Der Laden brummt, der Wespe schmeckt’s

Ob sie nun auf süßen Kuchen oder leckeres Grillfleisch stehen – Wespen sind in der Nähe von Menschen selten willkommen.  Dabei stechen sie in der Regel bloß, wenn sie sich bedroht fühlen.

Ob sie nun auf süßen Kuchen oder leckeres Grillfleisch stehen – Wespen sind in der Nähe von Menschen selten willkommen. Dabei stechen sie in der Regel bloß, wenn sie sich bedroht fühlen.

Foto: Carsten Pusch / HA

Auf Zuckersuche kommen die Insekten im Spätsommer den Menschen besonders häufig zu nah.

Bergedorf.  Eigentlich wollte Christiane Marquard nur schnell den Apfelkuchen für den wartenden Kunden einpacken. Ein unachtsamer Griff zur Kuchenzange und plötzlich schießt ein stechender Schmerz durch den Ringfinger der 37-Jährigen. Eine Wespe hat zugestochen. Im August gibt es in den Bäckereien besonders viele von den gestreiften Insekten – wer wüsste das besser als die Tochter von Bäckermeister Heinz Hintelmann.

Erstmal Mücken und Läuse füttern

Schon seit April sind die Insekten fleißig. „In dieser Zeit merken wir aber noch nicht besonders viel von ihnen. Sie sammeln dann erstmal Mücken, Blattläuse oder Fruchtfliegen, um ihre Larven zu füttern“, erklärt Dr. Stefanie Zimmer. Die Biologin und Umweltpädagogin beim Naturschutzbund (Nabu) verweist somit auf den Nutzen der Tiere: „Sie wirken wie kleine Schädlingsbekämpfer.“ Immerhin: An einem Tag kann ein Wespenstaat bis zu zwei Kilogramm Schädlinge vernichten.

Dann Kuchen und Marmelade

Trotzdem füttern Wespen ihre Brut nicht nur mit kleineren Insekten, sondern auch mit Aas oder Grillfleisch. Erwachsene Arbeiterinnen hingegen haben lieber Süßes und Blütennektar auf ihrem Speisenplan. Besonders jetzt im August, wenn die Königinnen keine Eier mehr legen, haben die Arbeiterinnen Zeit zum Naschen – und fliegen auf Kuchen, Eis und Marmelade.

Dennoch kommen die meisten Wespen gar nicht zu uns an den Tisch: „Von den zehn Wespenarten, die es in Norddeutschland gibt, sind es nur zwei Arten, die sich überhaupt an unserem Essen bedienen“, weiß Dr. Zimmer. Die anderen Arten beschränkten sich auf Blütennektar und Pflanzensäfte.

Nur bedrohte Wespen stechen

Selbst wenn plötzlich ganz viele „zu Gast“ am gedeckten Tisch sind, weil etwa ein Wespennest in der Nähe ist, müsse niemand in Panik verfallen: „Wespen sind eigentlich gar nicht bösartig, sie stechen nur wenn sie sich bedroht fühlen“, sagt Biologin Zimmer.

Unter Naturschutz

Die meisten Wespenarten stehen unter Naturschutz und dürfen nicht getötet, eigentlich nicht einmal gefangen werden. Laut Tierschutz-Bußgeldkatalog kann in Hamburg „das Fangen, Verletzen, Töten von Wespen sowie die Beschädigung oder Zerstörung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten ohne vernünftigen Grund“ mit bis zu 5.000 Euro bestraft werden. Bei besonders geschützten Arten können es bis zu 50.000 Euro werden.

„Nester stören selten wirklich“

Wenn ein Nest zu sehr stört, hilft ein Schädlingsbekämpfer, etwa Wolfgang Pätow aus Bergedorf. Der Geschäftsführer vom „WOP Gebäudeservice“ am Hackmackbogen erklärt: „Oft entferne ich die Nester aber gar nicht, sondern frage die Kunden, ob es tatsächlich stört.“ Denn gerade im August, wenn die Wespen am lästigsten werden, bahne sich auch schon wieder das Ende der Plage-Zeit an. Dann aber gibt es kaum noch Nachwuchs, die Arbeiterinnen sterben bald, und die Jungköniginnen suchen sich einen sicheren Ort zum Überwintern.

Schädlingsbekämpfer setzt sie im Wald aus

Wenn ein Nest wirklich nicht bleiben kann, weil etwa jemand hochallergisch ist, siedelt Wolfgang Pätow sie um. Dazu saugt er die Insekten mit einem speziellen Wespen-Sauger aus ihrem Nest, ähnlich wie mit einem Staubsauger. Die Saugkraft ist natürlich geringer, damit sich die kleinen Tiere nicht verletzen. Wenn alle in einer kleinen Kiste am Ende des Saugers gelandet sind, kann das Nest abgenommen werden. Die Tiere und ihre Behausung bringt der Schädlingsbekämpfer dann in den Wald und setzt sie wieder aus: „Bei der Umsiedlung geht oft die papierartige Hülle vom Nest kaputt, die bauen sich die Wespen später aber einfach wieder neu“, erklärt Pätow, der mit dem „Wespennotdienst“ wirbt.

Finger mit Ehering angeschwollen

Trotz aller Vorsicht kann es doch zu einem Wespen-Stich kommen, wie bei Bäckerstochter Christiane Marquard. Oft hilft es, den Stachel zu entfernen und eine aufgeschnittene Zwiebel auf den Stich zu legen. Dann sollten Schwellung und Schmerz bald abklingen. Bei Christiane Marquard hat das aber nicht geholfen. Ihr Finger schwoll am Sonntag immer weiter an, bis Heinz Hintelmann einen Krankenwagen rief. „Am Ende des Abends musste sogar der Ehering vom Finger geknipst werden“, so der besorgte Papa. Ernsthafte Angst vor den Wespen habe bei Bäcker Heinz aber trotzdem niemand: „Dann hätten wir alle den falschen Beruf“, erzählt Heinz Hintelmann lachend.

7 Tipps & Tricks, um Wespen aus dem Weg zu gehen:

1. Ruhe bewahren, hektische Bewegungen vermeiden - sonst fühlen sich die Wespen bedroht.

2. Wespen nicht an- oder wegpusten, das Kohlendioxid in unserer Atemluft macht die Tiere aggressiv.

3. „Ablenkfutter“ wie zum Beispiel Obst einige Meter vom eigenen Tisch entfernt bereitstellen, damit die Tiere dort bleiben und beschäftig sind.

4. Zitronengeruch schreckt die Wespen ab. Heinz Hintelmann macht sich diesen Trick zunutze und putzt mit Zitronenreiniger.

5. Essen nicht lang draußen stehen lassen, Mülleimer und Essensreste abdecken.

6. Mit einem mit Wasser gefüllten Zerstäuber kann man Wespen kurzzeitig Regen vortäuschen. Sie mögen es trocken, verschwinden dann, um ihre empfindlichen Flügel zu trocknen.

7. Parfüm, parfümierte Cremes und bunte Kleidung vermeiden, das lockt die Insekten an.