Bergedorf

Die Hitzewelle im August und ihre Folgen

Wie lässt sich die Hitze am besten aushalten?

Wie lässt sich die Hitze am besten aushalten?

Foto: Getty Images/iStockphoto

Was macht die Hitze bloß mit uns? Wie lässt sich das am besten aushalten? Die Bergedorfer Zeitung hat sich einmal schlau gemacht.

Bergedorf. Das ist unglaublich – was macht diese Hitze bloß mit uns? Wie lässt sich das am besten aushalten? Wir haben uns mal schlau gemacht:

Der tägliche Wasserbedarf der Hamburger habe sich enorm erhöht, sagt Sabrina Schmalz von Hamburg Wasser und nennt Zahlen: „Statt 340.000 sind es jetzt mehr als 400.000 Kubikmeter Wasser pro Tag.“ Zum Glück seien die unterirdischen Trinkwasser-Behälter gut gefüllt, laufen alle 17 Wasserwerke im Verbund perfekt – und decken selbst die Spitzenzeiten gut ab: Morgens zwischen 6 und 8 Uhr wird geduscht, die Toilette gespült, der Kaffee gekocht. Nach Feierabend, 17 bis 19 Uhr, wird gekocht, werden die Blumen gewässert, der Rasen gesprengt. „Bloß zu Homeoffice-Zeiten hatte sich beides um eine Stunden nach hinten verschoben“, sagt Schmalz lachend.

„Den Fischen geht es noch recht gut, ich habe bloß mal einen toten Karpfen im Fleet gesehen“, sagt Werner Kleint vom Anglerverein Bergedorf-West.

Vergangenen Sonnabend rund 4000 Menschen am Allermöher See

Viel Eistee mögen die Senioren vom Behrmann-Stift, werden zudem mit kalter Melone, Quark und Eis

verwöhnt. „Wir haben reichlich Ventilatoren aufgestellt und bieten unseren Bewohnern kalte Fußbäder an“, sagt Einrichtungsleiterin Vera Lütke Wissing. Zudem: „Wir arbeiten alle einen Schritt langsamer.“

Vergangenen Sonnabend waren gut 4000 Menschen am Allermöher See: „Es gab 20 Wasserrettungen von erschöpften oder krampfenden Schwimmern“, sagt Helge von Appen, Vorsitzender des Vereins Sicheres Wasser, der mit acht freiwilligen Rettungsschwimmern vor Ort war. Die DLRG war mit zwölf statt üblicherweise vier bis fünf Rettern am Hohendeicher See: „Es gab eine Vermissten-Suche, und zwei Sechsjährige sind zu weit rausgeschwommen. Viel ist aber zum Glück nicht passiert“, meint Einsatzleiter Markus Klampe.

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Mehr Wasser im Getränke-Center gekauft

Verursacht die Hitze mehr Feuerwehr-Einsätze? „Normalerweise haben wir täglich bis zu 950 Einsätze, in den letzten Tagen waren es aber rund 200 mehr. Ob das mit den höheren Temperaturen zusammenhängt, kann ich nicht sagen, das Feuer brennt schließlich genau so heiß“, sagt Jan Ole Unger, stellvertretender Sprecher der Hamburger Feuerwehr.

Die hohen Temperaturen wirken sich auch auf die Einkäufe der Bergedorfer aus. Im Getränke-Center Wenske am Möllers Kamp wurde wesentlich mehr Wasser gekauft, besonders das Selters-Wasser. „Dazu kaufen die Kunden vermehrt alkoholfreie Getränke wie Limonaden. Das war zu erwarten, darauf sind wir gut vorbereitet“, sagt Barbara Wenske.

Bauern freuen sich über die Hitzewelle

An den heißen Tagen wurden ins Bethesda-Krankenhaus nur geringfügig mehr Patienten eingeliefert. In schweren Fällen habe der Wassermangel sogar zu Nierenschäden geführt, sagt Dr. Peter Baltes, Chefarzt der Notaufnahme: „Wir haben befürchtet, dass die Bergedorfer nicht genug trinken. Insgesamt können wir aber sagen, dass alle die Hitze sehr gut meistern.“

Manch einer ist richtig dankbar für das Wetter: „Für uns kommt die Hitze zur rechten Zeit“, freut sich Martin Lüdeke, der Präsident des Hamburger Bauernverbandes: „Bis Mitte nächster Woche sollten wir 95 Prozent des Getreides drin haben, 14 Tage vor der Zeit. Die Ähren trocknen schneller ab. Statt in drei Wellen können wir jetzt täglich ertragreich ernten.“ Wohl aber leiden die Wiesen, so Lüdeke: „Es wächst kein frisches Gras. Da könnte das Futter noch knapp werden.“ Immerhin stünden die Gräben voll Wasser: „Das ist gut für die Nutztiere, und auch die Störche finden noch genug Futter an den Gräben.“

Nicht so gut indes steht es bei der Hitze um die jüngeren Straßenbäume: Bergedorfs Bezirksamt bittet die Bürger um Unterstützung bei der Bewässerung.

Und es geht noch weiter: „Es wird die längste Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“, sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung von Wetter.net: „Steigt die Temperatur über 30 Grad, sprechen wir von einem Hitzetag. Mehrere Hitzetage ergeben eine Hitzewelle. Für Freitag erwarten wir den 9. Hitzetagen in Folge, das ist ein neuer Rekord in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen.“ Ab Freitagabend sei mit Hitzegewittern zu rechnen. Am Wochenende werden Temperaturen von knapp unter 30 Grad erwartet, so Jung: „Die Sonnenstunden werden von 14 auf durchschnittlich neun sinken. Auch die Temperaturen fallen: ab 20. August auf nur noch 25 Grad. Es bleibt trocken und freundlich.“ pb/dnk/stri