Bergedorf

Das zähe Ringen um den Rad- und Fußweg am Schleusengraben

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Christina Rückert
Die Karte zeigt den Schleusengraben als blaues Band von der City bis ins Landgebiet – und wie viele Wohngebiete von dem Rad- und Fußweg am Wasser profitieren würden. „WE“ steht für Wohneinheiten.

Die Karte zeigt den Schleusengraben als blaues Band von der City bis ins Landgebiet – und wie viele Wohngebiete von dem Rad- und Fußweg am Wasser profitieren würden. „WE“ steht für Wohneinheiten.

Foto: Bezirksamt Bergedorf

Rad- und Fußweg soll Bewohnern kurze Wege in die City ermöglichen. Doch das Projekt ist kompliziert. Die Gründe sind vielfältig.

Bergedorf. Hunderte Menschen wohnen bereits am Schleusengraben – und Hunderte weitere werden zeitnah dazukommen. Wohngebiete wie die „Glasbläserhöfe“ und der „Schilfpark“ sind nahezu fertig, der „Weidensteg“ oder das „Stuhlrohrquartier“ sollen folgen. Doch der Rad- und Fußweg, der allen Bewohnern kurze Wege in die Bergedorfer City ermöglichen soll, erweist sich als kompliziertes Projekt, das auch nach Jahren der Planung noch längst nicht realisiert ist. Und die Gründe dafür sind vielfältig.

Politik

Alle Fraktionen befürworten das Projekt. Doch über das „Wie“ sind ausgerechnet vorm Start des ersten Bauabschnitts Ende 2019 neue Debatten entbrannt. Es geht darum, ob sich Radler und Fußgänger den Weg gleichberechtigt teilen sollen – oder ob Radler mehr Platz und je Richtung eine eigene Spur erhalten. Schließlich sei die Strecke im bezirklichen Radwegekonzept zur Veloroute erklärt worden, so die Grünen. Die CDU verweist hingegen auf die fehlende Gehwegbreite und auf den Bebauungsplan, der einen Kombiweg ausweist.

Ein Streit zur Unzeit, hatte doch der Bezirk endlich mit den Gehölzrodungen für den ersten Bauabschnitt von der Sander-Damm-Brücke/Opel Dello bis zum künftigen Wohngebiet „Weidensteg“ begonnen. Zwar hat der Sommer nun ohnehin für eine Pause gesorgt, da in der Brutsaison nicht gerodet werden darf. Doch im Herbst soll es weitergehen. Etwa sechs bis acht Monate sind für die Arbeiten angesetzt. Der Untergrund des Weges soll möglichst schnell fertig sein, hofft Baudezernent Uwe Czaplenski. Die Tragschicht zur Vollendung aber kann erst gelegt werden, wenn klar ist, ob es eine Trennung Radler/Fußgänger geben soll.

Grundeigentümer

Parallel muss das Bezirksamt auch mit anliegenden Grundeigentümern des Weges offene Fragen klären. Bei der geplanten Unterquerung an der Sander-Damm-Brücke/Opel Dello ist die Verwaltung einen Schritt weiter. Dort benötigt das Amt „einen größeren Grundstücksteil als den, den wir schon haben“, so Czaplenski. Denn der Radweg soll hinter der Brücke verschwenkt werden und in Höhe Dello in einen kleinen Platz münden. Grund ist die Aufenthaltsqualität: Die hier geplanten Wohnungen (siehe Seite 1) könnten sich zu diesem Platz ausrichten, sodass er nicht nur eine Art Mitte des Quartiers ist, sondern auch eine soziale Kontrolle bietet. Der neue Eigentümer habe das auch erkannt und wolle die Fläche abtreten, so Czaplenski.

Verhandelt wird hingegen noch ein Stück weiter Richtung Landgebiet, beim künftigen Wohngebiet „Weidensteg“. Hier ringen Bezirksamt und Eigentümer schon lange um einen Flächentausch. Es geht um die im Verlauf des Wegs geplante Fußgängerbrücke über den Schleusengraben zum „Schilfpark“. Für den Brückenkopf braucht der Bezirk 7000 Quadratmeter Fläche von Eigentümer Hans-Werner Maas. Umgekehrt braucht dieser vom Bezirk 3000 Quadratmeter an der Kampbille für die Entwässerung des „Weidenstegs“. Ein ungleicher Tausch, der den Bau der Brücke und damit auch den zweiten Bauabschnitt des Weges beeinflusst. Doch die Zeit drängt: Bis Jahresende muss das Geschäft entschieden sein, dann läuft die Frist der Kommission für Bodenordnung aus.

Natur

Ehe überhaupt am ersten Bauabschnitt weitergearbeitet wird, muss der Bezirk zudem Nistplätze für Eisvögel schaffen. Bergedorfs Patentier hat sich überraschend am Schleusengraben angesiedelt. Acht „Angebotsplätze“ soll es geben.

Dritter und vierter Bauabschnitt

Wie es später im dritten Bauabschnitt (Sander Damm bis Serrahn) sowie im vierten ab „Weidensteg“ ins Landgebiet weitergeht, ist weitestgehend unklar. Hier gilt es noch, mit Eigentümern zu verhandeln.

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