchmischt und dicht gedrängt im Schulbus.“