Habermannstraße in Bergedorf

Mulmige Gefühle auf dem Fahrradstreifen

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Jan Schubert
Bernd Kalesse kritisiert die Umgestaltung des Straßenzugs Habermannstraße/Am Beckerkamp.

Bernd Kalesse kritisiert die Umgestaltung des Straßenzugs Habermannstraße/Am Beckerkamp.

Foto: Jan Schubert

Skeptiker befürchten eine Gefährdung der Radfahrer durch die Umgestaltung von Habermannstraße und Am Beckerkamp.

Lohbrügge.  70 Jahre lang fährt Bernd Kalesse bereits Fahrrad. „Ich bin kein Ultra“, sagt der Senior aus Lohbrügge, „aber es ist das ideale Verkehrsmittel. In fünf Minuten bin ich zum Beispiel auf dem Wochenmarkt.“ Kalesse jedoch fürchtet, dass die umfangreiche Umgestaltung der Hauptverkehrsstraße Am Beckerkamp/Habermannstraße ein sicherheits- und radfahrtechnisches Desaster werden könnte.

Zweimal zwei Meter Breite für Radler

Auf der Lohbrügger Verkehrsader wird während der zweiten Umbauphase zwischen K 80 und B 5 im Bereich Am Beckerkamp/Habermannstraße der Autoverkehr von vier auf zwei Fahrspuren reduziert. Motorisierte teilen sich demnächst den Asphalt in beide Fahrtrichtungen mit Radfahrern, weil in jede Richtung ein zwei Meter breiter Streifen für Radler plus 25 Zentimeter breiter Abtrennstreifen eingerichtet wird. Obendrauf wird der bauverantwortliche Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) begrünte Mittelstreifen und breitere Fußwege implementieren. Fertigstellungstermin: Ende November 2020.

„Eine klare und gefährliche Fehlplanung“

„Eine klare und gefährliche Fehlplanung“, sagt Baubeobachter Kalesse, der kein grundsätzlicher Gegner der Straßensanierung ist. Aber: „Man zerstört unnötig ein funktionierendes System. In Zukunft kommen sich Auto- und Radfahrer gefährlich nah.“ Neben Pkw nutzen auch Busse, Lkw bis zu 40 Tonnen und landwirtschaftliche Gefährte mit Anhängern diesen Bereich. Bernd Kalesse ahnt: „Das ist nicht nur gefährlich eng, zu Hauptverkehrszeiten züchtet man sich so Staus heran.“

Am Kreisel wird es richtig eng

Und es gibt weitere Stellen, die bereits umdesignt wurden und die Radfahrer Kalesse mit mulmigem Gefühl durchfährt. Etwa die kurze Verbindung zwischen den beiden Kreiseln am Binnenfeldredder: Hier haben Autos nur wenige Zentimeter Platz, um Radfahrer vor sich auf der Straße zu überholen, müssen sich gegebenenfalls vor der Einfahrt in den nächsten Kreisel in Geduld üben – ob die jeder hat?

„Ohne Not eine Falle konstruiert“

Oder die geänderte Verkehrsführung auf dem Röpraredder in Richtung Kreisverkehr: Dort werden Radler auf Höhe Buchenweg vom kombinierten Fuß-Radweg auf dem Bürgersteig auf die Straße geschickt. Die Fahrbahn wird kurz vor dem ersten Kreisel deutlich enger. Bernd Kalesse: „Ohne Not wurde aus einem sicheren Radweg eine gefährliche Falle gemacht.“

Seniorenbeirat teilt die Zweifel

Die Zweifel des 74 Jahre alten Lohbrüggers an dem Umbau teilen der Seniorenbeirat und auch Eltern von Schulkindern – im besagten Bereich liegen mehrere Schulen – dürften Sorgen um die Sicherheit ihrer Sprösslinge bekommen. Allerdings: Bezirksamt und Polizei wollen vor Schul-Wiederbeginn einen Info-Nachmittag „Sicherer Schulweg“ organisieren.

ADFC ist eher zuversichtlich

All diese Bedenken sind auch Reinhold Reumann, Sprecher der ADFC-Bezirksgruppe Bergedorf, geläufig. Doch der Neuallermöher ist sicher, dass sich mit der neuen Spuren-Organisation Unfälle beim Abbiegen verringern werden – weil Radfahrer gesehen werden: „Viele sagen, dass Autos und Fahrräder möglichst weit voneinander entfernt gehalten werden sollen. So eine Sicherheit ist aber trügerisch an Ein- und Ausfahrten oder Kreuzungen. Wenn man Radfahrer aber permanent im Blick behält, passiert einfach weniger“, meint Reumann. Gern hätte er in Lohbrügge auch eine Art Kopenhagener Modell umgesetzt gesehen, wo Radwege durch einen leicht, um drei bis vier Zentimeter erhöhten Kantstein zur Fahrbahn abgesetzt sind – das war der Stadt Hamburg zu teuer, aber: „Das, was jetzt kommt, ist doch im Vergleich zum Radstreifen auf der B 5 oder der Vierlandenstraße ein Quantensprung“, findet Reumann.

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