Friedhof

Ärger über den mysteriösen Grabschänder in Bergedorf

Lampen und Vasen verschwinden oft: Bettina und Daniela Hein sowie das Ehepaar Michael und Margrit Stöver (v.l.) ärgern sich über verwüstete Grabstätten auf dem Bergedorfer Friedhof.

Lampen und Vasen verschwinden oft: Bettina und Daniela Hein sowie das Ehepaar Michael und Margrit Stöver (v.l.) ärgern sich über verwüstete Grabstätten auf dem Bergedorfer Friedhof.

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

Trauernde sind entsetzt wegen zahlreicher Diebstähle und Verwüstungen auf dem Bergedorfer Friedhof. Bislang hat ihn keiner erwischt.

Bergedorf. Immer, wenn sie das Grab ihrer Mutter besucht, ist irgendwas anders: Mal fehlen die Grablichter, mal ist eine Blumenschale verschwunden, manchmal sind die Engel weg. „Ich habe eine Anzeige auf der Bergedorfer Wache erstattet. Da erzählte mir eine Polizistin, man habe eine alte Dame mit ihrem Sohn auf dem Kieker. Die seien wohl nicht ganz dicht im Kopf und würden am hellichten Tag auf dem Friedhof wühlen“, erzählt Margrit Stöver. Und kann nicht verstehen, warum das Treiben seit Monaten nicht endet: „Angeblich ist das Autokennzeichen der beiden bekannt. Aber bei der Suche sei nichts rausgekommen.“

„Den Mann kann hier offenbar niemand erwischen“

Schnell gründete die Neuallermöherin eine Facebook-Gruppe, „und da haben sich prompt 120 Leute gemeldet“: Alle berichten von Diebstählen, Grabschändungen und Verwüstungen. So auch Nelli Kallinger: „Es war sogar ein frischer Kranz weg und die Schleife lag im Mülleimer.“ Daniela Hein, die vor elf Jahren ihre Mutter, vor vier Jahren ihren Ehemann beisetzte: „Der Dieb hat eine Solarsonne geklaut und eine rote Kugel mit Designerschleife, zudem Laternen und Kerzen“, ärgert sich die Lohbrüggerin: „Für Falschparken und kleine Diebstähle im Laden wird man bestraft, aber den Mann kann hier offenbar niemand erwischen“, wundert sie sich – und hätte ohnehin gern weniger Arbeit. „Aber ich muss pflanzen und pflegen. Eine einfache Steinplatte ist auf dem Friedhof nicht erlaubt.“

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Schlimmer und ominöser

Dass der Übeltäter ein Mann ist, glaubt auch Bettina, die – wie auch andere Geschädigte – ihren Nachnamen lieber nicht verraten möchte: „Der ist irgendwie verrückt im Kopf, hat an unserem Grabstein mühsam den ganzen Efeu abgekratzt und die Buchsbäume kleingeschnitten. Und das geht schon seit dem Herbst so, wird immer schlimmer und ominöser. Oft ist etwas herausgerissen, zerstört oder verunstaltet. Bloß einmal war sogar eine neue Blume gepflanzt“, wundert sie sich, auch über zig Blumenvasen im Mülleimer, Terrakottaschalen und kleine Gartengeräte. Das alles berührt sie arg: „Meine Mama verstarb mit nur 44 Jahren, an meinem neunten Geburtstag. Diese Grabschändung jetzt geht mir sehr zu Herzen“, so die Wentorferin.

Verdächtigen angesprochen

Die Friedhofsverwaltung könne nichts tun, so Margit Stöver: „Die müssen ihn in flagranti erwischen.“ Bislang aber erfolglos, „obwohl unser Revierleiter auf der Lauer ist, auch schon mal einen Verdächtigen angesprochen hat“, sagt Rathaussprecherin Martina Parlow: „Die Vorfälle sind schon länger bekannt, daher achten unsere Leute darauf. Aber seit zwei Wochen ist offenbar Ruhe.“

Polizei bleibt wachsam

Auch die Polizei will aufmerksam sein, so Sprecher Florian Abbenseth: „Der zuständige bürgernahe Beamte ist auf dem Friedhof immer wieder präsent. Er wird die Situation bei seinen regelmäßigen Streifengängen im Auge behalten.“

Allerdings sollte die Suche nach dem „Grabschänder“ nicht ausufern: Der angeblich verdächtigte Mann etwa war lediglich ein Besucher am Grab seiner Angehörigen.