Neun Kilometer weit

Jetzt werden Bergedorfs Waldwege saniert

Förster Tim Laumanns vor dem Berg Glensanda, der noch neben dem Luisen-Gymnasium am Bergedorfer Gehölz lagert.

Förster Tim Laumanns vor dem Berg Glensanda, der noch neben dem Luisen-Gymnasium am Bergedorfer Gehölz lagert.

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

Revierförster Tim Laumanns hat für die Grundsanierung 450.000 Euro eingeworben.

Bergedorf.  Zwei Traktoren mit angehängten Mulden stehen vor dem Luisen-Gymnasium, dazu Radlader, Walze und ein Grader, der unter Fachleuten auch „Straßenhobel“ genannt wird. Nachdem bereits 2019 drei Kilometer Waldweg erneuert wurden, hat sich Revierförster Tim Laumanns jetzt neun Kilometer vorgenommen: „Das betrifft das Bergedorfer Gehölz, einen Teil in Großensee und den Bergedorfer Gojenberg, also den Wald zur B 5. Zudem machen wir die Wege zur Hundewiese hinter der Bethesda-Klinik neu.“

Feingekörnter Natursteinschotter

Der aus Kükels stammenden Landschaftsgärtner Karsten Draeger hat den Auftrag erhalten, 6500 Tonnen Glensanda auszubringen, einen feingekörnten Natursteinschotter aus dem gleichnamigen Steinbruch in Schottland. „Der schafft eine bestmögliche Verdichtung und eine schöne Oberfläche“, schwärmt der Förster. Er hat für die Maßnahme 450.000 Euro aus dem Hamburger „Erhaltungsmanagement Wald“ eingeworben.

Wie im Niendorfer Gehege

Knapp drei Wochen wird die Firma brauchen, bis alle Wege fertig sind. „Wir schütten etwa zehn Zentimeter auf und machen ein schönes Rundprofil, damit das Wasser ablaufen kann“, sagt Karsten Draeger, der so zuletzt 16 Kilometer im Niendorfer Gehege gestaltet hat. Nach der Grundinstandsetzung werden auch im Bergedorfer Wald wieder Wasser-Ableitrinnen geschaffen.

„Endlich verschwinden die Schlaglöcher, müssen wir uns nicht mehr mit Flickwerk begnügen“, freut sich Förster Laumanns. Auf dessen Liste fehlen dann nur noch wenige Wege im Gehölz, in Geesthacht und an den Sander Tannnen.

Kritik: „Fast wie eine Autobahn“

Allerdings ist nicht jeder Bergedorfer erfreut über die aufwendige Erneuerung. Rita Reiser etwa, die seit gut 40 Jahren in Waldnähe wohnt, ist überrascht über den Ausbau der Verbindung vom Künstlerhaus bis zum Vereinshaus der Bergedorfer Schützen: „Das war früher nur ein kleiner Fußweg. Jetzt ist der plötzlich 2,50 Meter breit und sieht fast aus wie eine Autobahn. Das ist mir viel zu massiv und breit“, kritisiert sie.

Zu viel Gartenschnitt

Angesichts zunehmend starker Niederschläge müssten die Wege stärker befestigt werden, erklärt Förster Tim Laumanns. Er kenne zwar nicht jeden einzelnen Baum, aber zumindest doch die 71 Kilometer lange Außengrenze seines Reviers. „Die laufe ich in jedem Frühjahr ab und prüfe die Verkehrssicherheit.“ Bei der Gelegenheit war ihm auch der viele Gartenschnitt aufgefallen, den offenbar Anwohner in den Wald geworfen hatten. Doch auf einen unfreundlichen Behördenbrief verzichtete er.

Anwohner zeigen Einsicht

„Das ist nicht gut, unter Rasenschnitt können die Baumwurzeln nicht mehr atmen“, klärte er auf und verschickte 50 Briefe mit der Bitte aufzuräumen. „Das Schöne ist, dass tatsächlich 90 Prozent der Flächen geräumt wurden. Ich erhielt Anrufe, Mails und sogar Fotos von der Entsorgung“, freut sich Laumanns über die Einsicht: „Manche dachten zuvor, die Biomasse würde zu Humus und tue dem Waldboden gut. Jetzt bedankten sie sich sogar für die Aufklärung.“