Rund um die City

Politik lässt öffentliche Taubenschläge prüfen

Nicht schön, aber längst fester Teil des Stadtbilds: Tauben suchen auf öffentlichen Plätzen nach Nahrung.*

Nicht schön, aber längst fester Teil des Stadtbilds: Tauben suchen auf öffentlichen Plätzen nach Nahrung.*

Foto: Bertold Fabricius

Vier große Objekte sollen reichen, um der Taubenplage in der Innenstadt, am Bahnhof und den Parkhäusern Herr zu werden.

Bergedorf.  Was in Berlin erlaubt ist, ist in Hamburg verboten: Tauben füttern. Bergedorfs Politik will eigene Wege gehen: Einstimmig haben die sechs Fraktionen der Bezirksversammlung dafür votiert, den Bau von Taubenschlägen im Umfeld von Fußgängerzonen und Bahnhof zu prüfen. In den Schlägen sollen die Tiere gefüttert und ihre Fortpflanzung kontrolliert werden. Ziel ist es, die Tauben buchstäblich von der Straße zu holen – und aus den besonders betroffenen Parkhäusern.

„Sinnvolle Maßnahme für Tierschutz und Stadtbild“

„Eine sinnvolle Maßnahme, die sowohl dem Tierschutz dient als auch dem Stadtbild“, sagte Laura Wohnrath (SPD) in ihrer Antragsbegründung mit Blick auf die typischen Bilder von zahllosen kranken, verkrüppelten oder halb verhungerten Tieren. Das Bezirksamt soll nun prüfen, ob Bergedorf Ideen und Konzepte der Städte Augsburg oder Stuttgart übernehmen kann, die gute Erfahrungen mit öffentlichen Taubenschlägen gemacht haben. Auch in anderen Hamburger Bezirken soll nach erfolgreichen Projekten gesucht werden.

Bergedorf könnte Pilotprojekt werden

„Da gibt es bisher nicht viel“, sagt Susanne Gentzsch vom Verein „Gandolfs Taubenfreunde“, der am Rand von Bergedorf-Süd einen Taubenhof zur Pflege kranker Stadttauben betreibt. „In Harburg gibt es seit 2019 einen ähnlichen Prüfauftrag wie in Bergedorf. Und in Altona sollte eigentlich längst eine Arbeitsgruppe zum Thema Stadttauben gegründet werden. Aber geschehen ist auch in diesen beiden Bezirken nichts. Bergedorf hätte also die Chance, Pilotprojekt zu werden.“

Mini-Jobber als Betreuer der Taubenschläge

Im Februar hatte Susanne Gentzsch im Wirtschaftsausschuss über Vorteile und Realisierbarkeit von Taubenschlägen referiert. Auf diesem Vortrag basiert der Prüfauftrag. „Ich bin begeistert, dass die Politik so schnell reagiert hat“, sagt die Expertin, die vier Taubenschläge für Bergedorf vorschlägt: je einen am Mohnhof, auf dem CCB, auf dem Marktkauf-Parkdeck und am Lohbrügger Markt. Zur Betreuung brauche es Mitarbeiter, gern auf 450-Euro-Basis. „So ein Mini-Jobber könnte bis zu zwei Taubenschläge betreuen. Das bedeutet regelmäßige Fütterung und das Austauschen der Eier gegen Attrappen, um die Taubenpopulation zu kontrollieren“, sagt Susanne Gentzsch.

Prototyp steht in Mümmelmannsberg

Neben 15.000 Euro Baukosten pro Taubenschlag taxiert sie die Betriebskosten auf je 7500 Euro jährlich. „Die Betreuer könnten beim Bezirksamt angestellt sein oder beim Tierheim Süderstraße“, schlägt sie vor. Ein Prototyp könne in Mümmelmannsberg besichtigt werden: „Dort wird der Schlag von der Saga finanziert und vom Hamburger Stadttaubenverein betreut.“ In Bergedorf stünden „Gandolfs Taubenfreunde“ für die Beratung während der Planung zur Verfügung. Die Betreuung übernehmen könne der kleine Verein aber nicht.

Marktkauf ist bereits interessiert

Im Februar hatte sich bereits Marktkauf für den Bau eines Taubenschlages interessiert – allerdings nur, wenn auch die anderen drei im Bergedorfer Stadtzentrum entstehen. „Es wird Zeit, dass wir handeln und nicht noch ewig prüfen“, mahne Maria Westberg (Linke) in der Bezirksversammlung zu Eile.