Bergedorf

Sie sind kleinen Sünden und großen Ärgernissen auf der Spur

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Christina Rückert
Maik Kohlbecker und Ole Siepelt sind Teil des neuen Teams "Lokale Präsenz" am, PK43. Sie kontrollieren die "weiche Lage", also etwa Parkdelikte oder zugewachsene Schilder.

Maik Kohlbecker und Ole Siepelt sind Teil des neuen Teams "Lokale Präsenz" am, PK43. Sie kontrollieren die "weiche Lage", also etwa Parkdelikte oder zugewachsene Schilder.

Foto: Foto / Christina Rückert

Das neue Polizeiteam hat bereits 1200 Knöllchen geschrieben. Doch es geht mehr darum, Gesicht zu zeigen: Unterwegs mit einer Streife.

Bergedorf. „Warte mal, stopp, fahr mal ein kleines Stück rückwärts zum weißen Wagen.“ Maik Kohlbecker (52) zeigt auf einen betagt wirkenden VW Lupo, der am Straßenrand geparkt ist. Kollege Ole Siepelt (48) am Steuer des Streifenwagens setzt langsam zurück. Tatsächlich, Maik Kohlbecker hat im Vorbeifahren mit Argusaugen richtig geguckt: Der TÜV des Autos ist schon lange abgelaufen, genauer seit Januar. Der Besitzer wird später ein 15-Euro-Knöllchen hinter dem Scheibenwischer finden – und in Sachen TÜV Post bekommen.

Mitte Juni hat das Team den Dienst aufgenommen

„Es könnte ja wirklich etwas mit dem Wagen sein – schlimmstenfalls etwas, das später andere gefährdet“, stellt Maik Kohlbecker fast entschuldigend fest. Knöllchenschreiben ist zwar der Job des 52-Jährigen – aber eben nur ein Teil davon. Kohlbecker und Siepelt gehören zum neuen Team „Lokale Präsenz“, das Mitte Juni seinen Dienst am Bergedorfer Polizeikommissariat 43 aufgenommen hat. Und die derzeit neun Mitarbeiter – teils aus dem Polizeidienst, teils Quereinsteiger – sollen vor allem Ansprechpartner für die Bürger sein. „Es geht darum, Präsenz zu zeigen“, sagt Dienstgruppenleiter Torsten Grübner. Aber auch, sich um die kleinen Ärgernisse zu kümmern, die sogenannte „weiche Lage“. Das können zugewachsene Schilder sein oder Müllecken. Aber auch richtige Verstöße wie das Falschparken. Aufgaben wie sie früher auch die Bezirklichen Ordnungsdienste übernahmen, ehe sie aufgelöst wurden.

Etwa 1200 Parkknöllchen hat das Team „Lokale Präsenz“ in den ersten sechs Wochen bereits geschrieben. Viele Bürger honorieren die zunehmende Präsenz. „Die Bergedorfer sind wirklich freundlich und grüßen auch oft“, stellt Ole Siepelt fest. Sogar wenn die Angestellten im E-Streifenwagen vorbeifahren, winken die Menschen, um sie anzuhalten und etwas loszuwerden.

Auch das eingewachsene Halteverbotsschild wird notiert

Und so fahren Maik Kohlbecker und Ole Siepelt an diesem Donnerstagmorgen im Schleichtempo durch die Nebenstraßen und schauen aufmerksam nach rechts und links. Heute sitzt Ole Siepelt am Steuer, während Maik Kohlbecker aufschreibt, was auffällt. Zum Beispiel das komplett eingewachsene Halteverbotsschild an der Rektor-Ritter-Straße. Der Hinweis wird später ans Bezirksamt gehen.

Im Gojenbergsweg fahren die beiden Angestellten im Polizeidienst an einer Baustelle vorbei. Und siehe da: Auf einem Behindertenparkplatz steht ein Transporter. Ein Fahrer eilt gleich herbei. Ole Siepelt erkennt ihn, er hat ihn jüngst mit einem anderen Fahrzeug ohne TÜV gestoppt. Kurzerhand steigt Siepelt aus: „Neulich keinen TÜV, jetzt Behindertenparkplatz!“, stellt er fest. Und ergänzt resolut: „Nun mal schnell weg hier!“ Wer einsichtig ist und sich nichts allzu Schlimmes hat zu Schulden kommen lassen, darf darauf hoffen, dass die Angestellten auch mal ein Auge zudrücken.

Ein Smart muss abgeschleppt werden

Manche Sachen aber gehen gar nicht. Der Smart, der an der Wetterringe so dicht in der Einmündung steht, dass Fußgänger auf die Straße laufen müssen, hat zwar schon ein Knöllchen. Nun aber ordern Maik Kohlbecker und Ole Siepelt den Abschleppdienst: „Das hier könnte auch Kinder gefährden!“ Wenig später streifen die Angestellten zu Fuß durchs Sachsentor. Und werden auch hier neugierig beäugt. „Das ist schon so“, sagt Ole Siepelt. Die Menschen schauen neugierig, grüßen auch mal. Nicht immer ist sicher, ob das Interesse freundlich ist. „Manchmal werden wir fotografiert oder gefilmt.“ Aber da braucht es eine dicke Haut – denn letztlich geht es hier um die Sicherheit aller. Und viele wissen das zu würdigen. Der ältere Herr am Reinbeker Weg lächelt jedenfalls: „Ihnen einen schönen Tag!“

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