Statt Abriss

Denkmalschutz: Hoffnung für Ex-„Klier Moden“-Gebäude

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Gelten für Bergedorf als stadtbildprägend: Kaffee Timm und seine benachbarte, vom Abriss bedrohte „Bude“, ehemals „Klier Moden“.

Gelten für Bergedorf als stadtbildprägend: Kaffee Timm und seine benachbarte, vom Abriss bedrohte „Bude“, ehemals „Klier Moden“.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Behörde scheint Antrag der Eigentümer auf Abriss der 300 Jahre alten Immobilie kritisch zu sehen. Nachbarn schalten Anwalt ein.

Bergedorf. Der seit Monaten laufende Kampf gegen den Abriss der rund 300 Jahre alten ehemaligen „Klier Moden“-Immobilie gleich neben Kaffee Timm im Sachsentor scheint plötzlich gute Aussichten auf Erfolg zu haben. „Der für Bergedorf zuständige Kollege ist derzeit intensiv damit beschäftigt, Möglichkeiten auszuloten, wie das Denkmal erhalten werden kann“, schreibt Kulturbehörden-Sprecher Enno Iserman auf Nachfrage unserer Zeitung.

Sanierung soll 1,5 Millionen Euro kosten

Hintergrund: Die Eigentümergemeinschaft, die das Fachwerkhaus vor etwa sechs Jahren erbte, hatte nach anfänglichen Sanierungsversuchen in 2018 einen Abrissantrag gestellt. Begründet wurde der mit der Unzumutbarkeit einer Erhaltung. Sie würde nach Berechnungen der Eigentümer angesichts des schlechten Gebäudezustands mit rund 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen – gut 50 Prozent mehr, als ein Neubau an gleicher Stelle koste.

Entscheidung für Mai angekündigt

Diese Pläne zu verhindern hat sich neben dem Kultur- & Geschichtskontor nun auch die Eigentümerin des Kaffee-Timm-Hauses vorgenommen. Beim Denkmalschutzamt ist ein 28 Seiten starkes Schreiben ihres Anwalts Gero Tuttlewski eingegangen. Nach umfangreicher Akteneinsicht und in Zusammenarbeit mit dem Denkmalsachverständigen Dr. Geerd Dahms erläutert er detailliert, warum es keine Abrissgenehmigung geben darf – und legt vorsorglich Widerspruch gegen einen möglicherweise trotzdem positiven Bescheid des Amtes ein. Die Behörde hatte für Anfang Mai eine Entscheidung angekündigt.

„In Hamburg einmaliges Ensemble“

Kern des Schreibens bilden drei Argumente. So wird die Immobilie zusammen mit Kaffee Timm von der Behörde selbst als „in Hamburg einmaliges Ensemble“ bezeichnet. Es sei das Nebeneinander von Kaufmannshaus und sogenannter „Bude“, in der einst die Mitarbeiter wohnten. Selbst die starke Umgestaltung beim Einbau der Schaufenster in der 1960er-Jahren täten dem keinen Abbruch.

25 Jahre kein Geld investiert

Zudem gelte das Ensemble dank seiner Lage für Bergedorf als stadtbildprägend. Und schließlich widerspreche auch das Argument der Unzumutbarkeit der Erhaltung den denkmalrechtlichen Vorgaben für einen Abriss: Denn die Erbengemeinschaft, wie auch die Vorbesitzerin, hätten seit mindestens 25 Jahren keinerlei Geld in den Erhalt des Denkmals investiert – obwohl den Großteil der Zeit über ein mittlerer fünfstelliger Betrag an Mieteinnahmen jährlich generiert worden sei.

Im Abrissantrag fehlen wichtige Zahlen

„Diese unterlassenen Erhaltungsinvestitionen fehlen im Zahlenwerk des Abrissantrags. Sie müssen laut Baugesetzbuch aber eingerechnet werden“, sagt Gero Tuttlewski, Fachanwalt für Verwaltungsrecht. „Schön dass das Denkmalschutzamt dem Antrag jetzt kritisch gegenüber zu stehen scheint.“

Übertragen an Deutsche Stiftung Denkmalschutz?

Wie er setzt auch Geerd Dahms auf die Rettung der historischen Immobilie: „Sollte die Eigentümergemeinschaft nicht in der Lage sein, die Sanierung zu finanzieren, könnte das Haus an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz übertragen werden“, schlägt der Experte vor. „Notfalls auch für einen Euro.“

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