Bergedorf

Langer Weg zum Markt in den Stuhlrohrhallen

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Ulf-Peter Busse
Blick auf die um 1890 errichteten Stuhlrohrhallen und das dahinter liegende Gelände, das zum Stuhlrohrquartier werden soll. Der Baustart ist offen.

Blick auf die um 1890 errichteten Stuhlrohrhallen und das dahinter liegende Gelände, das zum Stuhlrohrquartier werden soll. Der Baustart ist offen.

Foto: Buwog / BGZ

Das Bezirksamt macht Druck: Grundeigentümer Buwog soll Konzept für Nutzung der Gewerbeflächen im künftigen Stuhlrohrquartier vorlegen.

Bergedorf. Der Umbau der Stuhlrohrhallen zur wettergeschützten Heimat von Bergedorfs Wochenmärkten braucht noch einige Jahre. Das geht aus einer Stellungnahme des Bezirksamts zum Prüfauftrag der Bezirksversammlung hervor. Angeregt von der FDP will Bergedorfs Ampel-Koalition die 130 Jahre alten Hallen zum pulsierenden Marktplatz für regionale Produkte machen – und so dem künftigen Stuhlrohrquartier mit seinen fast 1000 Wohnungen und mindestens 15.000 Quadratmetern Gewerbefläche zu besonderem Flair verhelfen.

Mietverträge von Bettenlager und Mega-Zoo bis 2030

Doch wenn das gelingen soll, muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. So weist das Bezirksamt darauf hin, dass die Buwog als Grundstückseigentümerin und Projektentwicklerin bisher keine entsprechenden Pläne verfolge. Im Gegenteil: Die Hallen seien bis 2030 an die heutigen Nutzer Dänisches Bettenlager und Mega-Zoo vermietet, eine Kündigung nicht beabsichtigt. Zudem sei die Buwog überzeugt, keinen Betreiber für eine Markthalle zu finden.

Präsident der Markthändler ist kritisch

Auch öffentliche Gelder, etwa aus dem Rise-Programm für regionale integrierte Stadtteilentwicklung seien passé, weil das Areal außerhalb aller Fördergebiete liege. Und um die Phalanx der Ablehner komplett zu machen, kommt schließlich noch Hamburgs Markthändler- und Schausteller-Präsident Wilfried Thal zu Wort: „Ich finde den Gedanken zwar sympathisch“, bestätigte er gestern auch gegenüber unserer Zeitung. „Aber alle Versuche, in Hamburg Markthallen einzurichten, sind gescheitert. Das gilt für die HafenCity genauso wie für die Rindermarkthalle auf St. Pauli.“ Und das werde in Bergedorf nicht anders sein, weil hier ohnehin schon eine hohe Wochenmarktdichte bestehe. „Generell fahren Händler lieber einen bestehenden Markt an, als das Risiko einzugehen, einen neuen Markt über Jahre mit entsprechenden Kosten aufzubauen, bevor er sich für sie rechnet.“

Buwog soll Konzept für Gewerbe zeitnah vorlegen

Trotzdem mag das Bezirksamt die Idee der Vermarktung regionaler Produkte im neuen Stuhlrohrquartier nicht grundsätzlich verwerfen. Hintergrund: Die Buwog hat bisher kein Konzept präsentiert, wie die per Bürgerbegehren 2018 durchgesetzten „mindestens 15.000 Quadratmeter Nicht-Wohnnutzungen“ das künftige Stuhlrohrquartier prägen sollen.

Politik soll im Landgebiet um Zustimmung werben

Die Verwaltung schlägt deshalb einen dreigleisigen Ansatz vor: Im Rahmen des laufenden Bebauungsplanverfahrens werde sie auf die Buwog einwirken, neben den Stuhlrohrhallen auch die künftige Nutzung der angrenzenden Gewerbeflächen im Quartier zu konkretisieren. Nach den Sommerferien sollen Ideen der Politik vorgestellt werden – und gern auch „das Angebot
von regionalen Erzeugerprodukten konzeptionell umfassen“. Ferner sei es an der Bezirksversammlung, nun den geforderten Arbeitskreis „Natur, Kultur und Landwirtschaft in den Vier- und Marschlanden“ zu aktivieren und mit dem Thema Markthalle zu befassen, damit im Landgebiet Mitstreiter gewonnen werden.

Stuhlrohrhallen künftig auch mit Freizeitangeboten

Ob das dann doch den Markt in die Stuhlrohrhallen führt, muss sich zeigen. Sollten die Flächen der aktuellen Mieter dort reduziert werden, favorisiert das Bezirksamt jedenfalls „gewerbliche Ansätze oder freizeitbezogene Angebote. Ziel sollte es sein, attraktive und belebende Angebote zu bevorzugen.“

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