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Protest gegen eine Bergedorfer Ostumgehung

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Anne K. Strickstrock
Kita-Leiterin Maret Brunnert (links), viele Eltern und auch Anwohner der Rothenhauschaussee (rechts) fordern von der Bergedorfer Politik alternative Vorschläge für die Verkehrsplanung – und sie mögen doch bitte das Naherholungsgebiet erhalten.

Kita-Leiterin Maret Brunnert (links), viele Eltern und auch Anwohner der Rothenhauschaussee (rechts) fordern von der Bergedorfer Politik alternative Vorschläge für die Verkehrsplanung – und sie mögen doch bitte das Naherholungsgebiet erhalten.

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

Eltern aus der Wald-Kita gründen Initiative „Geesthang erhalten“, auch Anwohner engagieren sich.

Bergedorf.  Diese Proteststimmung war naturgemäß zu erwarten: Nachdem die Eltern des Awo-Waldkindergartens und Anwohner der Rothenhauschaussee in der Zeitung gelesen haben, dass sie einen Autobahnanschluss vor die Tür gesetzt bekommen sollen, formiert sich der Unmut – und gipfelt in der Initiative „Geesthang erhalten!“

Vorschlag der FDP stößt auf Unmut

Wie berichtet, diskutiert die Bezirksversammlung heute, 18 Uhr, die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Ostumgehung zur Entlastung der Wentorfer Straße: Nach Vorschlag der FDP soll sie vom Wentorfer Südring über den Geesthang bei Börnsen bis zur Rothenhauschaussee führen, dann beim Speckenweg die Marschenautobahn erreichen.

Awo-Landesverband kämpft für Wald-Kita

„Erstaunlich, dass sogar die Grünen dafür gestimmt haben, den schönen Geesthang für eine Autostraße zu zerstören“, wundert sich Kita-Leiterin Maret Brunnert, die mit derzeit 46 Kindern täglich den Wald als Spiel- und Lernort entdeckt. Klettern, spielen, bauen und matschen gehören zum Programm von Hamburgs erster Wald-Kita, die bereits 1997 gegründet wurde und mit der Hansestadt einen Pachtvertrag „auf unbestimmte Zeit“ abgeschlossen hat. Unterstützung bekommt Brunnert vom Awo-Landesverband: „Eine Schließung wäre fatal für viele Familien in der Region“, sagt Kita-Bereichsleiter Helge Jaschke.

„Haben Sie geprüft, ob die vorhandene Infrastruktur effektiver genutzt werden kann – samt Ausbau von ÖPNV und Fahrradwegen?“, fragt die Awo nun die Koalitionsfraktionen.

Einzig CDU-Politiker Jörg Froh sei vor Ort gewesen und habe die Idee seiner Fraktion vorgestellt: Sie will den Verkehr künftig schon von Börnsen aus hinunter zur B 5 und weiter zur A 25-Anschlussstelle Curslack leiten. Eine Beschilderung wäre schon am Kreisel in Neu-Börnsen nötig.

„Die Börnsener sollen uns nicht belasten“

Diese Idee könnte die Initiative „Geesthang erhalten!“ ebenso teilen wie die Anwohner: „Börnsen hat wie verrückt Baugebiete erschlossen. Dann müssen sie auch für ihre Leute sorgen und nicht uns belasten“, meint Ute Miersch. Ihr Sohn Marco hält eine neue Straße für ein „falsches, verkehrspolitisches Signal, das nicht in die Zukunft passt“. Anwohnerin Insa Zitouni, die hier erst vor vier Jahren ein Haus baute, verweist auf den Bauplan von 1994, der „weltlichen Frieden“ vorsieht, denn „in dieser Schneise hier liegen ja auch die Hochdruck-Gasleitungen“.

Erneutes Treffen am Montag

Auch die neunjährige Anwohnerin Ida Lienshöft engagiert sich mit ihren Eltern, „weil ich den Wald mag und eine Straße all die Hasen und Rehe verscheuchen würde“. Initiator Andreas Kuttenkeuler hat nun für Montag, 22. Juni, eine Ausnahmegenehmigung bei der Polizei erfragt, damit sich die Protestler um 19 Uhr auf der Kita-Wiese treffen können (Anmeldung unter Geest hang-erhalten@t-online.de). Auch Elternvertreterin Hanna Levitzkiy kämpft nicht allein für ihre fünf Kinder: „Wir alle wollen diese wunderbare Wald-Kita erhalten.“

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