Bergedorf

Dem Besucherzentrum der Sternwarte droht das Aus

Andrea (l.) und Claudia Klerman betreiben seit mehr als zehn Jahren das Café Raum & Zeit im Besucherzentrum der Sternwarte.

Andrea (l.) und Claudia Klerman betreiben seit mehr als zehn Jahren das Café Raum & Zeit im Besucherzentrum der Sternwarte.

Foto: Thomas Voigt

Sternwarten-Café-Betreiberin Andrea Klerman hat bisher das Besucherzentrum mit organisiert. Wenn sie schließt, ist dort alles vorbei.

Bergedorf. Die Corona-Beschränkungen könnten ein prominentes Opfer fordern: Dem Besucherzentrum der Sternwarte, das in Kombination mit dem Café Raum & Zeit 40.000 Besucher pro Jahr in das Observatorium auf dem Gojenberg lockt, droht das Aus. Seit Mitte März gibt es keine Führungen und Vorträge – und das wird bis zum April 2021 so bleiben. Mindestens.

Dauer-Provisorium beim Management

Hintergrund ist ein organisatorisches Provisorium, das seit Einweihung des Besucherzentrums 2011 besteht. Trotz des rasanten Anstiegs der Besucherzahlen muss Café-Inhaberin Andrea Klerman nämlich den gesamten Betrieb mit Werbung, Organisation und Finanzierung nebenbei mit erledigen.

„Das kostet mich bis zu 150.000 Euro im Jahr, von denen kaum mehr als 25.000 Euro über die Teilnehmergebühren wieder reinkommen“, sagt die 52-Jährige, die im Gegenzug keine Miete für die Räume des Cafés bezahlen muss. „Diese Konstruktion sollte schon seit Jahren ein Ende haben. Aber keine der beteiligen Behörden vom Bezirksamt über die Universität bis zur Wissenschafts- und Kulturbehörde fühlte sich je zuständig, das zu ändern. Außer regelmäßig großem Lob für unsere Erfolge ist nichts passiert. Niemand hat je gefragt, wie es dem Besucherzentrum wirklich geht.“

Café muss schließen – und das Besucherzentrum?

Nun zeigen sich die Schattenseiten des Dauerprovisoriums: Klerman muss den Café-Betrieb bis zum Frühjahr ruhen lassen, weil die Corona-Vorschriften keine großen Weihnachts- und Familienfeiern zulassen. Das macht die Gastronomie auf dem abgelegenen Sternwarten-Gelände unwirtschaftlich – und bedeutet automatisch die Schließung des Besucherzentrums.

Brandbrief an das Rathaus

In einem Brandbrief an das Bezirksamt fordert Andrea Klerman jetzt, das halbe Jahr der Schließung zu nutzen, um „eine tragfähige, zukunftsorientierte Lösung“ zu entwickeln. „Es braucht Klarheit, ob das Besucherzentrum weiter existieren soll“, sagte sie unserer Zeitung. „Dafür müssen sich alle Beteiligten klar positionieren und eine Finanzierung organisieren.“ Anschließend könne überlegt werden, welche Rolle ihr Café dabei spiele.

Hamburg stellt sich taub

In dieser Mission ist das Bezirksamt schon seit zwei Jahren bei der Universität und der Wissenschaftsbehörde vorstellig, bestätigt Verwaltungsdezernent Ulf von Krenski. „Bisher haben wir dort aber noch keinerlei Bereitschaft erkannt, Verantwortung für das Besucherzentrum zu übernehmen.“

Wissenschaftsbehörde schiebt an die Uni weiter

So klingen auch die Antworten der Wissenschaftsbehörde auf unsere Anfrage von gestern: „Der Wunsch nach einer künftigen Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit ist nachvollziehbar. Allerdings liegt dieses Projekt, wie auch die Verantwortung für die Sternwarte insgesamt, allein bei der Universität“, schiebt Behördensprecher Jon Mendrala das Thema weiter.

„Rettung hat oberste Priorität“

Bergedorfs Politiker mögen sich mit dieser Haltung nicht zufrieden geben. Sowohl die SPD als auch die Grünen haben Kontakt zum Senat aufgenommen. „Die Rettung des Besucherzentrums muss an oberster Stelle stehen“, sagt Grünen-Fraktionschef Heribert Krönker.